Meinung Keine Privatsache

Der Diskurs über häusliche Gewalt gehört viel mehr in die Öffentlichkeit. Es ist weder eine Privat- oder eine reine Frauensache. Es muss gesellschaftlich, politisch und geschlechterübergreifend gelöst werden.
05.10.2022, 13:51
Lesedauer: 1 Min
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Keine Privatsache
Von Ivonne Wolfgramm

20 Jahre Gewaltschutzgesetz – und dennoch wirft es so viele Fragen auf. Zunächst: Es ist richtig und wichtig, dass es solch ein Gesetz gibt, um Opfer vor Gewalt zu schützen. Vor dem Hintergrund, dass sich unsere Gesellschaft als modern und aufgeklärt sieht, sind 20 Jahre jedoch nichts. Vielmehr ist es beschämend, dass häusliche Gewalt erst vor zwei Jahrzehnten als Straftat eingestuft wurde. Übrigens: Erst fünf Jahre zuvor hatte der Bundestag die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe beschlossen.

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Noch beschämender ist es allerdings, dass es trotz des Straftatbestands keine flächendeckenden Hilfsangebote für Betroffene gibt; dass mehr Geld in die Folgekosten von häuslicher Gewalt gesteckt wird als in Präventions- und Beratungsangebote. Es erweckt vielmehr den Eindruck, als sei häusliche Gewalt noch immer ein Privatproblem: Es findet hinter verschlossenen Türen statt, also bleibt es hinter verschlossenen Türen. Immerhin sind Generationen unter diesem Gedanken erzogen worden.

Häusliche Gewalt ist auch keine reine Frauensache, so wie es oft dargestellt wird. Es betrifft alle Geschlechter. Denn jedes Geschlecht kann Opfer sein, jedes Geschlecht kann Täter sein. Egal in welcher Opfer-Täter-Konstellation – Gewalt gehört immer verurteilt und bestraft. Und auch darüber wird im öffentlichen Diskurs viel zu wenig gesprochen. Damit sich etwas ändert, muss das Thema der häuslichen Gewalt in all seinen Facetten angesprochen werden: gesellschaftlich, politisch, geschlechterübergreifend.

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