Medienentwicklungsplan für Schulen

„Diepholzer Standard“ als Wegweiser

Um Fördermittel für die Ausstattung der Schulen aus dem Digitalpakt zu erhalten, hat der Landkreis Diepholz einen Medienentwicklungsplan aufstellen lassen. Eine regionale Besonderheit bringt einige Vorteile.
19.11.2020, 17:13
Lesedauer: 3 Min
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Von Niklas Golitschek
„Diepholzer Standard“ als Wegweiser

Moderne Unterrichtsmittel wie das Tablet werden in den Klassenzimmern immer wichtiger. Ein Gutachten sieht auch dort im Landkreis Diepholz Ausbaubedarf.

Julian Stratenschulte/dpa

Bassum/Landkreis Diepholz. 14,5 Millionen Euro für die Schulen im Landkreis Diepholz: Mit einem umfassenden Konzept will die Kreisverwaltung die Bildungseinrichtungen bis zum Jahr 2024 auf einen modernen Stand bringen, was die digitale Technik betrifft. Der Kreisschulausschuss hat den Weg dafür bei seiner Sitzung im Schulzentrum Petermoor in Bassum am Mittwoch freigemacht und der Vorlage bei einer Gegenstimme zugestimmt.

Diese Summe müsste der Landkreis auch nicht alleine stemmen. Bis 2024 müssten nur 4,3 Millionen Euro zusätzlich eingeplant werden, rechnete der Erste Kreisrat, Wolfram van Lessen, als Zuständiger für den Fachbereich Bildung und Kultur vor. Knapp 5,3 Millionen Euro würden aus Mitteln des Digitalpakts von Bund und Land kommen, zumal sich die Kosten für Neu- und Ersatzbeschaffungen bereits jährlich auf 500 000 Euro sowie 200 000 Euro für IT-Mitarbeiter beliefen. Für Letzteres kommt noch ein Zuschuss des Landes von 173 500 Euro hinzu. Daher müsste der Landkreis 867 655 Euro pro Jahr mehr als bisher einplanen.

Für van Lessen eine sinnvolle Investition. „Die Finanzlage erlaubt uns das trotz Corona“, sagte er. Gleichzeitig machte er aus seinem Unmut keinen Hehl, dass der Bund ein Programm anschiebt, ohne die Kosten dafür zu decken. „Wir würden es aber ohnehin machen, wenn auch vielleicht später“ – und dann müsste der Landkreis die Kosten alleine stemmen.

Der Kalkulation vorangegangen war ein Medienentwicklungsplan (MEP), den ein Bremer Beratungsunternehmen zuvor erstellt hatte. Ein solcher ist Voraussetzung für eine Förderung aus dem Digitalpakt Schule. Anja Zeising vom Beratungsunternehmen fand bereits im Ansatz eine Besonderheit: „Diepholz geht einen Weg, der alle Schulträger im Landkreis einschließt.“ Bisher sei das eher als rein kommunale Aufgabe verstanden worden – nur die Gemeinde Stuhr hat sich hier ausgenommen, um ein eigenes Konzept zu erstellen, wie van Lessen ergänzte.

Durch diesen Ansatz ließen sich einige Vorteile erkennen, führte Zeising aus. Potenziale ließen sich gemeinsam nutzen, einheitliche Standards vereinfachten unter anderem Schulübergänge, die Kommunikation zwischen den Einrichtungen und reduzierten durch Sammelbestellungen die Anschaffungskosten für neue Geräte. „Das hat Leuchtturmcharakter“, befand die Beraterin, weshalb sie dann auch vom „Diepholzer Standard“ sprach.

In einem Lenkungsgremium erfassten die Berater die aktuellen Bestände und ermittelten gemeinsam mit den Schulleitungen die Kernbedarfe. Das alles sei trotz der Umstände und Einschränkungen wegen der Coronavirus-Pandemie sehr schnell gelaufen, lobte Zeising: „Wir haben hochqualitative Rückmeldungen bekommen.“ Genauso habe der Landkreis eine schnelle Lösung bereitgestellt, als die Schulen im Frühjahr schließen mussten. Im Zuge des MEP werde nun auch nach langfristigen Anwendungen gesucht, die alle Bedürfnisse abdecken.

Zeising lobte den bereits hohen Standardisierungsgrad im Landkreis und sprach von einem soliden Endgeräteverhältnis vor allem durch gut ausgestattete Computerräume. Um sich für die Zukunft aufzustellen, müsse jedoch die Ausstattung mit interaktiven Großdisplays, Dokumentenkameras oder sogenannten Schwanenhälsen (biegsame Halterungen), Laptops und Tablets erfolgen. Zudem brauche es neben der Lernmanagement-Software (LMS) auch die entsprechende Infrastruktur mit Servern, Lan- und W-Lan-Zugängen sowie Breitband-Anschluss. Dazu empfahl sie etwa, mehr Personal für Service und Wartung bereitzustellen, einen zentralen Service-Desk einzurichten und eine Kooperation mit dem Kommunalen Medienzentrum (KMZ).

Die Ausschussmitglieder nahmen den mehr als 50 Seiten umfassenden Medienentwicklungsplan in großen Teilen wohlwollend auf. „Das ist eine unglaublich detaillierte Arbeit“, schwärmte Hans-Werner Schwarz (FDP) von der professionellen Begleitung. Anika Flöte, Lehrervertreterin für die allgemeinbildenden Schulen, blickte auf einen „gut aufgearbeiteten Prozess“ zurück, an dem auch die Schulen gut mit einbezogen worden seien: „Das ist ein tolles Papier, der Landkreis ist auf einem guten Weg.“ Sie wünschte sich lediglich mehr Fachpersonal, das bei Problemen schnell und vor Ort helfen könne. Nicht alles gehe schließlich aus der Ferne.

Skeptisch zeigte sich Gerd Breternitz (AfD). „Mit fehlt, welche Vorteile die Ausstattung mit Tablets und Laptops für das Lernen haben soll“, sagte er. Bereits zuvor hatte van Lessen betont, dass der Kreis keinen Standard vorschreibe, sondern nur Empfehlungen aussprechen könne: „Jeder Rat entscheidet selbst.“ Die Digitalisierung an den Schulen dürfte die Kommunen also auch in den kommenden Jahren intensiv beschäftigen.

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