Archiv Bruchhausen-Vilsen Mehr Anrufe, mehr Besuch, mehr Arbeit

131 Anrufe, 232 Besucher - Elisabeth Meyer hat im Archiv der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen viel Kontakt gehabt im Jahre 2018. Dafür sei allerdings andere Arbeit liegen geblieben, sagt sie.
06.03.2019, 09:08
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Mehr Anrufe, mehr Besuch, mehr Arbeit
Von Micha Bustian

Bruchhausen-Vilsen. Staub, alte Bücher, Staub, abgegriffene Folianten, Staub, zerknitterte Akten. Und noch mehr Staub. Archive haben in der Bevölkerung eher den Ruf von höchst selten genutzten abgeschlossenen Räumen mit zweifelhaftem Nutzwert. Elisabeth Meyer sieht das anders. „Alles in allem hat das Archiv in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen einen festen Stellenwert“, sagt die Archivarin. Und kann das auch mit Zahlen hinterlegen.

200 Archivbesuche wurden 2018 gezählt, 232 Menschen fanden den Weg dorthin. Die größte Gruppe: Heimatforscher. Der 800. Geburtstag des Klosters Heiligenberg habe diese Zahlen sicherlich begünstigt, meint Elisabeth Meyer. So statteten auch absolute Fachmänner wie Prof. Dr. Burghart Schmidt, Leiter der Universität Vechta, und sein Kollege Prof. Dr. Bernd Ulrich Hucker dem Samtgemeinde-Archiv im Rathaus Bruchhausen-Vilsen einen Besuch ab, aber auch ambitionierte Hobby-Historiker wie Hans-Jürgen Wachholz. Dazu kamen in 2018 unter anderem 38 Familienforscher, 26 Schüler und 20 Publizisten. 232 Menschen – das bedeutet, wenn man die Wochenenden abzieht, dass an jedem Werktag ein Gast durch das Archiv stromerte. Die Betreuung der Besucher „erfordert natürlich Zeit“, erzählt Elisabeth Meyer. Genauer: „Den Großteil meiner Arbeitszeit.“ Da auch noch die Zahl der Anrufe von 82 auf 131 stieg, bedeutet das: Anderes blieb liegen.

Das betrifft beispielsweise die Restaurierung von Schriftsätzen. So wurde die Restaurierung der Personenstandsbücher auch 2018 fortgesetzt. Die ersten Bücher stammen aus dem Jahr 1874. Sie werden häufig aus den Regalen geholt, weil Standesämter, Erbenermittler oder Familienforscher sie benötigen. Um die Werke zu schonen, werden inzwischen keine Kopien gefertigt, sondern nur noch Abschriften. Die zumeist ehrenamtlichen Mitarbeiter wie Karl Sandvoß, Karin Sommer, Hermann Hamann und Kerstin Mann haben inzwischen auch die Protokolle der Ratssitzungen von Lose-Blatt-Sammlungen in gebundene Bücher verwandelt. „Ohne sie würde ich manchmal nicht weiterkommen“, gibt Elisabeth Meyer zu. „Durch sie habe ich mehr Zeit für andere Aufgaben.“

13 153 Archivalien waren Ende 2018 registriert, 3475 davon waren Fotos. Insgesamt füllte das Material zu diesem Zeitpunkt 182 Regalmeter. Vor zehn Jahren waren das nur 74 Regalmeter. „Durch die laufende Verzeichnung übernommener Akten aus der Verwaltung und von Privatpersonen sowie weitere Bearbeitung der Schriftstücke aus dem Bestand von Heinrich Bomhoff hat der Bestand des Archivs an Akten, Urkunden Dokumenten und Fotos auch 2018 wieder zugenommen“, schreibt Elisabeth Meyer im Bericht.

Und natürlich kommen Jahr für Jahr neue Schätze hinzu. „So übergab die Familie Hennig aus Bruchhausen-Vilsen dem Archiv die beiden handschriftlich verfassten Bände einer Orts-Chronik von Bruchhausen-Vilsen, die von ihrem Großvater Friedrich Hoyer verfasst worden war“, erinnert sich Elisabeth Meyer. „Das sind zwei dicke Bände mit seinem persönlichen Rückblick. Das ist eine wichtige Quelle.“ Eine, die dem Archiv als Abschrift bereits vorlag. „Aber da haben sich viele Fehler eingeschlichen“, hat die Archivarin bemerkt. Deshalb sei sie froh, nun im Besitz der Originale zu sein. Meyer wirbt dafür, mehr historische Schriften im Archiv abzugeben. „Die würden sonst verschwinden.“

1388 Bücher und Broschüren führt das Samtgemeinde-Archiv in seinem Bestand, 386 mehr als vor zehn Jahren. „Eines der wichtigsten Aufgabengebiete des Archivs ist das Erschließen des übernommenen Archivgutes, um die Unterlagen für die Öffentlichkeit nutzbar zu machen“, erläutert Elisabeth Meyer. Besucher und Anfragen ließen dafür aber verhältnismäßig wenig Zeit. Doch man arbeite im Samtgemeinde-Archiv halt „nicht hinter verschlossenen Türen“. Die durch die Besucher entstehende Belastung sei erfreulich.

Zumal sie Geld in die Kassen des Archivs spült. 847 Euro und 25 Cent an Gebühren wurden 2018 eingenommen – erstaunlicherweise rund 150 Euro weniger als 2017. Abschriften und Recherchen werden für 2,50 Euro pro Tag angeboten. Das Archiv hat geöffnet am Montag und Donnerstag von 9 bis 12.30 Uhr und nach Vereinbarung, die unter 0 42 52 / 39 12 52 getroffen werden kann.

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