Turn Up 4 Tolerance Klare Kante, kein überflüssiges Gelaber

Am 26. Januar steigt wieder das Festival Turn Up 4 Tolerance. Auf Einladung der Ohne-Rassismus-AG des Gymnasiums Bruchhausen-Vilsen spielen Radio Havanna, Kafvka, Faakmarwin und Boranbay in der Mensahalle.
10.01.2019, 08:25
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Klare Kante, kein überflüssiges Gelaber
Von Micha Bustian

Bruchhausen-Vilsen. Radio Havanna nimmt kein Blatt vor den Mund. Unterlegt von lauten Gitarren und wummerndem Bass nennt die Punkrock-Band die Probleme beim Namen. Wie im Lied „Homophobes Arschloch“. Klare Kante, ohne überflüssiges Gelaber. Das passt zum Festival Turn Up 4 Tolerance, das die Ohne-Rassismus-Arbeitsgemeinschaft des Gymnasiums Bruchhausen-Vilsen organisiert hat. „Wir sind stolz, dass die Wahl-Berliner am 26. Januar als Headliner zu uns in die Mensahalle kommen“, heißt es auf der Internetseite www.turn-up-4-tolerance.jimdosite.com. Auch die Gruppen Kafvka, Faakmarwin und Boranbay gehören zum Line-Up. Los geht es um 18 Uhr.

Auch die Cross-over-Band Kafvka kommt aus Berlin. Das Quartett formierte sich im Februar 2013, veröffentlichte 2014 seine erste EP, auf die es im April 2016 das Debütalbum „Hände Hoch!“ folgen ließ. Damit hatten Jonas Kakoschke (Gesang), Philipp Lenk (Bass), Oscar Ureta (Gitarre) und Stephan Ifkovits (Schlagzeug) ganz offensichtlich Eindruck gemacht, denn bereits 2017 wurde die Band eingeladen, die Toten Hosen in der ausverkauften Bremer ÖVB-Arena zu supporten. Dazu kam unter anderem ein Auftritt bei Rock im Park. Im April 2018 veröffentlichte Kafvka ihr zweites Studioalbum mit dem Titel „2084“, eine Anlehnung an George Orwells Buch „1984“. Aus Sicht der Musikjournalisten spielt die Combo klassischen Cross-over der 1990er-Jahre, aber so ganz klar ist das Genre auch für die Band selbst nicht. Deutlicher positionieren sich die Hauptstädter in ihren gerappten Texte: gegen Rassismus, Fremdenhass und Homophobie sowie für Integration und Toleranz.

Die Bremer Indie-Rock-Pop-Rap-Band Faakmarwin war auch bei der Premiere von Turn Up 4 Tolerance mit von der Partie. Wer 2017 dabei war, kann bestätigen: Es beginnt mit wippenden Füßen, geht in gemeinsames Hüpfen über und endet damit, dass man als Zuhörer förmlich durch den Raum schwebt. Alex Skipka (Gesang), Ole Janßen (Gitarre, Keyboard, Gesang), Christoph Endrigkeit (Gitarre, Gesang) und Jannik Ost (Schlagzeug) verzauberten laut Angaben des Organisationskomitees „mit ihrer lebendigen, freudespendenden Live-Show die Festival-Besucher“ in Bruchhausen-Vilsen. Frisch unterzeichnet ist ein Plattenvertrag mit Downbeat/Warner Music, wo unter anderem auch Seeed und die Beatsteaks unterschrieben haben. Das Quartett teilte die Bühnen zahlreicher Festivals mit Bands wie OK Kid, KIZ oder Drunken Masters. Zurzeit arbeitet die Band, deren Name viel zu oft falsch geschrieben wird, mit dem Produzenten Hans-Martin Buff an neuen Tracks für das erste Album.

Lautstärkeregler auf Anschlag – so heißt es, wenn Boranbay die Bühne entern. Der Vierer-Pack aus Bremen spielt Alternative-Rock mit Einflüssen aus den Rubriken Funk, Psychedelic, Pop und Stoner-Rock. Eine aufregende Mischung aus mehreren Genre-Einflüssen, die durch prägnante Melodien zu echten Ohrwürmern werden. Boranbay formt durch zwei im Dialog stehenden Gitarren, einen groovenden Bass und ein dynamisches Schlagzeug eine lebendige Wand und verleiht ihr ihren eigenen Herzschlag. Anfang 2018 veröffentlichten Yasin Lucas (Gesang, Gitarre), Arved Wehling (Gitarre, Gesang), Moritz O’Swald (Bass, Gesang) und Simon Raschen (Schlagzeug, Gesang) ihre Debüt-Single „Monster“.

Und damit wären wir wieder beim Headliner von Turn Up 4 Tolerance: Radio Havanna. Die im thüringischen Suhl gegründete Punkrock-Band existiert seit dem Jahre 2002 und ist beeinflusst von Bands wie The Offspring, Green Day oder NOFX. 2005 erschien ihr Debütalbum „Aus der Traum?“ auf Fatsound Records, 2007 folgte „Generation X“, im Frühjahr 2010 das Album „Lauter Zweifel“, im Mai 2012 „Alerta“. Der aktuelle Silberling heißt „Utopia“. Radio Havanna hat bereits mit Größen wie den Toten Hosen, Sum 41, Good Charlotte und Flogging Molly auf der Bühne gestanden. Noch wichtiger für die Ohne-Rassismus-AG: Die Band engagiert sich aktiv für gesellschaftliche und politische Themen, was nicht nur in den Texten zum Ausdruck kommt. Ein passender Headliner also. Eine Textzeile als Beweis: „Wo die Marschrichtung die Vergangenheit ist, geben wir keinen Zentimeter nach! Also Faust hoch, in die Nacht!“

Im Rahmenprogramm des Konzertes stellen zahlreiche Organisationen, die sich für die Integration, die Jugendarbeit und für demokratische Werte sowie gegen Fremdenfeindlichkeit, Homophobie und anderweitig ausgrenzende Ideologien einsetzen, ihre Arbeit vor. Karten kosten im Vorverkauf drei Euro, an der Abendkasse fünf Euro.

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