Landkreis Diepholz Es fehlt an Impfstoff

Zwei zusätzliche mobile Impfteams sollen ab Montag im Landkreis Diepholz die Angebote in den einwohnerstarken Kommunen des Landkreises unterstützen. Doch das Problem: Es fehlt an Impfstoff.
03.12.2021, 17:45
Lesedauer: 6 Min
Zur Merkliste
Es fehlt an Impfstoff
Von Esther Nöggerath

Landkreis Diepholz. Rund 8000 Impfungen gegen das Coronavirus haben die mobilen Impfteams des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in den vergangenen 14 Tagen bei den Impf-Aktionen in den jeweiligen Kommunen im Landkreis Diepholz vergeben. Davon waren rund 15 Prozent Erstimpfungen. "Eine gute Quote", sagte Kreisrätin Ulrike Tammen. Man freue sich über jeden, der sich doch noch dazu entschließe, sich gegen Corona impfen zu lassen. Denn auch im Landkreis Diepholz sind die Infektionszahlen in den vergangenen Wochen wieder deutlich gestiegen.

Und die Nachfrage nach den Impfangeboten ist enorm. In vielen Kommunen, in denen man für die Impfung einen Termin benötigt, sind diese bereits bis auf Wochen ausgebucht. Und auch bei vielen ortsansässigen Ärzten reichen die Wartelisten oft schon bis ins kommende Jahr. Das Problem: Es fehlt an Impfstoff. "Das eine ist, was man bestellt und das andere, was man dann bekommt", monierte Landrat Cord Bockhop. So habe der Landkreis etwa für die kommende Woche über 2000 Impfdosen bestellt, bekommt aber nicht einmal ein Viertel davon geliefert.

"Das Problem haben viele Hausärzte auch", erklärte Bockhop, der vermutet, dass die Lieferkette irgendwo zwischen Bund und den Großhändlern ins Stocken gekommen sein muss. Der Impfstoff sei da, komme aber eben nicht an. Und letztlich könne man auch nur so viel verimpfen, wie Impfdosen da seien. "Die aktuelle Situation ist indiskutabel. Ich erwarte, dass umgehend Maßnahmen seitens des Landes und des Bundes ergriffen werden, damit hier vor Ort ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht", so Bockhop.

Dass nicht so viel Impfstoff geliefert wird, wie vom Landkreis bestellt, stellt auch die Mitarbeiter vom DRK vor Herausforderungen, die vor Ort die mobilen Impfungen ermöglichen. "Wir müssen ständig neu planen", erklärte Ulrike Hirth-Schiller, Geschäftsführerin vom DRK-Kreisverband Diepholz. Letztlich sei das Ziel aber immer, zumindest eine bestimmte Anzahl an Impfungen in jeder der Kommunen gewährleisten zu können.

Unterstützendes Angebot

Anders als im Frühjahr sind vom Land die Angebote der mobilen Impfteams auch eher als zusätzliche, unterstützende Maßnahme zu den Impfungen bei den Hausärzten gedacht. "Das war im Frühjahr anders, als wir noch die großen Impfzentren überall hatten", erklärte Bockhop. In der Praxis funktioniere das aber nicht. "Die Bevölkerung sieht uns da auch in der Verantwortung", merkte Tammen an.

Um der großen Nachfrage besser entgegenzuwirken, sollen ab diesem Montag, 6. Dezember, nun auch noch zwei weitere mobile Impfteams zum Einsatz kommen. Diese sollen dann verstärkt in den einwohnerstarken Kommunen im nördlichen Kreisgebiet wie etwa Stuhr, Weyhe, Syke und auch Bruchhausen-Vilsen zum Einsatz kommen. "Dort könnten wir dann theoretisch bis zu 300 Impfungen pro Tag vornehmen", erklärte Tammen. Allerdings unter der Prämisse, dass es auch ausreichend Impfstoff gibt.

Entsprechend der Stiko-Empfehlungen soll es bei den mobilen Impfangeboten in den Kommunen auch keinen Vorrang mehr für die vulnerablen Gruppen wie den Über-70-Jährigen geben. Sprich: Jeder über 18 Jahren, dessen zweite Impfung mehr als fünf bis sechs Monate her ist, kann die Booster-Impfung in Anspruch nehmen.

Lesen Sie auch

Allerdings weist der Landkreis darauf hin, dass in der Woche vom 13. bis 17. Dezember aufgrund der aktuellen Verfügbarkeit von Impfstoffen bei den mobilen Impf-Angeboten in den Kommunen ausschließlich der Impfstoff Moderna verimpft werden kann. "Moderna ist absolut gleichwertig wie der Biontech-Impfstoff", betonte Hirth-Schiller. Allerdings kann der Impfstoff entsprechend der Stiko-Empfehlungen nur an Personen über 30 Jahren und als Booster- oder Erstimpfung, nicht aber als Zweitimpfung verimpft werden. Entsprechend besteht für jüngere Personen in dieser Woche keine Möglichkeit, das Angebot der mobilen Impfungen wahrzunehmen.

In der kommenden Woche will der Landkreis auch Impfungen in den Alten- und Pflegeheimen des Landkreises sowie in Tagespflegeeinrichtungen ermöglichen. Dort soll, insbesondere mit Blick auf die Knappheit des Biontech-Impfstoffes, ab sofort ebenfalls Moderna zum Einsatz kommen.

Das Angebot der mobilen Impfteams in den einzelnen Kommunen will der Landkreis auch in den kommenden Wochen aufrecht erhalten. Auch in der Woche vor Weihnachten sowie zwischen Weihnachten und Neujahr soll es entsprechend zur Verfügung stehen. Lediglich an Heiligabend sowie an Silvester fallen die Termine aus. Davon betroffen sind die Kommunen Schwaförden, Lemförde und Barnstorf, in denen die mobilen Impfteams immer freitags vor Ort sind.

Viele Fragen seitens der Bürger

Derweil steigt auch der Unmut und die Unsicherheit bei den Bewohnern im Landkreis, was die neuen Corona-Regelungen angeht. "Das Leben ist für viele doch wieder überraschend stark eingeschränkt worden", erklärte Bockhop. Man befinde sich nach wie vor im Krisenmodus. "Das heißt Einschränkungen für die Gesellschaft und auch für jeden einzelnen." Täglich würden ihn Nachrichten mit Fragen bezüglich der Regelungen, Impfungen oder auch Testmöglichkeiten erreichen. "Aber der Landkreis ist weder Hersteller von Impfstoff noch von Testkits", merkte der Landrat an.

Insbesondere die 2G-Plus-Regelung sorgt bei vielen Bürgern für Fragen und Unklarheiten. Inzwischen hat das Land Niedersachsen auch noch einen weiteren Beschluss diesbezüglich erlassen, der bereits ab diesem Sonnabend, 4. Dezember, greifen wird. Demnach gilt für Geimpfte und Genesene nach wie vor die Testpflicht für diverse Veranstaltungen und Aktivitäten. Wer jedoch bereits seine Booster-Impfung erhalten hat, der ist von der Testpflicht entbunden. "Das gilt bereits einen Tag nach der Auffrischungsimpfung", erklärte Bockhop.

Um den vielen Anfragen zu Corona gerecht zu werden, fährt die Kreisverwaltung derzeit auch personell wieder hoch und stockt etwa bei der Kontaktnachverfolgung sowie beim Corona-Bürgertelefon die Kapazitäten auf. "Wir bekommen inzwischen wieder weit über 300 Anrufe täglich beim Corona-Bürgertelefon", berichtete Tammen. Oftmals gehe es dabei um ganz konkrete Lebensfragen. "Viele Informationen und auch ganz direkte Beispiele findet man aber auch auf der Internetseite des Landes", empfiehlt die Kreisrätin, sich selbst über die aktuellen Regelungen vor Ort schlau zu machen.

Eine Übersicht über die Angebote der mobilen Impf-Teams in den Kommunen finden Interessierte online unter www.diepholz.de. Dort sind auch weitere Informationen rund um die Corona-Regelungen sowie weiterführende Links zu den Seiten des Landes zu finden.

Zur Sache

3G in Rathäusern und Politik-Gremien

In den Sitzungen der politischen Gremien sowie in allen Rathäusern und im Kreishaus gilt im Landkreis Diepholz ab diesem Montag, 6. Dezember, die 3G-Regelung. Darauf haben sich der Landkreis und die Bürgermeister verständigt. Zwar schreibt das Landesrecht für Sitzungen kommunaler Gremien grundsätzlich keine Verpflichtung dazu vor, dennoch besteht im Wege des Hausrechts die Möglichkeit, für einen gewissen Infektionsschutz zu sorgen. Darüber hinaus gilt für die Sitzungen der politischen Gremien ab sofort auch die Pflicht, eine FFP2-Maske zu tragen. Diese ist bei der Warnstufe 2 generell für Innenräume vorgesehen und gilt auch für die Besuche in den Rathäusern und im Kreishaus.

"Wir wollen auch flächendeckend die Besuche der Rathäuser auf 3G beschränken", erklärte Jens Bley als Sprecher der Bürgermeisterkonferenz. Darauf habe man sich unter den Bürgermeistern geeinigt. "Wir wollten da auch eine gewisse Gleichheit im Landkreis", erklärte Bley. Deswegen habe man sich dazu entschlossen, sich den Regelungen des Landkreises anzuschließen.

Denn die Mitarbeiter in den Verwaltungssitzen müssen aufgrund der niedersächsischen Corona-Verordnung ohnehin schon alle 3G erfüllen. Da sei es nur folgerichtig, wenn das künftig auch für die Besucher vor Ort gelte. "Wir sind der Meinung, dass das absolut zumutbar ist", so Bley. Landrat Cord Bockhop ergänzte: "Den wenigen, die noch nicht geimpft sind, einen Test abzuverlangen für den Besuch, halten wir für vertretbar." Schließlich sei ein Großteil der Anliegen ohnehin ohne Termin über Internet oder auch telefonisch realisierbar. "Wenn der Kontakt vermeidbar ist, ist es immer besser, Dinge aus der Distanz heraus zu erledigen", erklärte Bockhop. Das gelte auch für die Geimpften.

Für den Besuch in einer der Dienststellen des Landkreises, der Städte, Gemeinden und Samtgemeinden ist ab Montag also entweder Impf- oder Genesenennachweis Pflicht, alternativ kann ein negatives Testergebnis vorgezeigt werden. Dieses darf nicht älter als 24 Stunden beziehungsweise 48 Stunden bei einem PCR-Test sein. Es reicht ein Schnelltest von einer offiziellen Teststelle oder ein PCR-Test. Selbsttests ohne offiziellen Nachweis werden nicht anerkannt. Zur Kontrolle muss ein Ausweisdokument mit Foto vorgelegt werden. Die 3G-Nachweise werden in der Regel direkt am Eingang überprüft. Auch die weiteren Hygienevorschriften wie Händedesinfektion beim Eintritt ins Gebäude und die Einhaltung des Mindestabstands bleiben weiterhin in den Dienststellen bestehen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+