Digital dabei

Wege aus der Schockstarre

Der Verein Kunst in der Provinz stellt im Internet aus. Künstler drücken bei der Online-Aktion aus, was sie in Zeiten der Corona-Pandemie bewegt.
11.05.2020, 16:47
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Dagmar Voss
Wege aus der Schockstarre

Die Moordeicherin Christiane Dreyer hat sich mit einem Bild an der Internet-Aktion des Vereins Kunst in der Provinz beteiligt.

UDO MEISSNER

Landkreis Diepholz. Künstler gehen zurzeit landauf landab online, mit dabei auch die Mitglieder des Vereins Kunst in der Provinz. Vorstandsvorsitzende Brunhild Buhre hatte dazu aufgerufen: „Unsere regulären vereinsmäßigen Aktivitäten fallen zunächst bis auf Weiteres zu unserem Bedauern aus. Persönliche Kontakte, Ausstellungen und deren Besuch sind zurzeit gar nicht möglich. Umso wichtiger ist es uns, einen Online-Austausch mit Euch zu organisieren und damit die Kommunikation unter den Vereinsmitgliedern aufrecht zu erhalten. Wir arbeiten daran.“

Sie hatte sich mit ihren Vorstandskollegen dazu auch Gedanken gemacht und verschiedene Fragen im E-Mail-Verteiler versandt: „Welche Dinge bewegen euch heute? Vielleicht habt ihr mehr Zeit als sonst und schon neue Freiräume entdeckt? Oder ihr fühlt euch gerade angesichts Corona manchmal elend und deprimiert? Oder arbeitet ihr direkt zum Thema Corona? Oder haben eure bisherigen Arbeiten in diesem Zusammenhang eine neue Bedeutung gewonnen?“ Einige Mitglieder reagierten sofort. So Karin Schildmair aus Bruchhausen-Vilsen mit einem Gedicht und einem Bild. Sie schreibt: „Beides ist ganz spontan entstanden, beim Yoga morgens kam die Eingebung, dann bin ich aufgestanden, und beides floss mir zu, wie man so schön sagt. Da war kein langes Überlegen, bei der Zeichnung geht das ja sowieso nur in einem Rutsch ...“

Holger Hertwig aus Bremen schrieb: „Ich kann mir gut vorstellen, dass es etliche unserer Mitglieder machen. Und das dann auf der Homepage zu zeigen, ist ein schönes Zeichen der Verbundenheit im Verein.“

Vereinsvorsitzende Buhre ist „sehr zufrieden mit der Resonanz“. So auch über das Werk „Fuck you – Corona“ von der Moordeicherin Christiane Dreyer: „Mein Bild zur aktuellen Situation, die uns allen viel abverlangt und auch Horizonte eröffnet ...“ Das Werk in Acryl auf Leinwand ist in den vergangenen vier Wochen entstanden. „Das kam so aus mir raus und ist mein Ausdruck dieser Zeit. Ich glaube, viele Kollegen sind in eine Art Schockstarre verfallen“, vermutet sie.

Bildhauerin Karin Rosenbaum aus Bruchhausen-Vilsen meint: „Täglich gehe ich an ihr vorbei. Die Skulptur, die ich im Januar 2020 aus dem wunderbaren indischen Stein gehauen habe, sollte eine Anklage sein gegen Krieg und gegen das unsinnige Töten in der Welt. Nun hat sie eine ganz andere Bedeutung bekommen.“ Inzwischen habe die Corona-Krise alle fest im Griff, ist sie überzeugt. „Nichts ist mehr, wie es war. In jeder Krise steckt eine große Chance, sagt man, und auch wenn wir Abstand voneinander halten sollen und Masken tragen müssen, können wir doch aneinander denken, füreinander beten und gemeinsam miteinander handeln und vielleicht auch endlich lernen, dass uns Kooperation weiterbringt als Konkurrenz.“ Diese und andere erste Beiträge zum Thema Corona können Interessierte auf der Homepage des Vereins anschauen unter www.kunst-in-der-provinz.de. Wer sich beteiligen möchte, kann seine Arbeiten, Fotos, Gedanken, Kommentare und Ideen per E-Mail an Bruni Buhre senden. Die Adresse: b.buhre@t-online.de.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+