Internationaler Tag gegen Gewalt gegen Frauen "Klares Signal an diese Gruppe"

Zahlreiche Aktionen wurden am Donnerstag zum internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen organisiert. Zudem hat der Landkreis Diepholz die Täterberatung ab dem 1. Oktober eingerichtet.
25.11.2021, 16:11
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Von Dennis Glock Micha Bustian

Landkreis Diepholz. Mit der Täterberatung hat der Landkreis Diepholz seit dem 1. Oktober ein neues Angebot im Kampf gegen häusliche Gewalt aufgenommen. Eine gute Nachricht am Donnerstag, am 25. November, am internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Diese Täterberatung wird vom Landkreis zunächst für drei Jahre mit 20.000 Euro pro Jahr unterstützt.

Christina Runge, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, freut sich über den Ausbau der Interventionskette häusliche Gewalt und den damit verbundenen Blickwechsel – weg von den Opfern hin zu den Tätern häuslicher Gewalt. „Das neue Angebot ist ein klares Signal an diese Gruppe. Ihr zerstörerisches Verhalten wird gesehen und nicht akzeptiert. Gleichzeitig wird ihnen eine Lösungsmöglichkeit angeboten“, erklärt Runge. Doch wie erfahren Täter und Opfer von dieser neuen Möglichkeit? Hier ist sich die Arbeitsgemeinschaft der Gleichstellungsbeauftragten einig, dass dazu noch einiges an Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit geleistet werden muss. Unterstützung wird die Arbeitsgemeinschaft dabei auch von der Polizei, dem Jugendamt und den Gerichten erfahren. Umgesetzt wird das Angebot von Detlev Beaury und Holger Arntjen, zwei erfahrenen Trainern in diesem Bereich.

Zwischen 9 und 11 Uhr wurde in Bruchhausen-Vilsen im Mein.Naturbrot- Kaffeehaus Vilsen, ehemals Orlamünde, in der Bahnhofsstraße 49 mit dem Verkauf von Brötchen in speziellen Brötchentüten auf die Aktion „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ aufmerksam gemacht. Seit nun schon 14 Jahren organisiert die Arbeitsgemeinschaft der Gleichstellungsbeauftragten in Kooperation mit der Bäcker-Innung Diepholz-Nienburg am 25. November  landkreisweit diese Brötchentütenaktion. In diesem Jahr wurden dabei mehr als 20.000 Brötchentüten an rund 100 Bäckereien und Filialen verteilt. Beide Beraterinnen der Fachberatungsstelle für Mädchen und Frauen aus Bruchhausen- Vilsen, Corinna Wiegmann und Christine Schröder, standen gemeinsam hinter dem Tresen und halfen fleißig mit beim Verkauf der Brötchen. Auch die Bäckerei Meyer in der Bruchhausen-Vilser Rewe-Filiale und die Bäckerei Niemeyer in Asendorf nahmen an der Aktion teil. 

Wie auch schon in den vergangenen Jahren wurde am Rathaus in Bruchhausen-Vilsen die passende Fahne zu dieser Aktion sichtbar gemacht. „Gerade in dieser schweren Corona- Zeit mit den vielen Beschränkungen ist es besonders wichtig auf das Thema häusliche Gewalt aufmerksam zu machen und die Anlauf-und Unterstützungsmöglichkeiten sichtbar zu machen“, erklärt Vilsens Gleichstellungsbeauftragte Christine Schröder.

Die gleiche Aktion lief vor dem Verwaltungssitz in Bassum. Die örtliche Gleichstellungsbeauftragte Christine Gaumann erhielt auch gleich eine Reaktion. "Heute habe ich bereits zwei Anfragen zu dem Thema bekommen." Das Thema Gewalt in Familien lasse sie nicht los. Sie sei zwar nicht direkt zuständig, verweise aber gerne an die richtige Adresse. Ihre Telefonnummer: 0 42 41 / 84 61. Betroffene und Interessierte können aber auch direkt die Beratungsstelle für Frauen in Syke (Telefon 0 42 42 / 66 60 00), die Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen in Bassum (0 42 41 / 10 03), oder die Beratungsstelle des Landkreises Diepholz bei sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen in Twistringen (0 42 43 / 9 41 26 30) kontaktieren. 

Auch vor dem Syker Rathaus flattert die Fahne mit dem klaren Nein zu Gewalt an Frauen. Darüber hinaus beteiligt sich die Stadt an der Mitmachaktion des Hilfetelefons (siehe Text unten). Unter dem Stichwort #schweigenbrechen hatte die Hilfsorganisation bundesweit dazu aufgerufen, sich mittels eines Selfies oder dem Teilen des Plakats "Wir brechen das Schweigen" in den sozialen Netzwerken mit Betroffenen solidarisch zu zeigen. Bürgermeisterin Suse Laue und Erster Stadtrat Thomas Kuchem haben gemeinsam mit den Fachbereichsleitungen aus dem Syker Rathaus daran teilgenommen.

Zur Sache

Der gefährlichste Ort ist das Zuhause

Die Zahlen des Bundeskriminalamtes für 2020 zeichnen ein trauriges Bild, findet die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaften. Die GEW erklärte in einer Pressemitteilung, das Frauen immer wieder in Partnerschaften Opfer von Gewalt würden. Im Vergleich zum Vorjahr sei diese Zahl um 4,4 Prozent angestiegen: Für 132 Frauen endete diese Gewalt tödlich. Schockierend: Der gefährlichste Ort für Frauen ist ihr Zuhause. 

Bundesweit gibt es kostenlose Hilfe unter der Telefonnummer 0 80 00 / 11 60 16 und auf der Internetseite www.hilfetelefon.de. Für den Landkreis Diepholz gibt es Hilfeangebote unter dem Link https://www.diepholz.de/portal/seiten/die-elternberatungsstellen-900000183-21750.html?vs=1

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