Lebenswege Begleiten

Fit für die Schule

Der Verein Lebenswege Begleiten richtet ein Sommerferien-Camp aus. Dabei geht es nicht nur um Betreuung und Spaß, sondern vor allem darum, schulische Defizite aufzuarbeiten.
12.08.2020, 16:57
Lesedauer: 3 Min
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Von Micha Bustan
Fit für die Schule

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Braunschädel

Bruchhausen-Vilsen. Es ist ruhig auf dem Gelände des Vereins Lebenswege Begleiten. Verdächtig ruhig für ein angekündigtes Sommerferien-Camp. Keine Musik, kein Gekreische und Gequietsche, nur das sanfte Rauschen des Windes in den Baumwipfeln. Und sechs Jugendliche, die konzentriert hinter ihren Laptops sitzen. Zwei pro Biergartengarnitur – des Abstands wegen. Denn das Coronavirus ist einer der Gründe, warum Lebenswege Begleiten dieses Camp überhaupt organisiert hat. Eben für Schüler, die wegen der Covid-19-Auswirkungen schulischen Nachholbedarf haben.

Seit gut einer Woche wird nahe dem Schulzentrum in Bruchhausen-Vilsen gebüffelt. Jeden Tag drei Stunden. Das Konzept des Veranstalters basiert auf 27 Teilnehmern und drei Dozenten, diese maximale Teilnehmerzahl wurde nicht ganz ausgeschöpft. Wobei Lebenswege Begleiten die Veranstaltung auch nicht übertrieben ernst nimmt. „Ein Stamm von 14 bis 16 Jugendlichen kommt regelmäßig“, erzählt Integrationsbeauftragte Antje Alberts, „ein paar bleiben aber ab und zu zu Hause oder gehen mal ins Freibad“. Kein Problem für die Organisatoren und die Dozenten. „Die sind da sehr flexibel.“ Müssen sie auch sein, denn in den drei Gruppen sind jeweils Schüler von der fünften bis zur neunten Klasse, darunter einige, die schulisch sehr gut sind. Ein Junge habe sogar Programmieren gelernt, weil er für den Mathekurs zu gut war.

In drei Gruppen haben die Verantwortlichen die Schülerschar eingeteilt. Eine lernt Deutsch als Zweitsprache bei Jan Moya, die anderen beiden Englisch und Mathematik bei Pia Koppermann und Christoph Ahlers. Das alles geschieht an Laptops, die Lebenswege Begleiten aus Spendengeldern finanziert hat. Auf diese Art können die Teilnehmer, soweit noch nicht geschehen, auch das Einmaleins des Homeschoolings lernen. Wie gehe ich ins Internet? Was ist ein Browser? Wie logge ich mich in die Unterrichts-Plattform ein? Diese und weitere Fragen werden quasi nebenbei beantwortet. Dafür wurden eigens zwei große Zelte aufgebaut, die aufgrund der Hitze aber zwischenzeitlich ignoriert werden. Liebevoll ignoriert. Darüber hinaus geht es auch um „emotionales und soziales Lernen“, wie es Antje Alberts formuliert. Abstand wahren, Grenzen respektieren. „Wir wollen hier Werte vermitteln“, stellt Ingo Rahn, bei Lebenswege Begleiten für die Schülerhilfe verantwortlich, klar. „Diese Werte können die Jugendlichen hier leben und dann mit nach Hause nehmen.“

Doch natürlich wird nicht nur gepaukt. Immerhin ist es ja ein Sommerferien-Camp. Und nach der Mittagspause wird die Betonung auf das Wort „Ferien“ gelegt. Dann kommt Thomas Schwenen vorbei und lässt in Begleitung der Camp-Teilnehmer die Sambatrommeln ertönen. Bianca Hrabowski bietet Wildnispädagogik an, Klinik-Clown Siba erläutert, warum Empathie und Lebensfreude zeitlos sind. „Wir bieten Solo-Selbstständigen Arbeit“, sagt Ingo Rahn. „Das ist ein schöner Nebeneffekt dieses Camps.“ Auch eine Wasserschlacht habe es bereits gegeben, versichert Antje Alberts. Und es sei Zeit, mit neuen und alten Freunden zu plaudern.

Das kann Kimiya nur bestätigen. Die 15-Jährige besuchte vor den Sommerferien die Sprachförderkurse an der Oberschule Bruchhausen-Vilsen. Inzwischen spricht sie so gut Deutsch, dass sie ab dem 27. August in den normalen Klassenbetrieb eingegliedert werden soll. Kimiya war schon vorher in Betreuung bei Lebenswege Begleiten. „Ich brauche viele Kontakte, um Deutsch zu lernen“, erklärt sie ihre Motivation. Deshalb findet sie den nachmittäglichen Schnack mit Freundinnen auch genauso wichtig wie die vormittäglichen Unterrichtseinheiten. Der Teenager zeigt dabei großen Einsatz, fährt jeden Tag mit dem Fahrrad aus Schwarme an. Und das gerne: „Ich freue mich auf jeden Tag.“

Das Sommerferien-Camp von Lebenswege Begleiten läuft noch bis zum 19. August. Der Verein liebäugelt allerdings schon jetzt mit einer Neuauflage im kommenden Jahr. „Einfach, weil es gut läuft“, begründet Ingo Rahn diese Überlegung. Alle Teilnehmer seien in den Unterrichtseinheiten überaus konzentriert, „und jeder Teilnehmer nimmt für sich etwas mit nach Hause, was er im kommenden Schuljahr auch im Unterricht gebrauchen kann“. Antje Alberts fasst es zusammen: „Sie sind danach fit für die Schule.“

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