Ausbildungsmarkt Zahl der Ausbildungsverträge steigt

IHK, Kreishandwerkerschaft und die Arbeitsagentur sind sich einig: Der Ausbildungsmarkt im Kreis Diepholz erholt sich im zweiten Corona-Jahr. Die Zahl der abgeschlossenen Verträge hat sich wieder gesteigert.
12.11.2021, 14:57
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Zahl der Ausbildungsverträge steigt
Von Ivonne Wolfgramm

Landkreis Diepholz. Überaus erfreulich seien die Entwicklungen auf dem Ausbildungsmarkt zum Stichtag 31. Oktober. Darin sind sich Constantin von Kuczkowski (Industrie- und Handelskammer Hannover), Jens Leßmann (Kreishanderwerkerschaft Diepholz/Nienburg) und Christoph Tietjen (Agentur für Arbeit Nienburg-Verden) einig. Alle drei Vertreter der Institutionen konnten einen Zuwachs an Ausbildungsverträgen im Gegensatz zum Vorjahr verzeichnen.

"Die Berufswahl junger Menschen fand weiterhin unter schwierigen Bedingungen statt", sagt Constantin von Kuczkowski. "Dieses Jahr konnten wir ein leichtes Plus verzeichnen." Zum zweiten Ausbildungsstart unter Corona-Bedingungen stieg die Zahl der Ausbildungsverträge im IHK-Bezirk Landkreis Diepholz in den kaufmännischen Berufen verglichen mit September 2020 um 1,1 Prozent auf 451 Verträge. In den industriell-technischen Berufen wurden 185 neue Ausbildungsverhältnisse geschlossen, ein Plus von 25,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Werte seien damit zwar noch nicht auf dem Stand vor Corona, sondern ähneln denen aus den Krisenjahren 2008/2009, aber seien insgesamt auf dem Weg nach oben.

Die Metallbranche ist traditionell die stärkste Branche, nach 2019 jedoch stark eingebrochen. "Für Betriebe ist es schwierig, interessierte junge Menschen zu finden", fasst der IHK-Geschäftsstellenleiter des Landkreises Diepholz, Constantin von Kuczkowski, zusammen. Die IHK in Niedersachsen hatte zu Beginn des Schuljahres eine Umfrage bei ihren Auszubildenden zu unterschiedlichen Themen durchgeführt. Die Umfrage zeigte unter anderem, dass sich junge Menschen mehrheitlich Berufe aussuchen, die ihnen Spaß machen. Für 68 Prozent spielt das eine Rolle. "Technisch-gewerbliche Berufe stehen da nicht an erster Stelle, obwohl sie eine gute Zukunftsperspektive haben", weiß von Kuczkowski. Ebenso wichtig ist den Jugendlichen bei der Berufswahl die Nähe des Ausbildungsbetriebes zum Wohnort. Gerade auf dem Land sei dies ein schwieriges Thema.

Baubranche boomt

Ähnlich sieht die Entwicklung im Handwerk aus, weiß Jens Leßmann, Geschäftsführer der Kreishanderwerkerschaft Diepholz/Nienburg zu berichten. Für den 31. Oktober waren bei der Kreishandwerkerschaft 451 abgeschlossene Ausbildungsverträge eingegangen. "Am 30. November 2020 waren es insgesamt erst 449 Verträge", sagt Leßmann, "da die Betriebe erfahrungsgemäß im November noch eine nennenswerte Zahl von Verträgen registrieren lassen, erwarten wir insgesamt ein deutliches Plus gegenüber dem Vorjahr."

Besonders stark strebt das Bauhaupt- und Nebengewerbe auf. Die sehr gute Geschäftslage der Baubetriebe schlägt sich auch in den Zahlen der Lehrlinge nieder, berichtet Leßmann: "Wir haben dieses Jahr sehr starke Mauerer- und Zimmererklassen in den Berufsschulen." Dennoch konnten nicht alle Ausbildungsplätze im Handwerk, unabhängig vom Gewerk, besetzt werden.

Die Erfahrungen der IHK und der Kreishandwerkerschaft decken sich mit den Zahlen, die Christoph Tietjen von der Agentur für Arbeit Nienburg-Verden präsentiert. Im vergangenen Ausbildungsjahr, zwischen dem 1. Oktober 2020 und dem 30. September 2021, meldeten die Diepholzer Betriebe 1282 Berufsausbildungsstellen. Das sind laut Tietjen 48 Angebote beziehungsweise 3,9 Prozent mehr als im vorangegangenen Ausbildungsjahr. "Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe ist weiterhin hoch", resümiert Tietjen.

177 Ausbildungsstellen blieben unbesetzt

Insgesamt 1212 Jugendliche haben sich im vergangenen Ausbildungsjahr bei der Berufsberatung der Agenturen für Arbeit im Kreis Diepholz gemeldet, um Unterstützung bei der Suche nach einer geeigneten Lehrstelle zu bekommen. Laut Tietjen sind das 11,7 Prozent beziehungsweise 161 Jugendliche weniger als im Vorjahr. Bis zum Ende des Ausbildungsjahres 2020/21 konnten 1111 Jugendliche eine Ausbildung oder ausbildungsvorbereitende Maßnahme beginnen. 101 junge Menschen konnten bis zum 30. September 2021 keine geeignete Alternative für sich finden. 177 Stellen blieben in dem Jahr unbesetzt, 78 mehr als im Vorjahr.

Constantin von Kuczkowski, Jens Leßmann und Christoph Tietjen sagen unisono, dass im zweiten Corona-Jahr die Möglichkeiten zur Berufsorientierung stark eingeschränkt waren. "Die allermeisten Ausbildungsplätze werden im Handwerk nach einem vorangegangenen Praktikum besetzt", berichtet Leßmann. Unter den Pandemie-Bedingungen konnten Praktika jedoch meist nur eingeschränkt angeboten werden. Das gilt auch für Berufsbörsen und Orientierungsangebote in Schulen und auf Messen, die nicht oder nur in minimierter Form stattfinden konnten.

Virtuelle Angebote gab es zwar, aber junge Menschen ließen sich dadurch schlechter erreichen als in realen Kontakten, sagt Leßmann. Hinzu kommt laut Constantin von Kuczkowski, dass sich Jugendliche bei der Berufswahl Unterstützung bei der Familie holen. "Die Frage ist, wie wir an die Jugendliche kommen, die eben keine Unterstützung von den Eltern bekommen." Bei vielen jungen Menschen haben Unsicherheiten und fehlende Informationsmöglichkeiten zur Berufswahl zu einem weiteren Schulbesuch geführt. Zudem sei es weiterhin notwendig, Ausbildungsberufe als Alternative zum Studium attraktiver zu machen. Denn auch mit einem Gesellenbrief oder IHK-Zeugnis lasse sich eine Karriere für leitende Funktionen aufbauen, sind sich Tietjen, von Kuczkowski und Leßmann einig. 

Für Kurzentschlossene gibt es die Möglichkeit, sich jetzt noch für einen Ausbildungsplatz zu bewerben. Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Abschlussprüfung noch im Sommer 2024 erfolgen. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.ihk-lehrstellenbörse.de, www.arbeitsagentur.de, und www.dashandwerk.de/diepholz-nienburg

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