Landkreis Diepholz

Kreisbehindertenbeirat kritisiert Bekenntnis zum Förderschul-Erhalt

Der Kreisbehindertenbeirat im Landkreis Diepholz kritisiert das Bekenntnis des Kreistags zum Erhalt der Förderschule Lernen. Dieses sei ohne Beteiligung der Menschen mit Behinderungen beschlossen worden.
25.07.2021, 13:54
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Kreisbehindertenbeirat kritisiert Bekenntnis zum Förderschul-Erhalt
Von Esther Nöggerath
Kreisbehindertenbeirat kritisiert Bekenntnis zum Förderschul-Erhalt

Für den Erhalt der Förderschule Lernen sprach sich der Kreistag im Landkreis Diepholz aus. Das kritisiert nun der Kreisbehindertenbeirat (Symbolbild).

Björn Hake

Landkreis Diepholz. Nach dem mehrheitlichen Bekenntnis des Kreistags im Landkreis Diepholz, sich für den Erhalt der Förderschule Lernen einsetzen zu wollen, hat nun der Kreisbehindertenbeirat des Landkreises zu dem Thema Stellung bezogen. Er kritisiert, dass die Forderung des Kreistags ohne die Beteiligung der Menschen mit Behinderungen formuliert und beschlossen worden sei. "Wir werden ebenfalls ein Signal dazu nach Hannover senden", kündigt Katrin Kurtz, Vorsitzende des Kreisbehindertenbeirats an.

Der Kreisbehindertenbeirat fordert in seinem Schreiben die Umsetzung und Einhaltung der auch von Niedersachsen anerkannten Menschenrechte. "Wir fordern den Zugang zu einem inklusiven, hochwertigen und unentgeltlichen Unterricht an den allgemeinbildenden Schulen mit Bedingungen, die auch allen Kindern mit drohender oder bestehender Behinderung gerecht werden", schreibt Kurtz. Das Förderschulsystem dagegen stehe dem Diskriminierungsverbot der UN-Behindertenrechtskonvention entgegen. Ein Wahlrecht darauf sei hinfällig.

Dass es momentan mit der Inklusion noch nicht so läuft, wie es sollte, sieht auch der Kreisbehindertenbeirat. "Bei uns im Landkreis wird seit gut zehn Jahren zumeist ohne ausreichend vorhandener qualifizierter pädagogischer Unterstützung Inklusion an den Schulen angeboten. Die wenigen vorhandenen Förderschullehrkräfte müssen zudem parallel noch in den Fördereinrichtungen unterrichten", erläutert Kurtz, die daher fordert: "Das Land muss das Förderschulsystem auslaufen lassen, um die Förderlehrkräfte in das allgemeinbildende Schulsystem zu bekommen."

Lediglich im Punkt Sicherstellung von genügend Förderlehrkräften in der Inklusion ist sich der Kreisbehindertenbeirat mit den Kreistagsfraktionen von CDU, FDP, FWG, Linken und AfD einig. Wie berichtet, hatten diese in der letzten Sitzung vor der Sommerpause für das Bekenntnis zum Förderschul-Erhalt gestimmt. "Das Land Niedersachsen wird auch von uns aufgefordert, genügend Förderschullehrkräfte in den Schulen vorzuhalten", erklärt Kurtz. "Ohne uns über uns" sei einmal mehr gescheitert. "Dazu gehört auch die Teilhabe an der politischen Willensbildung, die den Betroffenen, vertreten durch den Kreisbehindertenbeirat, verwehrt wurde", moniert die Vorsitzende.

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