Landkreis Diepholz

Verkehrsunfälle auf Rekord-Tief

So wenig Verkehrsunfälle wie 2020 hat es im Landkreis Diepholz seit 2006 nicht mehr gegeben. Das Rekord-Tief hängt vor allem auch mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie zusammen.
16.04.2021, 17:30
Lesedauer: 3 Min
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Verkehrsunfälle auf Rekord-Tief
Von Esther Nöggerath
Verkehrsunfälle auf Rekord-Tief

Leere Autobahnen, deutlich weniger Verkehr in den Städten: Die Corona-Krise mitsamt Lockdown hat im vergangenen Jahr für deutlich weniger Unfälle gesorgt. Auch im Landkreis Diepholz ging die Zahl der Unfälle deutlich zurück (Symbolbild).

Julian Stratenschulte/DPA

Landkreis Diepholz. So wenig Unfälle wie schon lange nicht mehr hat die Polizeiinspektion Diepholz im vergangenen Jahr im Landkreis Diepholz verzeichnet. Das geht aus der Verkehrsunfallstatistik hervor, die die Polizei nun vorgelegt hat. Seit zuletzt 2006 war der Wert nicht mehr so niedrig: Mit 4156 Verkehrsunfällen im Landkreis sind die Zahlen um 13,5 Prozent gegenüber 2019 zurückgegangen. „Die Pandemie beeinflusst auch unser Mobilitätsverhalten, das müssen wir bei der Bewertung der vorliegenden Zahlen berücksichtigen“, erklärt Thomas Kues, Leiter der Polizeiinspektion. Auch die Zahl der Schulweg-Unfälle hat in Pandemie-Zeiten deutlich abgenommen: 19 gab es davon 2020, im Vorjahr waren es noch 27. Denn in Zeiten von Lockdown, Homeoffice und -schooling sowie von Kontaktbeschränkungen sind auch einfach deutlich weniger Autos und Menschen auf den Straßen unterwegs gewesen.

Dennoch ist die Zahl der Verkehrstoten im Landkreis Diepholz um einen weiteren Todesfall auf insgesamt 19 gestiegen. Die Verkehrsunfälle mit Schwerverletzten aber gingen deutlich von 199 auf 168 zurück. „Vor allem bei diesen Verkehrsunfällen spielt die Geschwindigkeit eine herausragende Rolle“, teilt Polizeisprecher Thomas Gissing mit. Auch wenn insgesamt die Unfälle mit der Ursache „nicht angepasste/überhöhte Geschwindigkeit“ zurückging, sei sie bei Unfällen mit schwerem Personenschaden die Unfallursache Nummer eins. Dazu kämen die Unfälle, bei denen die Geschwindigkeit ebenfalls mit hineinspielt, etwa bei Überholmanövern oder Auffahrunfällen. „Aber auch die Ablenkung nimmt einen zunehmend größeren Raum ein“, so Gissing. Die Polizei will daher in ihrer Verkehrssicherheitsarbeit auch künftig einen Fokus auf Ablenkung im Straßenverkehr legen und Ablenkungsverstöße konsequent ahnden.

Bei den Unfällen mit Schwerverletzten und Verkehrstoten sind häufig auch Motorradfahrende involviert. Vier Todesfälle bei Unfällen mit motorisierten Zweirädern gab es im vergangenen Jahr im Landkreis Diepholz, drei mehr als noch 2019. Die Zahl der Motorrad-Unfälle mit Schwerverletzten stieg von 29 auf 38. Die Polizei kontrolliert auch regelmäßig beliebte Motorradstrecken im Landkreis, hat aber festgestellt, dass Motorradfahrende auch andere und neue kurvenreiche Strecken vermehrt als Ausweichroute nutzen. Auch diese Erkenntnis soll nun in die Verkehrsüberwachung mit einfließen.

Bei den Fahrradfahrenden sind 2020 insgesamt 219 Unfälle verzeichnet worden, im Vorjahr waren es noch 235. Dafür hat die Polizei einen deutlichen Anstieg an Unfällen mit Elektro-Fahrrädern im vergangenen Jahr registriert. 57 Unfälle waren das 2020, im Vorjahr lag die Zahl noch bei 36. „Das hängt zum einen natürlich damit zusammen, dass die Zahl der Pedelec-Fahrer als solche einfach deutlich zunimmt“, erklärt Gissing. Auf der anderen Seite würden E-Bike-Fahrende aber auch manchmal die Geschwindigkeit und auch die Bremsweite des Fahrzeugs unterschätzen.

„Leider müssen wir auch immer wieder feststellen, dass die Radfahrenden keinen Schutzhelm tragen. Sie geben damit die Möglichkeit, sich zu schützen, leichtsinnig her“, merkt der Polizeisprecher an. Dabei seien Radfahrende bei Verkehrsunfällen fast immer die Leidtragenden. „Häufig enden derartige Unfälle mit Personenschäden“, so Gissing. Daher werde die Polizei neben Beleuchtungs- und Technikkontrollen die Radfahrenden verstärkt auf ihr Fehlverhalten ansprechen und Verstöße ahnden.

Generell arbeitet die Polizei eng mit den Verkehrsbehörden im Landkreis Diepholz zusammen. So will die Polizei den Straßenverkehrsbehörden auch zukünftig Streckenabschnitte melden, an denen sich Unfälle mit der Ursache „Geschwindigkeit“ ereignen. Diese Strecken werden dann in Absprache zwischen dem Landkreis und der Polizei verstärkt überwacht, um so einen Rückgang der Unfallzahlen, aber auch eine Verhaltensänderung der Fahrzeugführer zu erreichen. Klar sei, „dass wir uns als Polizei auf die Bekämpfung der Ursachen für die schweren Unfälle konzentrieren müssen“, resümiert Thomas Kues. „Daher liegt unser Augenmerk in 2021 vor allem auf der Geschwindigkeitsüberwachung, der Bekämpfung der Unfallursache Ablenkung und der Kontrolle von Radfahrenden.“

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Risikogruppen

Betrachtet man die Verkehrsunfallzahlen im Bereich der Fahranfänger, so ist laut Unfallstatistik der Polizeiinspektion Diepholz festzustellen, dass die Zahl dieser Verkehrsunfälle im Landkreis Diepholz über mehrere Jahre konstant niedrig war und auch im Jahr 2020 noch einmal gesunken ist. 804 Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Fahranfängern wurden 2020 im Vergleich zum Vorjahr mit 929 Verkehrsunfällen registriert. Auch die schweren Verkehrsunfallfolgen nahmen um 14,5 Prozent ab. Junge Fahranfänger im Alter von 18 bis 24 Jahren sind mit 19,3 Prozent an der Gesamtunfallzahl beteiligt.

Bei den Senioren sank die Zahl der Gesamtunfälle im Vergleich zu 2019 im vergangenen Jahr erstmals um 20,2 Prozent. Während sich die Zahl der tödlich Verletzten mit sechs auf einem gleichbleibend hohen Niveau bewegte, sank die Zahl der Schwer- und Leichtverletzten um 34,2 Prozent stark ab. Senioren ab 65 sind an 19,6 Prozent der Gesamtunfälle im Landkreis Diepholz beteiligt.

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