Ausschuss für Kreisentwicklung und Umwelt

Nachverdichtung in Alleen

In der jüngsten Sitzung des Ausschusses ging es um das Gutachten zu Alleen, das der Kreis angefordert hatte. Dieses attestiert einen guten Zustand der Baumreihen, sieht aber noch Potenzial beim Lückenschluss.
22.09.2021, 16:18
Lesedauer: 3 Min
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Nachverdichtung in Alleen
Von Wolfgang Sembritzki

Landkreis Diepholz. 194 Alleen und Baumreihen gibt es an den Kreisstraßen des Landkreises Diepholz. Das geht aus der Untersuchung hervor, die Landschaftswissenschaftler Max Peters in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Kreisentwicklung und Umwelt vorgestellt hat. Peters und seine Kollegin Nora Kraack, die zur Präsentation verhindert war, haben während der vergangenen Monate die Straßenrandbäume im Landkreis gelistet und ihren Zustand bewertet. Dabei beurteilten sie, ob es sich um eine Allee oder Baumreihe handelt und schätzten das Alter. Außerdem überprüften sie die Bepflanzung auf mögliche Lücken, maßen die Länge der Reihen und den Kronenschluss.

170 Kilometer Alleen

An insgesamt 170,25 Kilometern Kreisstraße stehen Alleen oder Baumreihen. Letztere sind Halballeen, bei denen nur an einer Seite der Straße Bäume stehen. Mitte und Norden des Landkreisreises haben laut Peters eine höhere Dichte an Alleen und Baumreihen als der Südkreis. Im Gutachten sehen Peters und Kraack Alleen als landschaftsprägende Elemente mit ökologischem und kulturhistorischem Wert. 21 verschiedene Baumarten gibt es in den Alleen, wobei Stieleiche, Hängebirke und Bergahorn vorherrschen.

Peters leitet aus dem Papier konkrete Handlungsempfehlungen ab. Generell seien alle Bäume schützenswert, unabhängig von Alter und Zustand. Natürlich: Wenn Teile von Bäumen die Verkehrssicherheit gefährdeten, müsse auf jeden Fall gehandelt werden. Das bedeute jedoch nicht in jedem Fall automatisch, dass ein Baum gefällt werden muss, so Peters. Denn auch "Baumrelikte", sprich für den Verkehr unschädlich gemachte Baumstümpfe, hätten immer noch ökologischen Wert. Stichwort: Lebensraum Totholz.

Das Gegenteil, also Neuanpflanzungen, haben Peters und Kraack ebenfalls betrachtet: "Hier ist Potenzial vorhanden", resümiert Peters. Obwohl der Landkreis ohnehin schon reich an Alleen ist, gebe es hier und da noch Lücken, an denen sich Neupflanzungen zum Reihenschluss anbieten. Doch gebe es bei jungen Bäumen einiges zu beachten: "Die ersten 10 bis 15 Jahre sind entscheidend", so Peters. Die Äste der ursprünglichen Krone müssten regelmäßig gestutzt werden, damit sie später nicht als Verkehrshindernis in den Fahrbahnraum hängen. Allerdings seien die Nachpflanzungen ein probates Mittel, um eine Allee oder Baumreihe "schnell aufzufüllen".

Bäume an Straßen sind eigentlich "suboptimal"

Ratsvorsitzender Elmar Könemund (Grüne) sieht in der Pflege der Alleen eine der "Aufgaben der Zukunft". Naturschutzbeauftragter Martin Lütjen möchte wissen, wie sehr Alleen mit Radwegen in Konflikt stehen. Weber erklärt daraufhin, dass Fällungen dabei Einzelfälle seien. Der Standort direkt an Straßen sei für Bäume aus rein biologischer Sicht ohnehin "suboptimal". Lütjen regt dazu eine Verjüngung alter Bäume durch teilweise "brutale Schnitte" an. Weber plädiert dafür, immer so viel wie nur möglich vom Baum stehen zu lassen, sei es auch nur ein Stumpf.

Heiner Lampe (CDU) möchte daraufhin wissen, ob tief- oder flachwurzlige Bäume für Alleen praktikabler seien. Weber verweist auf die Steckbriefe aus dem Papier, aus denen konkrete Handlungsanweisungen und Pflanzempfehlungen hervorgehen. Das Gutachten sei auch online für die Öffentlichkeit zugänglich unter https://cloud.diepholz.de/index.php/s/YQ7TReHAjc8FHy3. Jürgen Borchers (SPD) mahnte an, aus dem Papier konkrete Handlungsweisen abzuleiten, "sonst hätten wir uns das auch schenken können" und erntet damit Zustimmung aus dem Gremium. Kreisrat Jens-Hermann Kleine fasst zusammen: "Es wird nicht zu umgehen sein, Bäume zu fällen." Wichtig sei nur, dann auch wieder nachzupflanzen.

Zur Sache

Wasserversorgungskonzept gesucht

Die vergangenen Sommer waren heiß und vor allem trocken. Daher ist der Kreisentwicklungsausschuss nun um ein Konzept der Wasserversorgung bemüht. Vorrangig soll es darum gehen, wie man am besten Trinkwasser einsparen kann. Der Kreis möchte dazu im Dezember mit den Trinkwasserversorgern sprechen.

Zudem soll in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer der Wasserbedarf für die jeweiligen Fruchtfolgen im Zusammenhang mit Klimadaten und Bodenarten neu berechnet werden. Für die Entnahmerechte der Feldberegnung in der Landwirtschaft sollen bei den bestehenden Erlaubnissen die tatsächlichen Fördermengen überprüft werden. Bei einer geringen Auslastung sollen die zugelassenen Mengen angepasst werden. Dazu soll es jedoch zuvor Gespräche mit den entsprechenden Landwirten geben, die eine solche Erlaubnis haben. Ziel sei es, die Beregnung im Einvernehmen mit den Landwirten zu sichern, ohne die Grenzen der Wasserreserven in naher Zukunft zu erreichen.

Nach Aussage des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie ist Ende dieses Jahres mit Informationen zum Landeswasserversorgungskonzept zu rechnen. Diese Erkenntnisse sollen dann in die Überarbeitung des Wasserversorgungskonzeptes Landkreises Diepholz einfließen.

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