Juniorwahl

Lebendig und erfahrbar

An 4513 Schulen bundesweit wurde eine Juniorwahl abgehalten. Dort durften auch die Acht- bis Zwölftklässler ihre Stimmen abgeben - auch am Gymnasium in Bruchhausen-Vilsen.
24.09.2021, 14:09
Lesedauer: 3 Min
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Von Dagmar Voss / DV

Bruchhausen-Vilsen. Politik kann so spannend sein. Wenn man die Wahl selbst organisieren kann beispielsweise. Oder wenn man einfach nur wählen kann, auch unter 18, darüber sind sich wohl die meisten Schüler der Klassen acht bis zwölf im Gymnasium Bruchhausen-Vilsen einig. Plötzlich wird aus dem eigentlich eher theoretisch-trockenen Stoff im Politikunterricht etwas Lebendiges, individuell Erfahrbares für die jungen Menschen zwischen 13 und 18 Jahren.

Die Klasse elf am Vilser Gymnasium bildete einen Wahlvorstand, führte ein Wählerverzeichnis und versendete Wahlbenachrichtigungen. Ihre Stimmen konnten dann alle rund 450 Schüler der Klassen acht bis zwölf bei einer klassischen, realitätsgetreuen Wahl zum Bundestag abgeben. Zur Wahl standen die Politiker, die im Wahlkreis der Schule auch öffentlich kandidieren. Diese zweiwöchigen Vorbereitungen kulminierten im eigentlichen Wahlvorgang.

Wie bei den echten Wahlen

Bunt und quirlig wurde es entsprechend am Mittwoch und Donnerstag vor und im sogenannten Wahlraum. Dort hatten die Schüler der Klasse 11g3 und der organisierende Lehrer Sebastian Sander alles für funktionierende Wahlen vorbereitet. Neben fünf Wahlkabinen, den Urnen in der Mitte, Wahlhelfern an einem Tisch auch Stifte und fast echte, nur etwas kleinere Wahlzettel.

Für die jeweils sechs Unterrichtsstunden an den beiden Tagen waren sechs Helfer tätig, alle zwei Stunden wechselnd. Am Donnerstag unter anderem Sabrina Riemer, Franziska Soller, Maja Leißering, Johanne Schröder, Emma Meyer und Luca Wendte. Eine von ihnen musste immer losgehen, um die nächste Klasse abzuholen, die anderen gaben die Wahlzettel und Stifte aus. Reges Treiben also, Lehrer Sander schätzte nach gut neun Stunden Wahlvorgängen, dass die Wahlbeteiligung bei gut 80 Prozent liegen könnte.

Befragt nach ihren Vorbereitungen erzählten die Sechs, dass sie sich natürlich neben den praktischen Aktionen unter anderem auch mit den Programmen der Parteien befasst und etliche von ihnen den Online-Wahl-O-Mat befragt hatten. Zur Überlegung, ob denn auch bei diesen Wahlen vielleicht schon die ab 16-Jährigen Wahlberechtigungen bekommen sollten, meinte Sabrina: „Na ja, einerseits, andererseits, man muss ja befürchten, dass viele von denen nicht so eine Chance hatten, sich ausführlich zu informieren und eventuell dann Parteien wählen, deren Demokratieverständnis absonderlich ist.“

Organisator Sander, der sich sehr gefreut hatte, dass seine Klasse die konkrete Wahlorganisation machen konnte, sagte: „Wir als Schulgemeinschaft sind sehr daran interessiert, dass unsere Schüler die Schule als mündige Bürger verlassen, die sich für gesellschaftspolitische Themen interessieren und sich aktiv in Prozesse einbringen." Die Juniorwahl biete dahingehend die Chance ‚Demokratie erfahrbar zu machen’ und folge dem Leitbild der Schule, Werte wie Demokratie und Fähigkeiten zur Gestaltung der Gesellschaft zu vermitteln.

"Toll, real und praxisnah"

Schon vor vier Jahren hatte das Brokser Gymnasium mitmachen dürfen, da hatten Sanders Kollegen aus dem Fachbereich Politik die Organisation der Juniorwahl organisiert. Längst nicht alle Interessenten bekommen diese Chance, in diesem Jahr sind es 4513 Schulen. Bei einem solchen, didaktisch hervorragenden, handlungsorientierten Projekt kann man von aufgeklärten jungen Menschen ausgehen, deren Interesse an Politik gewachsen ist. Begeisterter Kommentar von vielen: „Das war toll, real und praxisnah.“ Ein Schüler aus der Klasse zwölf meinte, wenn er wirklich wählen dürfte, dann würde er auf alle Fälle für eine Änderung des Bisherigen votieren: „Da war ja so vieles nicht in Ordnung, geht ja nicht so weiter, wie es war.“

Ausgezählt wird am Freitag, aber die Ergebnisse werden erst gemeinsam mit der echten Bundestagswahl erst am Sonntagabend bekanntgegeben. Mehr dazu unter www.juniorwahl.de.

Zur Sache

Informatives zur Juniorwahl

Etwas Lebendiges, individuell Erfahrbares - das war genau die Intention vor gut 20 Jahren, die eine solche „Juniorwahl“ gehabt hatte. Zum ersten Mal wurde sie schon 1999 an drei Berliner Schulen durchgeführt.

Dann kam im Jahr 2001 die Initialzündung durch die gemeinnützige Hertie-Stiftung und die Robert-Bosch-Stiftung, parallel zu Landtagswahlen. In den darauffolgenden Jahren ermöglichten vor allem öffentliche Institutionen wie die Landeszentralen für politische Bildung, Kultusministerien und Landtage die Juniorwahl. Die Bundeszentrale für politische Bildung zählt zu den langjährigen Partnern der Juniorwahl, die 2002 erstmals eine bundesweite Umsetzung förderte und der Juniorwahl seither im Rahmen von Bundestags- und Europawahlen zur Seite steht.

Von dort bekommen die Schulen Informationen, Unterrichtsbücher und Arbeitsblätter, aber vor allem Material, mit dem man von den Wahlbenachrichtigungen über Wahlzettel bis hin zu Wahlkabinen und -urnen alles erstellen kann. Den Höhepunkt des Projektes stellt der Wahlakt dar.

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