Katastrophenschutz

Landkreis Diepholz will mobile Warnsysteme testen

Zur effektiven Warnung der Bevölkerung bei Katastrophen setzt der Landkreis Diepholz auch auf mobile Warnsysteme. Vier davon sollen jetzt in den Test gehen, um Erfahrungen zu sammeln.
17.09.2021, 17:32
Lesedauer: 4 Min
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Landkreis Diepholz will mobile Warnsysteme testen
Von Eike Wienbarg

Landkreis Diepholz. Wie kann die Bevölkerung im Katastrophen-Fall effektiv gewarnt werden? Diese Frage beschäftigt nicht erst seit dem verheerenden Hochwasser in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz viele Kommunen. Auch der Landkreis Diepholz macht sich seine Gedanken. Ein Baustein zur besseren Warnung der Bevölkerung sollen nun mobile Warnsysteme sein. Auch die Drohnen-Gruppe der Kreisfeuerwehr soll in das Konzept mit eingebunden werden.

Wie Michael Wessels, Teamleiter Feuerwehr und Katastrophenschutz beim Landkreis Diepholz, und Landrat Cord Bockhop berichten, wolle der Landkreis demnächst vier mobile Warngeräte der Firma Hörmann Warnsysteme beschaffen. Jeweils zwei Geräte des Typs Mobela 150 DA sollen dann in den Feuerwehrtechnischen Zentralen (FTZ) in Barrien und Wehrbleck stationiert werden.

Das Prinzip der Warnanlage ist dabei recht einfach: Sie besteht aus einem Monokugellautsprecher, der mit einem Magneten auf jedem Autodach platziert werden kann und bis zu einer Geschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde hält, erklärt Michael Rochholz von der Firma Hörmann. Dieser Lautsprecher könne in alle Richtungen den Schall verteilen. Damit habe er einen Vorteil gegenüber sogenannten Balkenlautsprechern, wie sie zum Beispiel auf Feuerwehr- oder Polizeiautos zu finden sind. "Mit dem Kugellautsprecher erreicht man auch den vierten oder fünften Stock. Das reicht bis ins Haus rein", berichtet Rochholz. Die Balkenlautsprecher senden den Schall vor allem nur nach vorne.

Verbunden ist der Lautsprecher mit einer Anlage im Inneren des Autos. Dort besteht zum einen die Möglichkeit, über ein Mikrofon eine Live-Durchsage zu machen oder diese aufzunehmen und in Dauerschleife abzuspielen. Außerdem hat die Anlage vier Warntöne gespeichert: für den Feueralarm, die Evakuierung, die Entwarnung und natürlich die Sirenenabfolge zur Warnung der Bevölkerung. Der Standardton mit einer Minute Länge und der Sirenenabfolge von zwei Sekunden ist das offizielle Signal zur Warnung an die Bevölkerung. Er weist die Menschen an, sich in ihre Häuser zu begeben, die Fenster und Türen zu schließen sowie auf Anweisungen aus Radio und Fernsehen zu achten, erklärt Rochholz. 

Mit dieser mobilen Warnanlage würden dann die Feuerwehr oder kommunale Fahrzeuge in die entsprechenden Katastrophen-Regionen ausgesandt, um die Menschen vor Ort zu warnen, erklärt Michael Wessels das Prinzip. Ein Vorteil sei, dass die Geräte flexibel einsetzbar sind, sagt Cord Bockhop. So könnte jedes Auto damit ausgestattet werden. Im Fall des Landkreises seien es vor allem Autos der FTZ, die nicht in die Behebung der aktuellen Katastrophe mit eingebunden sind oder auch andere kommunale Fahrzeuge. Vier Geräte sollen jetzt zeitnah in die Testphase im Landkreis gehen, damit Erfahrung gesammelt werden kann, so Bockhop weiter. Sollten sich die rund 4500 Euro teuren Geräte bewähren, könnte eine weitere Bestellung folgen.

Einen weiteren Baustein zur Warnung der Bevölkerung soll die im Jahr 2020 ins Leben gerufene Drohnen-Gruppe der Kreisfeuerwehr sein. Deren drei Drohnen können laut Gruppenführer Thomas Bredemeier ebenfalls mit einem Lautsprecher ausgestattet werden. Allerdings mit weniger Lautstärke als die Warnanlagen für die Autos, so Bredemeier. "Sie sind eigentlich dafür gedacht, Einzelpersonen anzusprechen", erklärt er. Aber auch in kleinen Ansiedlungen können sie zum Einsatz kommen. "Wir können damit quasi vor jedes Haus fliegen", sagt Michael Wessels, der auch der Kreisbrandmeister des Landkreises Diepholz ist.

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Und was ist mit den stationären Sirenen im Landkreis Diepholz? Diese seien neben der neu eingeführten digitalen Alarmierung vor allem als Signal für die Einsatzkräfte gedacht, erklärt Wessels. In einem Flächenlandkreis wie Diepholz würden sie sich nicht effektiv für die Warnung der Bevölkerung eignen. "Die einzige Katastrophe, die den ganzen Landkreis von Stuhr bis zum Dümmer betreffen könnte, wäre ein kerntechnischer Unfall", sagt Wessels. Alle anderen möglichen Katastrophen wie Großbrände oder Gefahrstoffeinsätze seien lokal begrenzt. Bei Stürmen mache es ebenfalls wenig Sinn, über die Sirenen zu warnen. Im Falle eines Stromausfalls würden sie auch gar nicht funktionieren, da die Sirenen nicht "notstromgepuffert" sind, erklärt Wessels. 

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Um die Bevölkerung für Katastrophen-Fälle zu sensibilisieren, plant der Landkreis außerdem weitere Vorhaben. So soll es laut Cord Bockhop eine Fortbildung für die Bürgermeister der Städte und Gemeinden für den Krisenfall geben. Auch sind dann einzelne Übungen geplant, sagt der Landrat. "Wir wollen mit einigen Bürgermeistern Krisenszenarien durchspielen", verrät er.

Außerdem sei eine Kooperation mit der Volkshochschule (VHS) geplant. Diese könnte Veranstaltungen zum Beispiel für Vorsitzende von Vereinen anbieten, die dann als Multiplikatoren das Wissen über das richtige Handeln im Krisenfall an die Menschen weitergeben. Auch andere öffentliche Veranstaltungen, eine Broschüre oder ein Youtube-Video kann sich der Diepholzer Landrat vorstellen. Und auch die lokalen Betriebe müssten sich auf einzelne Krisenfälle einrichten, sagt Bockhop weiter. "Wir können nicht immer alles für jede Katastrophe vorhalten, aber wir müssen vorbereitet sein", erklärt der Landrat.

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