Medizinstipendium im Landkreis Stipendiaten gesucht

Fünf Medizinstipendien schreibt der Landkreis Diepholz Jahr für Jahr aus. Die Stipendiaten bekommen monatlich 300 Euro und verpflichten sich, eine gewisse Zeit ihrer Ausbildung in unserer Region zu verbringen.
05.09.2022, 16:43
Lesedauer: 3 Min
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Stipendiaten gesucht
Von Micha Bustian

Landkreis Diepholz. Er ist der Erste. Der erste Absolvent des vom Landkreis Diepholz seit 2012 ausgeschriebenen Medizinstipendiatenprogramms. Für Landrat Cord Bockhop ist Jeyachandru Emanualyanus sogar "einer der aktivsten Stipendiaten, die wir jemals hatten". Und deshalb wurde er gebeten, auf die Zeit seiner Ausbildung zurückzuschauen. Der Grund dafür? Ein runder Geburtstag: zehn Jahre Stipendiatenprogramm für Humanmediziner.

Cord Bockhop unterstrich beim Pressetermin die Notwendigkeit, frühzeitig ärztlichen Nachwuchs für die Region zu gewinnen. Denn: Oftmals ziehe es junge Menschen zunächst in größere Städte. „Daher bieten wir bereits seit 2012 Stipendien an, um die Vorzüge unseres Landkreises für angehende Humanmediziner aufzuzeigen. Und die der vergangenen Jahre bestätigen uns darin.“ Diese Aufgabe dürfte in den kommenden Jahren noch wichtiger werden, denn 2028 geht das Zentralklinikum in Borwede in Betrieb – für Kreisrätin Ulrike Tammen versehen mit der "Faszination eines neuen Krankenhauses". Nicht nur, weil man sich dort ein gutes Netzwerk aufbauen könne, könnte es "tatsächlich ein Magnet" werden.

Doch zurück zu Jeyachandru Emanualyanus. Der hatte ausschließlich gute Erinnerungen an seine Zeit als Stipendiat. "Ich bin sogar im Bassumer Krankenhaus geboren", gab er mit einem strahlenden Lächeln zum Besten. Der in Barrien wohnhafte Mediziner war nur für die Zeit des Studiums in Marburg, sonst immer im nördlichen Landkreis Diepholz unterwegs. Der Tipp für das Stipendium sei ihm damals von einer Freundin zugetragen worden, so der 34-Jährige. Er brach eine Lanze für die Bassumer Klinik: "Da wird keine Schnellmedizin gemacht. Die Versorgungsqualität dort ist echt gut. Ich schicke meine Patienten immer gerne nach Bassum." Das kann er jetzt, wo er seine Facharztausbildung abgeschlossen hat, vermehrt tun.

Jährlich fünf Stipendiaten erhalten für die Dauer ihres gesamten Studiums eine Förderung von 300 Euro monatlich. Erfolgt das Studium im Ausland, werden weitere 150 Euro monatlich als Studiengebührenzuschuss gewährt, heißt es in einer Presseinformation. Im Gegenzug würden sich die Stipendiaten verpflichten, wenn möglich mindestens die Hälfte ihrer Facharztweiterbildung im Landkreis Diepholz zu absolvieren sowie für eine gewisse Zeit nach der Weiterbildung einer ärztlichen Tätigkeit in der Region nachzukommen. Seit 2012 hat der Landkreis Diepholz 27 Stipendien vergeben, aktuell sind 16 Stipendiaten im Förderprogramm. Acht Stipendiaten befinden sich zurzeit in der Facharztausbildung, einer hat diese bereits abgeschlossen: Jeyachandru Emanualyanus. 

Ein Ende dieser Förderungen scheint nicht in Sicht, denn im Landkreis Diepholz herrscht eine Unterversorgung in vielen Arztgruppen: Allgemeinmedizin, Urologie, Radiologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Nervenheilkunde, Chirurgie, Frauenheilkunde, Anästhesie oder auch Innere Medizin. Doch was geschieht, wenn der Stipendiat bemerkt, dass die Medizin nun noch nicht sein Beruf werden soll, wenn er im Stipendium die Ausbildung abbricht? Dann bestehe die Gelegenheit, das Fördergeld zurückzuzahlen, heißt es. 13 Stipendiaten nutzten bisher die Möglichkeit, sich aus dem Vertrag herauszukaufen. Wurden einige von besseren Möglichkeiten gelockt? "Überall wird abgeworben. Das ist ständiges Thema und findet auf jeder Ebene statt", sagt Cord Bockhop dazu. Und weiter: "Das schreckt uns nicht."

Vielleicht schreckt ja die Arbeitszeit potenzielle Bewerber? In Bereitschaft läuft eine Schicht von 14 bis 10 Uhr. 20 Stunden. "Find' ich in Ordnung", meint Jeyachandru Emanualyanus. Früher habe es sogar längere Schichten gegeben, bis zu 24 Stunden. Cord Bockhop indes macht dieses Thema schon nachdenklich. "Diese Beschäftigungsform ist nichts für die Ewigkeit. Und der Personalmangel macht es auch nicht besser." Der indes sei gar nicht so furchtbar, wie es sich manche ausmalen mögen, findet Marcel Heitmann. Der Verantwortliche in der Medizinalaufsicht im Landkreis Diepholz. Grundsätzlich sei ausreichend Personal angestellt worden, "in allen drei Krankenhäusern funktioniert der Betrieb". Das Coronavirus indes setze der Personaldecke in den Kliniken zu. "Bisher aber erhalten wir den Betrieb aufrecht."

Für Cord Bockhop ist die Motivation an den Kreis-Diepholzer Krankenhäusern "grundsätzlich gut". Die Rahmenbedingungen seien okay, junge Mitarbeiter würden gut mit einbezogen. Zwischendurch sei immer mal wieder Zeit für eine Pause. Generell sei der Beruf des Arztes nicht leicht, "aber das ist das Business. Es gibt immer mal wieder Tage, da denkt man: pfff!" Wie auch immer: "Wir brauchen mehr Menschen, die diese Ausbildung machen." Menschen wie Jeyachandru Emanualyanus.

Zur Sache

Fristen und Kontaktdaten

Ab sofort und noch bis zum 31. Oktober können sich Studierende der Humanmedizin im ersten, aber auch in höheren Semestern beim Landkreis Diepholz um ein Stipendium bewerben. Voraussetzung ist, dass die Ärzte in spe aus dem Landkreis Diepholz stammen oder einen Bezug zur Region haben. Nähere Informationen zum Stipendienprogramm und zum Bewerbungsverfahren gibt der Landkreis Diepholz im Internet unter www.diepholz.de (Stichwort: „Medizinstipendium“) sowie per E-Mail (medizinstipendium@diepholz.de) oder telefonisch unter 0 54 41 / 9 76 18 56.

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