Insektensommer des Nabu Im Reich der Sechsbeiner

Der Nabu ruft zur zweiten Zählrunde des Insektensommers auf. Im ersten Abschnitt gab es einen Wechsel an der Spitze der Insektenrangliste.
03.08.2021, 16:56
Lesedauer: 4 Min
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Im Reich der Sechsbeiner
Von Eike Wienbarg

Landkreis Diepholz. Alljährlich ruft der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) zur Zählung der Vögel im heimischen Garten auf. Auch viele Naturbegeisterte aus dem Diepholzer Nordkreis beteiligen sich an der Aktion und legen sich auf die Lauer. Etwas weniger Tradition hat der Insektensommer, bei dem alle Sechsbeiner im Fokus stehen. Nach Abschluss des ersten Zählzeitraums gibt es dort die ersten Ergebnisse. Vom 6. bis 15. August findet deutschlandweit die zweite Zählrunde des Insektensommers statt. Alle Interessierten sind wieder aufgerufen, Insekten zu zählen und zu melden.

"Sechs Beine, bis zu 19 Punkte, ein W auf dem Kopfschild und ein Riesen-Appetit auf Blattläuse", so beschreibt Leonie Jordan von der Nabu-Regionalgeschäftsstelle Weser-Mitte in Verden, die auch für den Landkreis Diepholz zuständig ist, den Gast Nummer eins in deutschen Gärten: Der Asiatische Marienkäfer verdrängte im ersten Zählzeitraum mit den meisten Sichtungen deutschlandweit die Steinhummel von Platz eins. In Niedersachsen kann die Steinhummel ihren ersten Platz dagegen verteidigen – gefolgt von der Hainschwebfliege, dem Asiatischen Marienkäfer, dem Siebenpunkt-Marienkäfer und der Westlichen Honigbiene, berichtet der Nabu.

Bundesweit haben 9060 Menschen am Insektensommer teilgenommen. „Im vergangenen Jahr beteiligten sich im ersten Zählzeitraum 8370 Naturfreunde an der Aktion“, sagt Jordan. „Es zeigt sich, dass der Nabu-Insektensommer einen Nerv trifft. Viele Menschen wollen mehr über diese interessante und überaus wichtige Tiergruppe wissen und sich für sie engagieren“, freut sie sich.

„In unserer Region wurden bereits einige spannende Insekten entdeckt“, so Jordan weiter. „In Verden haben Teilnehmende zwei Pinselkäfer gemeldet, in Bassum spazierte ein Nashornkäfer durch den Garten und in Nienburg schwirrten 13 Löcherbienen daheim umher“, zählt sie auf. Auf einer Wiese bei Walsrode hätten Entdecker gut 800 Individuen aus 43 Arten gefunden. 

Auf der Ergebniskarte des Nabu ist zu erkennen, dass sich fünf Naturbegeisterte aus dem Diepholzer Nordkreis an der Zählaktion beteiligt haben. Im Bereich der Gemeinde Stuhr wird ein Punkt mit insgesamt neun Beobachtungen aufgeführt. Dort wurden unter anderem die Streifenwanze, das Große Heupferd, die Blaue Holzbiene, die Ackerhummel, der Kleine Fuchs, der Siebenpunkt-Marienkäfer sowie der Asiatische Marienkäfer und die Blaugrüne Mosaikjungfer entdeckt. Auch in Weyhe, Syke und Bassum beteiligten sich Menschen an der Zählung.

Dass der Asiatische Marienkäfer den Spitzenplatz einnimmt, erklären die Nabu-Insektenexperten vor allem mit dem Wetter. „Durch das sehr kühle und feuchte Frühjahr konnte der Asiatische Marienkäfer erst vergleichsweise spät mit der Fortpflanzung beginnen. Im ersten Zählzeitraum waren dann besonders die erwachsenen Tiere aktiv und wurden so häufiger als Larven und Puppen gesichtet, das war im letzten Jahr nicht so“, erklärt Laura Breitkreuz vom Nabu.

Das kühle Frühjahr ließ auch die Pflanzen später als üblich blühen oder die Blüte fiel teils ganz ins Wasser. Das bekamen besonders Hummeln und Wespen zu spüren, heißt es weiter. Deren Königinnen machen sich im Frühjahr daran, Nester zu bauen und neue Völker zu gründen. Findet sich wenig Nahrung, sterben viele Königinnen und für jede tote Königin fehlen im Sommer hunderte Nachkommen, so der Nabu. „Besonders schwierig war der Frühlingsbeginn offensichtlich für Ackerhummeln und Erdhummeln. Gegenüber den Vorjahren nahmen die Erdhummelsichtungen beim Insektensommer um die Hälfte ab“, berichtet Expertin Breitkreuz. Ähnlich sehe es bei den Wespen aus: Die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe lagen nur bei 40 Prozent des Vorjahres. „Es könnte also sein, dass 2021 kein Wespenjahr wird“, so Breitkreuz.

Eine besondere Rolle beim Insektensommer spielt wie im Vorjahr der Marienkäfer, von dem es in Deutschland rund 70 Arten gibt. „Wir wollen herausfinden, ob der heimische Siebenpunkt-Marienkäfer oder der Asiatische Marienkäfer häufiger zu sehen ist. Letzterer wurde erst vor wenigen Jahrzehnten eingeschleppt. Wie weit sich die invasive Art bereits verbreitet hat, soll der Insektensommer zeigen“, erklärt Leonie Jordan. 

Am Freitag beginnt dann der zweite Erfassungszeitraum. "Beobachten und zählen kann man fast überall: Garten, Balkon, Park, Wiese, Wald, Feld, Teich oder Bach", heißt es vom Nabu. Das Beobachtungsgebiet sollte nicht größer sein als etwa zehn Meter in jede Richtung vom eigenen Standpunkt aus. Gezählt wird eine Stunde lang. Gemeldet werden die Beobachtungen per Online-Formular oder mit der kostenlosen Web-App "Nabu Insektensommer“. Beide Meldewege sind unter www.insektensommer.de abrufbar.

Jeder gesichtete Sechsbeiner darf gezählt und gemeldet werden. Jetzt im August soll dabei auf einige häufig vorkommende Arten besonders geachtet werden: Schwalbenschwanz, Kleiner Fuchs, Ackerhummel, Blaue Holzbiene, Siebenpunkt-Marienkäfer, Streifenwanze, Blaugrüne Mosaiklibelle und Grünes Heupferd. „Viele trauen sich nicht zu, am Insektensommer teilzunehmen, da sie meinen, über zu wenig Artenkenntnis zu verfügen. Die Sorge ist allerdings unbegründet. Allein in Deutschland gibt es rund 33.000 Insektenarten, da heißt es für uns alle: Mut zur Lücke“, sagt Leonie Jordan. "Wir sind gespannt, was uns im zweiten Zählzeitraum noch über den Weg läuft“, so Jordan.

Zur Sache

Vortrag und Exkursion

Die Nabu-Regionalgeschäftsstelle Weser-Mitte bietet am Sonnabend, 7. August, ab 10 Uhr einen kostenlosen Online-Vortrag zur Erläuterung des Insektensommers an. Dabei sollen Tipps für einen einfachen Einstieg gegeben und die diesjährigen Kernarten sowie unsere heimischen Insektenordnungen vorgestellt werden. Die Anmeldung erfolgt per E-Mail an info@nabu-weser-mitte.de oder telefonisch unter 04231/9701460.

Am Sonntag, 8. August, gibt es auch die Möglichkeit, mit dem Nabu Nienburg auf Entdeckungstour zu gehen. Geplant ist eine Exkursion zum gemeinsamen Zählen. Anmeldungen hierfür nimmt Anja Thijsen per E-Mail an info@nabu-nienburg.de oder telefonisch unter 0176/70039837 entgegen.

Weitere Informationen und Ergebnisse gibt es im Internet unter www.insektensommer.de oder https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-undprojekte/insektensommer/aktionsinfos/24141.html. Informationen speziell für Kinder und Jugendliche gibt es unter www.nabu.de/insekten-kinder und www.naju.de/insektenwelt. Unter www.insektentrainer.de kann das Wissen über Insekten vertieft werden.

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