Migrations- und Integrationsbericht

Zentrales Problem ist die Sprache

Der Migrations- und Integrationsbericht des Landkreises Diepholz ist fertig. Darin steht vieles, was für die Integrationsarbeit wichtig ist.
16.09.2021, 18:22
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Zentrales Problem ist die Sprache
Von Micha Bustian

Landkreis Diepholz. 8,7 Prozent der Bewohner des Landkreises Diepholz sind ausländischer Herkunft. Das sind 16.395 Menschen. Der größte Teil davon kommt aus Polen. Drei Fakten aus dem neuen Migrations- und Integrationsbericht des Landkreises, den Saskia Bredemeier von der Landkreisverwaltung am späten Mittwochnachmittag dem Kreis-Sozialausschuss im Gasthaus Zur Post in Neubruchhausen vorstellte.

Ende des Monats, so der Diepholzer Landrat Cord Bockhop, sei der Bericht endgültig fertig. Hochglanz und gebunden. "Erst wenn's gedruckt ist, ist es fertig", sagt der Landrat mit einem schelmischen Lächeln. Aber: "Wenn der Bericht fertig ist, fängt die Arbeit erst an." Was Bockhop damit meint: "Während wir hier sitzen, findet Integration statt." Jederzeit, überall, immer. Die Frage sei nur: Ist es alltägliche Integration oder strukturierte? 

Für strukturierte Integration braucht es Wissen. Wie viele Menschen mit ausländischem Hintergrund leben im Landkreis Diepholz? Wo wohnen viele, wo wenige? Wie sieht es mit ihrem Bildungshintergrund aus? Sprechen sie Deutsch? Fragen ohne Ende, auf die der Migrations- und Integrationsbericht Antworten gibt. Antworten, an denen sich Institutionen, die sich mit Integration beschäftigen, und ehrenamtliche Helfer orientieren können. "Deren Arbeit ist wichtig", stellt Cord Bockhop fest. "Das muss unterstützt werden." Denn das ist für ihn klar: Berichte, Vorhaben, Strukturen, Netzwerke – alles das, womit sich die Verwaltung beschäftigt, ist noch keine Integration.

Auch Kreisrätin Ulrike Tammen ist froh, dass der Bericht endlich fertig ist. "Er begleitet mich seit Jahren. Die Arbeit daran hat länger gedauert als gedacht." Sie lobt Saskia Bredemeier, die dargestellt habe: "Wo stehen wir hier?" Der erste, größere Teil der 78 Seiten sei aufgeteilt in vier Bereiche: Bevölkerung, Bildung, Arbeitsmarkt und Transferleistungen. Und schon wieder Fragen. Wo müssen wir uns bewegen? Auf welche Gruppen müssen wir zugehen?

Ein Ergebnis: Die Zahl der Flüchtlinge hat abgenommen. Die größte Gruppe der Migranten kommt nicht mehr aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan, sondern aus dem östlichen Teil der Europäischen Union. "Das hat sich deutlich verschoben", sagt Ulrike Tammen. Positiv dabei: "Viele können ihren Lebensunterhalt selbst sichern."

Zentrales Problem war und ist allerdings die Sprache. Das sei ein großes Problem an den Schulen, "da müssen wir etwas unternehmen", so Ulrike Tammen. Cord Bockhop nennt ein gutes Beispiel von einem Unternehmen, in dem sich Mitarbeiter mit Migrationshintergrund beim Chef nach Deutschunterricht erkundigt hätten. Nun bekommen sie ihn. Von einer Migrantin. "Es gibt aber auch Gruppen, die sich sperren."

Für die anderen sei es manchmal schwierig, an Kursen teilzunehmen. Von 8 bis 13 Uhr – da könnten weder Mütter noch Berufstätige. Das gehe an der Realität vorbei. "Ich erwarte jetzt kreative Lösungen vom Bund", fordert Ulrike Tammen. Mehr noch: Sie hätte eigentlich lieber eine Finanzierung von der Bundesregierung und würde das auf Landkreisebene selbst organisieren. Denn: "Wir haben hier Mitarbeiter, die sich täglich mit Integration beschäftigen." Diese seien vor Ort auch imstande, gegen den relativ hohen Anteil an Analphabeten anzukämpfen. Das sei zwingend notwendig, denn die Konsequenz mangelnder Sprachkompetenz würde sich an den Schulen widerspiegeln. In schlechten Abschlüssen und der Abbruchquote.

Zurzeit aber sei vieles in Sachen Integration von Bund und Land vorgegeben. Wie damit umgegangen wird, bespricht das Aktionsbündnis Integration, das sich aus Städten, Gemeinden, Volkshochschulen, Sprachunterrichtsanbietern und einigen Institutionen mehr zusammensetzt, zwei- bis dreimal im Jahr. "Auch deswegen sind wir froh, dass wir diesen schönen Bericht jetzt haben", freut sich Ulrike Tammen.

Zur Sache

Zahlen zur Migration

218.072 Einwohner hat der Landkreis Diepholz (Stand 2020). 8,7 Prozent davon sind ausländische Staatsbürger. Die höchste Quote hat die Stadt Diepholz mit 15,5 Prozent, die niedrigste Schwaförden mit 1,6 Prozent. Es folgen die Kommunen aus dem Diepholzer Nordkreis: Stuhr (11,5 Prozent), Weyhe (9,4), Syke (8,3), Twistringen (7,1), Bassum (6,5) und Bruchhausen-Vilsen (5,6). Wer mehr über Migration im Landkreis wissen will: Der Bericht der Verwaltung wird so bald wie möglich als PDF-Datei auf der Internetseite www.diepholz.de veröffentlicht.

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