Inzidenz bereits länger über 100er-Grenze

Corona-Notbremse tritt ab Mittwoch in Kraft

Die Bundes-Notbremse tritt ab Mittwoch nun auch im Landkreis Diepholz in Kraft. Dabei lag der Inzidenzwert eigentlich schon länger über 100, war jedoch durch fehlende Fall-Meldungen falsch berechnet worden.
03.05.2021, 18:52
Lesedauer: 7 Min
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Corona-Notbremse tritt ab Mittwoch in Kraft
Von Esther Nöggerath

Landkreis Diepholz. Der Corona-Inzidenzwert für den Landkreis Diepholz ist vom Robert-Koch-Institut (RKI) in den vergangenen Wochen meistens noch knapp unter der 100er-Grenze angegeben worden. Dabei lag der Wert offenbar eigentlich deutlich höher, wie aus einer Tabelle des RKI zur „rückwirkenden Betrachtung der Sieben-Tage-Fallzahlen und -Inzidenzen nach Kreisen inklusive nachübermittelter Fälle“ deutlich wird. Demnach lag der Inzidenzwert im Landkreis Diepholz bereits seit dem 13. April durchgehend über 100. „Da in der Regel an den Folgetagen noch Fälle mit einem Meldedatum an einem der Vortage nachübermittelt werden, erhöht sich die Sieben-Tage-Inzidenz bei rückwirkender Betrachtung“, heißt es dazu auf der Internetseite des RKI.

Dass es zu einer Diskrepanz bei der Übermittlung der Fallzahlen gekommen ist, hängt laut dem Niedersächsischen Landesgesundheitsamt (NLGA) auch mit dem Zeitpunkt der Übertragung zusammen. Der Landkreis Diepholz übermittelt seine Fallzahlen an das NLGA, das diese dann an das RKI weiterleitet. "Bislang hat der Landkreis Diepholz seine Daten an das NLGA im Zeitraum zwischen unserem täglich letzten Einlesezeitpunkt (circa 17.30 Uhr) und unserem ersten Einlesezeitpunkt (circa 8 Uhr) am Folgetag übermittelt", erläutert NLGA-Sprecher Holger Scharlach. Das war auch zunächst so gewollt: Das habe der Empfehlung des NLGA entsprochen, damit in der morgendlichen Datenauswertung des NLGA und Berechnung der Sieben-Tages-Inzidenz möglichst viele Fälle berücksichtigt werden konnten", so Scharlach weiter. Denn bis vor Kurzem waren noch die Daten und auch der Inzidenzwert des NLGA ausschlaggebend für die Corona-Regelungen des Landes.

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Durch die Änderung des Infektionsschutzgesetzes sind mittlerweile jedoch die Inzidenzwerte des RKI maßgeblich für die weiteren Einschränkungen. Darüber habe man laut dem NLGA-Sprecher die Landkreise und kreisfreien Städte auch informiert und aufgrund der geänderten Situation eine Übermittlung der Daten bis 16 Uhr empfohlen, damit diese in der Tagesauswertung des RKI um 0 Uhr noch berücksichtigt werden können. Für diese Änderungen sei in den Landkreisen aber unter Umständen eine Neuorganisation von Arbeitsabläufen notwendig. „Dass für den Landkreis Diepholz in den Daten des RKI für den Vortag der Auswertung keine Meldefälle angegeben wurden, erklärt sich also aus dem Übermittlungszeitpunkt“, so Scharlach.

Sprich: Bei der Berechnung des Inzidenzwertes für den Landkreis Diepholz fehlte dem RKI ein Tageswert, sodass die ausgegebene Sieben-Tage-Inzidenz rein rechnerisch eigentlich eine Sechs-Tage-Inzidenz gewesen ist. In der RKI-Tabelle mit der rückwirkenden Betrachtung dagegen sind alle nachgereichten Meldungen berücksichtigt worden, sodass dort ein deutlich höherer Wert für den Landkreis Diepholz an den einzelnen Tagen aufgeführt ist.

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Der Landkreis Diepholz hat inzwischen seinen Meldezeitpunkt für die Fallzahlen angepasst, wie Landkreis-Sprecherin Mareike Rein auf Nachfrage erklärte. Bereits am Montag seien die entsprechenden Daten nun um 14 Uhr statt wie vorher um 6 Uhr morgens am Folgetag an das NLGA übermittelt worden.

Mit der Überschreitung der 100er-Grenze beim Inzidenzwert an mehr als drei aufeinanderfolgenden Tagen tritt nun auch im Landkreis Diepholz ab Mittwoch, 5. Mai, die Corona-Notbremse in Kraft. Die Kreisverwaltung hat eine entsprechende Allgemeinverfügung auf den Weg gebracht. „Auch wenn die Sieben-Tage-Inzidenz für den Landkreis Diepholz zuletzt durch ein einzelnes eingrenzbares Infektionsgeschehen deutlich gestiegen ist, ist das Mitwirken aller Bürgerinnen und Bürger entscheidend„, erklärt Landrat Cord Bockhop mit Blick auf das Infektionsgeschehen auf einem Spargelanbaubetrieb in Kirchdorf. “So haben in den vergangenen Monaten auch viele Einzelfälle zu einem Anstieg der Gesamtzahl geführt“, sagt Bockhop weiter. „Ob mit oder ohne Notbremse befinden wir uns nach wie vor an einem Punkt, an dem die Einhaltung von Abständen, die Reduzierung der sozialen Kontakte und ein umsichtiges Verhalten bei Krankheitsanzeichen oder -verdacht entscheidend sind.“ Sinkt die Sieben-Tage-Inzidenz an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen unter den Wert von 100, treten ab dem übernächsten Tag die Maßnahmen wieder außer Kraft.

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Schulen und Kitas

Auf die Bürger kommt durch die Bundes-Notbremse des Infektionsschutzgesetzes ab Mittwoch nun eine Reihe weiterer Einschränkungen zu, die allerdings zumindest im Bereich der Schulen und Kitas ab Montag schon wieder nichtig sein könnten. Denn ab Montag, 10. Mai, sollen die Bereiche Kindertagesbetreuung und Schule bis zu einem Inzidenzwert von 165 offengehalten werden und nicht wie bisher bis zum Schwellenwert von 100. Das hat die Landesregierung am Dienstag bekannt gegeben. Für den Landkreis Diepholz bedeutet das, dass ab diesem Mittwoch, 5. Mai, die Schüler dennoch nach derzeit noch geltender Landesverordnung in den Distanzunterricht gehen müssen. Nur noch Grundschulen, Schulen für Kinder und Jugendliche mit Förderbedarf in der geistigen Entwicklung und Abschlussklassen dürfen im Wechselunterricht bleiben. In der nächsten Woche soll dann bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von unter 165 ein erneuter Wechsel in das Szenario B, also wieder Präsenzunterricht im Wechselmodell, erfolgen.

Auch Kindertageseinrichtungen sind von dieser Regelung betroffen. Erfolgt ab Mittwoch zunächst der Wechsel in die Notbetreuung in Kleingruppen, wird voraussichtlich in der kommenden Woche wieder in den eingeschränkten Regelbetrieb (Kita-Szenario B) zurück gewechselt. Der genaue Wortlaut der geänderten Landesverordnung bleibt laut Landkreis jedoch noch abzuwarten. „Leider bieten die rechtlichen Rahmenbedingungen derzeit keine Möglichkeit, um dieses Wechselspiel der Verordnungen und Szenarien zu verhindern“, bedauerte Landrat Cord Bockhop.

Kontaktbeschränkungen

Außerdem gelten strengere Kontaktbeschränkungen im öffentlichen und privaten Raum, sodass neben den Angehörigen eines Haushalts nur noch eine weitere Person hinzukommen darf. Dies gilt laut Kreisverwaltung draußen und drinnen. Ausgenommen sind Kinder unter 14 Jahren.

Homeoffice ist von Arbeitgebern etwa bei Büroarbeit anzubieten, wenn dies nicht aus betrieblichen Gründen unmöglich ist. „Arbeitnehmer haben diese Angebote grundsätzlich auch anzunehmen, wenn nicht gute Gründe dagegensprechen“, teilt Landkreis-Sprecherin Mareike Rein mit.

Außerdem gibt es ab sofort eine Ausgangssperre von 22 Uhr bis 5 Uhr. Nur noch im Notfall, zu dienstlichen Zwecken oder zum Beispiel zur Versorgung von Tieren darf das Haus verlassen werden. Zwischen 22 und 24 Uhr ist es außerdem erlaubt, sich ohne Begleitung draußen körperlich zu bewegen. Joggen, Radfahren und Spaziergänge sind allein also bis Mitternacht erlaubt.

Sport

Generell darf Sport nur in kontaktloser Form als Individualsportart allein oder maximal zu zweit beziehungsweise nur mit den Angehörigen des eigenen Hausstands ausgeübt werden. Es gibt laut Rein jedoch wenige Ausnahmen für Wettbewerbe. Insbesondere beim Sport in geschlossenen Räumen werde dies auch vermehrt kontrolliert werden. Auch für Kinder bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres ist Sport in kontaktloser Ausübung im Freien nun nur noch mit maximal fünf Kindern möglich.

Geschäfte und Freizeit

Wochenmärkte, auf denen Lebensmittel verkauft werden, dürfen ebenso wie Lebensmittelgeschäfte, Getränkemärkte, Reformhäuser, Babyfachmärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Optiker, Hörgeräteakustiker, Tankstellen, Stellen des Zeitungsverkaufs, Buchhandlungen, Blumenfachgeschäfte, Tierbedarfs-, Futtermittel- und Gartenmärkte öffnen und wie der Großhandel ihr übliches Sortiment verkaufen. In Supermärkten und anderen geöffneten Geschäften gilt aber, dass für die ersten 800 Quadratmeter je 20 Quadratmeter nur eine Person erlaubt ist, für die übrigen Flächen je 40 Quadratmeter eine Person, und auch beständig ein Abstand von mindestens 1,5 Metern einzuhalten ist. Außerdem müssen FFP2- oder OP-Masken getragen werden.

Darüber hinaus ist die Nutzung von „Click & Collect“ weiter möglich. Bis zu einem Inzidenzwert von 150 können mit Vorlage eines höchstens 24 Stunden alten negativen Tests auch „Click & Meet“-Angebote genutzt werden. Die Testpflicht entfällt nach Angaben der Landkreis-Sprecherin bei vollständiger Impfung. Übernachtungen zu touristischen Zwecken sind nicht erlaubt. Werkstätten, Postfilialen, Banken und Waschsalons dürfen öffnen. Gastronomische Betriebe dürfen weiterhin nur außer Haus verkaufen.

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Freizeiteinrichtungen aller Art sind in Hochinzidenzkommunen zu schließen. Weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich sind jedoch die Außengelände von botanischen und zoologischen Gärten. Voraussetzung sind strenge Hygienekonzepte und vor dem Einlass die Vorlage eines negativen Corona-Testnachweises. Die Tierparks in Ströhen und Petermoor dürfen also weiter im Außenbereich geöffnet bleiben, wenn die Besucher negativ getestet sind. Kinder unter sechs Jahren brauchen nicht getestet sein. Museen, Theater und andere kulturelle Einrichtungen und Freizeiteinrichtungen wie Bäder und Indoorspielplätze sind aber geschlossen.

ÖPNV

Für Teilnehmer des öffentlichen Personennah- und Fernverkehrs und Taxen besteht eine Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske (oder vergleichbar, wie KN95 oder N95). Die sogenannte OP-Maske reiche nicht mehr aus, erklärte Rein. Das gilt auch für Schüler, die noch zum Präsenzunterricht müssen. Sofern FFP2-Masken nicht in Kindergröße erhältlich seien, könne hilfsweise die Erwachsenengröße verwendet werden.

Körpernahe Dienstleistungen

Medizinische, therapeutische, pflegerische und seelsorgerische körpernahe Dienstleistungen sind nach Angaben von Rein ebenso erlaubt wie Friseurbesuche und Fußpflege. Soweit es die Leistung zulässt, ist aber auch hier mindestens die FFP2-Maske zu tragen. „Alle anderen körpernahen Dienstleistungen, etwa in Kosmetik- und Tattoo-Studios, sind untersagt“, heißt es. Bei Friseurbetrieben oder der Fußpflege ist zudem ein negatives Testergebnis vorzulegen.

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