CDU-Kreisverband stimmt ab Mehrheit will Merz

Der CDU-Kreisverband hat sich mehrheitlich darauf festgelegt, beim neuen Parteivorsitzenden für Friedrich Merz zu stimmen. Die Delegierten sollen jetzt Folge leisten – ein einmaliger Vorgang.
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Mehrheit will Merz
Von Sebastian Kelm

Axel Knoerig nannte das ganze Verfahren ziemlich tiefstapelnd, andererseits doch recht hochgestochen einen „Willenskundgebungsprozess“. Kleinreden wollte er Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes Diepholz damit aber nicht, was diesem am Montagabend gelungen war. Denn die Mitglieder bestimmen zu lassen, für wen er und die beiden anderen Delegierten Heide Bergbauer-Hörig und Edith Heckmann bei der Wahl des neuen CDU-Parteivorsitzenden stimmen sollen, war ihm zufolge „bundesweit einmalig“. Knoerig: „Die Büros der drei Kandidaten haben mir das bestätigt.“

Übereinstimmend habe man sich im Vorstand darauf verständigt, sich am kommenden Freitag, 7. Dezember, beim mit Spannung erwarteten Parteitag in Hamburg nach der Meinung der insgesamt 1262 Christdemokraten im Kreis zu richten. 237 davon nutzten nun die Möglichkeit im Gasthaus Zur Post in Neubruchhausen, dem Trio ein Votum mit auf den Weg zu geben. Für diese Chance waren kürzlich noch 19 neue Mitglieder in die Partei eingetreten, darunter der ehemalige Leiter der Polizeiinspektion Diepholz, Bernd Kittelmann, wie Knoerig verriet. Wer sich bis zum 23. November angemeldet hatte, durfte an der Abstimmung teilnehmen. Und das Ergebnis fiel letzten Endes mehr als deutlich aus: 140 Mitglieder waren für den ehemaligen Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Friedrich Merz, 85 für die aktuelle Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer, zehn für Gesundheitsminister Jens Spahn.

Alle drei – wohlgemerkt nur die aussichtsreichsten – Kandidaten für das Amt hatten bei dieser Art eigener Regionalkonferenz kurz nach der in Bremen die Gelegenheit bekommen, sich den Kreisdiepholzern per Videobotschaft vorzustellen. „Sieben Minuten waren die Vorgabe“, so Knoerig. Diese deutlich überzogen hatte Merz, der mehr als acht Minuten darüber sprach, die „christliche, nationale Identität“ dürfe nicht länger verschwiegen werden, der „Anforderungen an Migranten“ formulierte und soziale Gerechtigkeit einforderte. Danach war Jens Spahn an der Reihe, der wiederum nur dreieinhalb Minuten brauchte, darin auf ein Treffen mit dem Landtagsabgeordneten Marcel Scharrelmann verwies und meinte, dessen Abschneiden bei der Wahl – gut 44 Prozent hatte er im Oktober 2017 erhalten – wäre auch für die CDU „wünschenswert“. Annegret Kramp-Karrenbauer eröffnete ihre 5 Minuten und 50 Sekunden mit der Ansprache ihrer „Freundinnen und Freunde“, nannte dann „Leidenschaft und Herzblut“ als ihre hervorstechenden Eigenschaften und führte ihre Wahlkampferfahrung „bei echtem, scharfen Gegenwind“ ins Feld.

Als ihr Fürsprecher gab sich Wilken Hartje, Kreislandwirt und Fraktionschef im Syker Stadtrat, zu erkennen. Sie sei eine „Fleißbiene“ und „nicht weniger konservativ, nicht weniger wirtschaftspolitisch“ als etwa Merz, warb er für die Saarländerin. Vergeblich. Denn bei den sonstigen Redebeiträgen deutete sich bereits eine Stimmungslage pro Merz an. So meinte Mario Pschunder aus Sulingen: „Wir werden uns nur mit Herrn Merz von der SPD abgrenzen können.“ Bernd-Artin Wessels aus Stuhr ging noch einen Schritt weiter: Er sehe nur einen, mit dem es gelingen könnte, Stimmen von der AfD zurück zu gewinnen – eben Friedrich Merz.

Elke Krebs aus dem gleichen Ortsverband hingegen sah eine andere Konkurrenz: „Die AfD liegt mir auch schwer im Magen. Aber für die mittlere Generation ist vor allem die Umwelt wichtig. Und wir haben viel an die Grünen verloren.“ Das könne noch mehr werden, mahnte sie, auch diesen Aspekt bei der Kandidatenkür zu berücksichtigen.

Maik Cording aus Wagenfeld, einer jeder Last-Minute-Neuzugänge, lobte die ehrliche Präsentation der Kandidaten: „Keiner hat mit Einhorn-Staub um sich geworfen.“ Der Stuhrer Frank Schröder, im Gegensatz dazu schon eine gefühlte Ewigkeit dabei, lobte vielmehr das Prozedere, bei dem er sich gut abgeholt fühle: „Heute bin ich glücklich, in der CDU zu sein.“

Mit der Omnipräsenz Annegret Kramp-Karrenbauers in einer kürzlich versendeten CDU-Broschüre zum neuen Grundsatzprogramm haderte derweil Wolfgang Griese aus Bruchhausen-Vilsen. Die sei fünfmal abgebildet, andere dafür gar nicht. „Ist das fair?“, fragte er in die Runde. Knoerig entgegnete, die Generalsekretärin habe unmittelbar nach Bekanntgabe ihrer Kandidatur derlei Aktivitäten zurückgefahren, tauche darin sicher nicht zu ihrem persönlichen Vorteil so oft mit ihrem Gesicht auf.

Um eine ging es bei alledem nur am Rande: Angela Merkel. Obwohl Axel Knoerig betont hatte, die Personalie des CDU-Vorsitzenden sei eben immer eng verbunden mit der Wahl des Bundeskanzlers. Er wollte die Verdienste der scheidenden Kanzlerin noch gewürdigt wissen: „Sie hat für Deutschland alles geleistet.“ Sein „Willenskundgebungsprozess“, er drehte sich aber um andere.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+