Datenkolumne Kritische Infrastrukturen: Keine Selbstverständlichkeit

Strom, IT-Sicherheit oder die Müllabfuhr gelten als selbstverständlich. Ist die kritische Infrastruktur aber nicht sichergestellt, steht die Gesellschaft vor echten Problemen, sagen unsere Datenschutzexperten.
21.05.2021, 17:40
Lesedauer: 3 Min
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Von Sven Venzke-Caprarese und Dennis-Kenji Kipker

Was wir im Alltag häufig als Selbstverständlichkeit ansehen, ist tatsächlich oftmals ein gefährdetes Gut. Insbesondere geht es dabei um die Versorgung mit Energie, Wasser und Lebensmitteln sowie das Bereitstehen von Infrastrukturen zur Telekommunikation, zur Gesundheitsversorgung und das Funktionieren des Finanz- und Transportwesens. Man stelle sich nur vor, dass Szenarien wie im Roman „Blackout – Morgen ist es zu spät“ von Marc Elsberg in der Realität eintreten: In dem Buch werden der Zusammenbruch des europäischen Stromnetzes („Blackout“) und die damit einhergehenden katastrophalen Folgen für die Bevölkerung beschrieben.

Das ist aber keine Fiktion: Im Februar dieses Jahres gab es einen massiven Blackout in den USA, sodass hunderttausende Haushalte von der Strom- und teilweise auch von der Wasserversorgung abgeschnitten wurden. Auch Europa war zu Jahresbeginn 2021 von Stromausfällen und erheblichen Spannungsschwankungen betroffen, mit der realen Gefahr eines totalen Blackouts. Und am vergangenen Wochenende musste ebenfalls in den USA eine zentrale Benzin-Pipeline nach einem Hackerangriff vorläufig stillgelegt werden.

Was kann man aber tun, um die Ausfälle von solchen so genannten „kritischen Infrastrukturen“ zu verhindern, die gerade in Pandemie-Zeiten besonders gefordert sind, wo wir uns im Homeoffice beispielsweise auf eine funktionierende Telefon- und Internetverbindung verlassen müssen? Von IT-Experten und Fachleuten wird hier im Hintergrund viel bewegt, ohne dass wir es mitbekommen.

Insbesondere ist auch der deutsche Gesetzgeber in den vergangenen Jahren aktiv geworden und hat spezielle Gesetze erlassen, die die Betreiber von kritischen Infrastrukturen dazu verpflichten, die Funktionsfähigkeit ihrer Dienste gegenüber der Bevölkerung sicherzustellen. Das müssen sie gegenüber zuständigen Behörden auch nachweisen. Betroffen hiervon sind in der Regel Unternehmen, die ihre kritischen Dienste für mehr als 500.000 Bewohner anbieten. Dennoch ist auch für diese Unternehmen die IT-Sicherheit kein Selbstläufer, denn immer wieder kommt es auch bei ihnen zu erfolgreichen Cyber-Attacken.

Zu Zeiten der Corona-Pandemie ist vor allem der Gesundheitssektor immer wieder Angriffen ausgesetzt, die vermehrt auch aus dem Ausland, beispielsweise aus Russland und China, kommen. So wurde im vergangenen Jahr zum Beispiel das Universitätsklinikum Düsseldorf Opfer einer sogenannten „Ransomware“-Attacke, die für den Krankenhausbetrieb wichtige Daten verschlüsselte. Auch wurde die Europäische Arzneimittelbehörde EMA in diesem Jahr erfolgreich aus dem Ausland angegriffen, um Daten über die zur Pandemiebekämpfung wichtigen Corona-Impfstoffe zu sammeln.

Gerade im Gesundheitswesen kann ein erfolgreicher Cyberangriff schnell dazu führen, dass wichtige Behandlungen nicht mehr zeitnah durchgeführt werden können und es so zu Risiken für Gesundheit und Leben von Patientinnen und Patienten kommt. Risiken der IT-Sicherheit werden auf diese Weise zu einem allgemeinen Versorgungsrisiko für die Bevölkerung. Insbesondere die Krankenhäuser werden bei der Erfüllung ihrer wichtigen Aufgabe aber nicht allein gelassen: So werden in den nächsten Jahren über ein Krankenhauszukunftsgesetz Fördermittel von insgesamt vier Milliarden Euro bereitgestellt, mit denen Krankenhäuser ihre Digitalisierung und IT-Sicherheit vorantreiben können.

Ein weiterer Bereich, der in Kürze den kritischen Infrastrukturen zuzurechnen sein wird, ist die Entsorgung von Siedlungsabfällen. Auf den ersten Blick kann man sich vielleicht die Frage stellen, was die Abfallbeseitigung mit der Stromversorgung und Krankenhäusern zu tun hat, aber mit dem zweiten Blick wird schnell klar: Nicht entsorgter Abfall kann zu Seuchengefahren führen. Bestes Beispiel hierfür ist der Streik der Müllabfuhr in Rom vor einigen Jahren, der zu katastrophalen Zuständen auf den Straßen der Großstadt führte. Und wenn man sich einmal verdeutlicht, dass jeder Einwohner in Deutschland pro Jahr im Schnitt eine halbe Tonne Hausmüll produziert, wird schnell klar, dass die Müllentsorgung genauso wichtig ist wie die Versorgung mit lebenswichtigen Gütern.

Man merkt also, dass das als selbstverständlich wahrgenommene Funktionieren unseres Alltags eine Menge Arbeit, die zumeist im Verborgenen geschieht, mit sich bringt. Wenn wir also das nächste Mal im Supermarkt einkaufen gehen und vor gut gefüllten Regalen unsere Auswahl treffen können, sollten wir uns immer bewusst sein, wie viele gut koordinierte Prozesse dazu im Hintergrund ablaufen müssen.

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