Ensemble Wortart

Musik, die unter die Haut geht

Ohne Instrumente, aber dafür mit viel Gefühl trat das Ensemble Wortart aus Berlin im Forum des Schulzentrums Bruchhausen-Vilsen auf. Peter Schmidt-Bormann war schon zur Pause hin und weg von dem Quartett
22.01.2019, 09:55
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Musik, die unter die Haut geht
Von Jürgen Juschkat
Musik, die unter die Haut geht

Aus Berlin ist es extra in den Luftkurort gereist, um die Zuschauer mit A-cappella-Musik zu verzaubern: das Ensemble Wortart.

Jonas Kako

Bruchhausen-Vilsen. Viel zu sagen hatte das Wortart Ensemble aus Berlin, doch auf eine besondere, eine musikalische Art. Beim Neujahrskonzert des Kultur- und Kunstvereins (KuK) Bruchhausen-Vilsen im Forum des Schulzentrums unterhielten und begeisterten die vier Interpreten die Besucher am Sonntag mit ihren A-cappella-Liedern.

Unter dem Motto „Lyrik trifft auf a-cappella“ präsentierte das Ensemble Wortart sein aktuelles Programm „Home Sweet Home – Lieder vom Kommen, Gehen und Bleiben“. Hanna Ginsburg mit ihrer Altstimme, Lars Ziegler in der Stimmlage Bass und Bariton, aber auch Lena Sundermeyer und Erik Leuthäuser ergänzten sich bei ihren Darbietungen so gut, dass der KuK-Vorsitzende Peter Schmidt-Bormann bereits zur Halbzeit gestand: „Ich bin hin und weg, die sind eine Klasse für sich.“

Den Kontakt zum Kulturverein aus Bruchhausen-Vilsen hatte das Quartett selbst hergestellt. „Es war mir bei Recherchen aufgefallen, dass es hier ein Kulturprogramm gibt. Wir haben schon in Amerika und Kanada international gespielt, sind aber auch schon in kleineren Orten aufgetreten“, berichtete Hannah Ginsburg. „Ich fand die Idee ganz gut“, erklärte KuK-Geschäftsführerin Jutta Filikowski. „Unser Programm hat klassische Anteile, doch von Jazz bis Rock-Pop wird alles das gespielt, was wir ausprobieren wollen“, fügte sie an. „Es ist etwas anderes, als bei einem Neujahrskonzert zum Beispiel ,An der schönen blauen Donau‘ zu hören“, zog eine Besucherin einen Vergleich.

Kaffee und Kuchen in der Pause

Das schon mehrfach ausgezeichnete Wortart Ensemble gibt es in anderer Besetzung schon länger. Hannah Ginsburg, Lena Sundermeyer und Lars Ziegler blieben schließlich übrig und fanden mit Erik Leuthäuser den perfekten vierten Mann fürs Quartett. „Das Ensemble hat seinen Platz im Spannungsfeld zwischen Musik und Sprache gefunden“, urteilte Schmidt-Bormann, der Besucher aus Syke, Hoya und der Umgebung registrierte. Zu hören waren Texte von Lyrikern unterschiedlicher Generationen und verschiedener Herkunft, die das Quartett über mehr als zehn Jahre vertont hat. Einige CDs wurden bereits aufgenommen – so im Mai vergangenen Jahrs das gleichnamige Album zum Programm „Home Sweet Home“.

Die Atmosphäre im Forum war gemütlich und konnte zwischen den Songs durchaus in die Kategorie Kaffeeklatsch bei Kerzenlicht eingestuft werden. In der Nähe zur einfachen Bühne standen mehrere runde Tische, auf denen die Geschäftsführerin zwischen Kaffeebechern und Kuchentellern zur Pause Kerzen anzündete. Dahinter boten reihenweise Stühle Platz an, doch nur wenige waren besetzt. „Das Wetter spielt mir nicht in die Karten“, bedauerte Jutta Filikowski die frostige Witterung. Doch wer gekommen war, der erlebte etwas Besonderes.

Die Musik ohne Instrumente ging unter die Haut und bot Entspannung pur. „Ich mag das sehr, obwohl diese Musik nicht ganz einfach zugänglich ist“, urteilte die KuK-Geschäftsführerin. Lena Sundermeyer („Lyrik ist Inspiration, Komposition ist Ausdruck und unsere Stimmen sind die Brücke nach außen“) gab den Zuhörern den Rat, sich entspannt zurückzulehnen und die Musik auf sich wirken zu lassen. Und dieses wurde nicht selten befolgt.

Die Interpreten hatten selbst Texte unter anderem von Rose Ausländer, Bertolt Brecht, Christoph Danne und Adel Karasholi vertont und sangen vom „Plötzlichen Land“ und interpretierten das Thema „Sprachfelder“ auf ihre Art. Im Text „Die Umarmung der Meridiane“ von Adel Karasholi wurde die Balance, die das Leben zwischen zwei Welten verlangt, ausgelotet.

Entspannung und Zufriedenheit

Die vier Interpreten machten sich aber auch „Gedanken über die Dauer des Exils“ sowie das Zuhause und die Heimat. Bei „Wenn wir bleiben könnten“ wurden zum Ende des Konzertes musikalisch die Glücksmomente bei einem Kuss deutlich. Dann leitete das Quartett zum vertonten Text „Zuhause“ über. Das Zuhause war an diesem Tag wie die Heimat irgendwie ein Stichwort. Obwohl einige Worte nicht ganz einfach zugänglich waren, nahmen die Zuhörer etwas mit auf den Heimweg: ein gewisses Gefühl der Entspannung und Zufriedenheit.

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