Landkreis Diepholz

Schulschließung könnte nur drei Tage andauern

An diesem Mittwoch tritt im Landkreis Diepholz die Corona-Notbremse in Kraft, die mehr Einschränkungen mit sich bringt. Zumindest für Schulen und Kitas könnten diese ab Montag jedoch schon wieder nichtig sein.
04.05.2021, 18:00
Lesedauer: 4 Min
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Schulschließung könnte nur drei Tage andauern
Von Esther Nöggerath

Landkreis Diepholz. Ab diesem Mittwoch, 5. Mai, tritt im Landkreis Diepholz die Corona-Notbremse über das Infektionsschutzgesetz des Bundes in Kraft, nachdem der Inzidenzwert für den Landkreis mehrere Tage hintereinander über einem Wert von 100 lag (wir berichteten). Auf die Bürger kommt dadurch nun eine Reihe weiterer Einschränkungen zu, die allerdings zumindest im Bereich der Schulen und Kitas ab Montag schon wieder nichtig sein könnten.

Denn ab Montag, 10. Mai, sollen die Bereiche Kindertagesbetreuung und Schule bis zu einem Inzidenzwert von 165 offengehalten werden und nicht wie bisher bis zum Schwellenwert von 100. Das hat die Landesregierung am Dienstag bekannt gegeben. Für den Landkreis Diepholz bedeutet das, dass ab diesem Mittwoch, 5. Mai, die Schüler dennoch nach geltender Landesverordnung in den Distanzunterricht gehen müssen. Nur noch Grundschulen, Schulen für Kinder und Jugendliche mit Förderbedarf in der geistigen Entwicklung und Abschlussklassen dürfen im Wechselunterricht bleiben. In der nächsten Woche soll dann bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von unter 165 ein erneuter Wechsel in das Szenario B, also wieder Präsenzunterricht im Wechselmodell, erfolgen.

Auch Kindertageseinrichtungen sind von dieser Regelung betroffen. Erfolgt ab Mittwoch zunächst der Wechsel in die Notbetreuung in Kleingruppen, wird voraussichtlich in der kommenden Woche wieder in den eingeschränkten Regelbetrieb (Kita-Szenario B) zurück gewechselt. Der genaue Wortlaut der geänderten Landesverordnung bleibt laut Landkreis jedoch noch abzuwarten. „Leider bieten die rechtlichen Rahmenbedingungen derzeit keine Möglichkeit, um dieses Wechselspiel der Verordnungen und Szenarien zu verhindern“, bedauerte Landrat Cord Bockhop.

Acht weitere Fälle auf Spargelhof

Am Montag sind zudem innerhalb des landwirtschaftlichen Spargelanbaubetriebs in Kirchdorf erneut 899 Menschen getestet worden. Personen, die bereits zuvor einen positiven Befund erhalten hatten, wurden dabei nach Angaben des Landkreises aber nicht erneut mit einbezogen. Am Dienstagnachmittag lag dem Gesundheitsamt dann bereits rund die Hälfte der Ergebnisse vor. „Darunter wurden bisher acht weitere Infektionen bestätigt“, teilt Landkreis-Sprecherin Mareike Rein mit. Da bei einigen der zuvor positiv Getesteten inzwischen die Quarantäne bereits wieder ausgelaufen sei, umfasse das Infektionsgeschehen rund um den Spargelhof derzeit noch 104 aktive Corona-Infektionen. Weitere über 900 Mitarbeiter des Betriebs, die negativ getestet worden waren, befinden sich derzeit in Arbeitsquarantäne.

„Wir müssen zunächst die weiteren Testergebnisse abwarten. Diese werden am Mittwoch erwartet“, erklärte Landrat Cord Bockhop dazu. „Es lässt sich jedoch bereits jetzt erkennen, dass die bisher getroffenen Maßnahmen der letzten Tage Wirkung zeigen. Weitere Testungen sind für Donnerstag geplant.“

Allerdings scheinen sich nicht alle der Betroffenen auch an die Quarantäne zu halten. So meldete nach Angaben der Polizei am Montagnachmittag ein Lebensmittelhändler aus Asendorf mehrere Saisonarbeiter vom Spargelhof trotz Quarantäne in seinem Geschäft. „Aufgrund der Sprachbarrieren war ihm eine Verständigung nicht möglich“, schilderte Polizeisprecher Thomas Gissing. Daher rief der Lebensmittelhändler die Polizei zu Hilfe, die allerdings nur noch ein paar der Arbeiter vor Ort antreffen konnte, der Rest sei bereits wieder in einer der Sammelunterkünfte verschwunden.

Um sich mit den Arbeitern verständigen zu können, zog die Polizei auch einen Dolmetscher vom Spargelhof hinzu. Mit dessen Hilfe versuchte die Polizei, den Arbeitern noch einmal die Quarantäne zu verdeutlichen. „Die Erklärungen stießen nicht immer auf Verständnis“, erklärte Gissing. Auch in den folgenden Stunden hätten Arbeiter immer wieder die Quarantäne ignoriert, um einzukaufen. Die Polizei musste mehrmals eingreifen, Platzverweise aussprechen und Arbeiter zurück in die Unterkunft schicken.

Verstärkte Kontrollen

Mit Blick auf die nun in Kraft getretene Corona-Notbremse kündigte die Polizei auch weitere Kontrollen an. „Die Einhaltung der in der Verfügung verschärften Kontaktmöglichkeiten und die nächtliche Ausgangssperre von 22 bis 5 Uhr sind in den nächsten Tagen daher auch eine zusätzlich polizeiliche Aufgabe“, erläuterte Gissing. Die Polizei werde durch sichtbare Präsenz für ein Sicherheitsgefühl der Menschen sorgen und bei Verstößen konsequent einschreiten. Dabei sollen aufklärende und ermahnende Gespräche zunächst für Einsicht sorgen. „Uneinsichtige müssen aber auch mit einem Platzverweis oder einem Verfahren rechnen“, betonte der Polizeisprecher. Nur bei konsequenter Einhaltung der Regeln aus der Notbremse könne die Zahl der Infizierten schnell wieder sinken und die Notbremse aufgehoben werden. Denn sinkt die Sieben-Tage-Inzidenz an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen wieder unter den Wert von 100, treten ab dem übernächsten Tag die Maßnahmen wieder außer Kraft.

Der Landkreis weist zudem darauf hin, dass es aufgrund der Vielzahl von Anrufen und Fragen derzeit zu Wartezeiten beim Corona-Bürgertelefon kommen könnte. Daher bittet die Kreisverwaltung darum, sich bei Fragen zur Corona-Notbremse zunächst über die offiziellen Quellen im Internet zu informieren und sich gegebenenfalls anschließend bei ungeklärten Fragestellungen an das Bürgertelefon zu wenden. Informationen zur Bundes-Notbremse finden Interessierte online unter www.bundesregierung.de/breg-de/suche/bundesweite-notbremse-1888982 sowie auf der Landes-Homepage unter www.niedersachsen.de/Coronavirus/antworten_auf_haufig_gestellte_fragen_faq/antworten-auf-haufig-gestellte-fragen-faq-186686.html.

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