Corona-Pandemie im Landkreis Diepholz Mehr Tempo beim Impfen

Der Landkreis Diepholz will das Tempo bei den Impfungen erhöhen. Mitte Januar sollen nun drei feste Impfstationen kommen.
16.12.2021, 18:15
Lesedauer: 3 Min
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Von Niklas Golitschek

Landkreis Diepholz. Mit drei festen Stationen statt mobilen Teams will der Landkreis Diepholz von Mitte Januar an die täglichen Impfzahlen deutlich erhöhen. Rund 7500 Impfungen pro Woche sollen durch die Umstellung möglich sein, rechnete Kreisrätin Ulrike Tammen am Donnerstag bei der Vorstellung der neuen Strategie vor: „Das ist eine deutliche Steigerung.“ Im aktuellen Verfahren würden bis zu 900 Dosen täglich verabreicht.

In Absprache mit den Bürgermeistern sollen die Impfstationen in Barnstorf, Sulingen und Syke am 17. Januar in Betrieb gehen. In der Hachestadt habe sich die Olympiahalle bewährt, führte Landrat Cord Bockhop aus: „Sie hat eine gute Infrastruktur.“ Dort gebe es auch noch Potenzial für ein viertes Team, auch ein zusätzlicher Standort in Weyhe wäre denkbar. Dafür müssten jedoch ausreichend Kapazitäten und Impfstoffe verfügbar sein.

Der Mangel an Vakzinen treibt die Verwaltung derzeit offensichtlich um. In der dritten Woche in Folge erhielt der Landkreis Diepholz nun nicht die bestellte Menge: Statt 2100 kamen lediglich 796 Dosen an. Im Vergleich zur Vorwoche war das zwar fast die doppelte Menge, doch gebe es derzeit eben zu wenig Impfstoff im Landkreis, bilanzierte Bockhop. Hinzu komme, dass die nun gelieferten Dosen lediglich bis Ende Januar haltbar seien. „Das erschwert die Planung“, merkte Tammen an.

In der Folge bleibe derzeit vor allem zu hoffen, dass im Januar wieder die bestellten Mengen eintreffen. Mit diesem Sollwert plane die Kreisverwaltung derzeit auch für die Impfstationen. „Wir wollen möglichst vielen Menschen die Möglichkeit geben, sich zu impfen“, versicherte Bockhop.

Als Neuerung führt der Landkreis am 3. Januar eine eigene Online-Terminplattform ein, auf der Termine für die Impfstationen gebucht werden können. „Das wird Entspannung vor Ort bringen“, hofft Bockhop. Die Freitage sollen als flexibler Tag davon ausgenommen werden; auch, falls die Impfstoffe erneut ausgehen sollten. An einem Tag pro Woche sind außerdem Öffnungszeiten von 12 bis 20 Uhr für Erwerbstätige vorgesehen. Derweil wird in der ersten Januarwoche noch alles nach dem aktuellen Verfahren ablaufen. Auch bereits vereinbarte Termine für die zweite Januarwoche behalten ihre Gültigkeit.

Die drei Impfstationen versteht die Kreisverwaltung dabei ausdrücklich als Ergänzungsangebot. Die erhofften Zahlen könnten nur erreicht werden, wenn eine entsprechende Geschwindigkeit möglich sei. „Wir bieten Aufklärung, aber keine umfassende Beratung“, schilderte Bockhop den geplanten Ablauf. 75 Prozent der Menschen holten sich derzeit eine dritte Dosis, weitere zehn Prozent eine Auffrischung für den Johnson-&-Johnson-Impfstoff: „Sie sind schon ein bis zwei Mal beraten“, merkte der Landrat an. Die 11,3 Prozent, die derzeit eine Erstimpfung erhalten, sollten diese selbstverständlich erhalten.

Als Grundsatz werde daher gelten, dass Menschen über 30 Jahre den Moderna-Impfstoff erhalten, für unter 30-Jährige werde das Vakzin von Biontech angeboten. Für besondere Anliegen oder individuelle Wünsche raten die Verantwortlichen, den Hausarzt aufzusuchen. „Wir sind nicht die Regelversorger“, betonte Ulrike Hirth-Schiller, Geschäftsführerin des DRK-Kreisverband Diepholz. Ihre Organisation helfe in einer pandemischen Lage: „Wir können und müssen schnell agieren.“

Gemeinsam mit der Rettungsdienst GmbH des Landkreises stellt das Rote Kreuz die mobilen Impfteams, die Organisation und Logistik. Wöchentlich 80 Mitarbeiter sind laut Hirth-Schiller derzeit im Einsatz. „Die meisten Impfbefähigten haben eine reguläre Beschäftigung. Sie machen das nebenbei und zusätzlich“, führte sie aus und sprach von einer Gemeinschaftsleistung vieler engagierter Menschen.

Unverständnis angesichts teils lautstarker Kritik etwa wegen Warteschlagen äußerte daher Twistringens Bürgermeister Jens Bley. „Die Mitarbeiter werden teils angefeindet von den Bürgern“, berichtete er. Dabei würden sie sich Mühe geben und organisierten die Impfaktionen gut. „Die Bürger sollen sich zurücknehmen, das kann so nicht weitergehen“, appellierte er daher. Gerne hätte er auch eine der Impfstationen in seiner Kommune eingesetzt. Doch die Pandemie sei eine Gemeinschaftsaufgabe.

Zur Sache

Kaum Planungssicherheit

Kritik äußerte der Diepholzer Landrat Cord Bockhop an der aktuellen Vorgehensweise von Land und Bund: „Eine Ansage von oben wäre schön zur Planbarkeit und als Anerkennung“, sagte er. Denn wie lange die Impfstationen geöffnet bleiben werden, darüber habe er bislang keine Informationen; er rechne jedoch mit Sommer: „Wir kriegen immer nur kurzfristige Hinweise.“ Doch einen wirklichen Auftrag könne er nicht erkennen, was auch die eigenen Planungen erschwere. „Wir wollen Verlässlichkeit“, sagte Bockhop.

Auch Jens Bley, Bürgermeister der Stadt Twistringen, beobachtet, dass die vielen Kurswechsel der Regierung Verwirrung stiften. „Oben wird geredet, aber wir müssen es umsetzen. Es braucht klare Linien“, forderte er. Für die Bürger sei es schwer verständlich, wenn in Bremen die Regeln bei ähnlichem Pandemiegeschehen komplett unterschiedlich seien als in Stuhr oder Weyhe.

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