NDR dreht bei der Muselbahn

Museumsbahn Bruchhausen-Vilsen wird zum NDR-Drehort

Bruchhausen-Vilsen statt Sylt: Um ein historisches Ereignis auf der Insel nachzustellen, hat eine Filmcrew des NDR die Anlage des Deutschen Eisenbahn-Vereins genutzt.
26.09.2021, 15:15
Lesedauer: 2 Min
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Von Dagmar Voss

Bruchhausen-Vilsen. Damals, vor rund 150 Jahren, erfreuten sich die Insel Sylt und der aufstrebende Badeort Westerland immer größerer Beliebtheit. Nur die An- und Rückreise gestaltete sich etwas aufwendiger als heute: Nur per Dampfbahn und Dampfschiff, denn es gab noch keinen Hindenburgdamm. Wie der entstanden ist, wie er zu seinem Namen kam und welche Rolle dabei ein zweijähriges Mädchen spielte, darüber wird zurzeit eine Dokumentation mit dem Arbeitstitel „Das Blumenmädchen und der Damm“ gedreht – unter anderem jetzt in Bruchhausen-Vilsen.

Nun liegt ja der Luftkurort nicht gerade um die Ecke von Sylt – aber dort gibt es im Gegensatz zu Bruchhausen-Vilsen keine Dampfzüge mehr. Und die verkehrten noch, als die Fertigstellung dieses gut elf Kilometer langen Eisenbahndamms zwischen Klanxbüll auf dem schleswig-holsteinischen Festland und der Insel gefeiert wurde. Genau am 1. Juni 1927 war es nach vierjähriger Bauzeit so weit, dass anlässlich dieses großen Tages der damalige zweite Reichspräsident Paul von Hindenburg anreiste und gratulierte.

Also musste der zuständige Film-Regisseur Torsten Wacker das alles unter einen Hut bringen; in seiner Dokumentation hat er etliche Spielszenen vorgesehen, die ein großes Maß an Authentizität aufweisen müssen. Deshalb engagierte er für den Protagonisten Hindenburg den Schauspieler Charles Brauer (Tatort), dazu noch einige weitere Darsteller und rund 40 Komparsen. Hindenburg war schließlich einer der ersten Passagiere im Eröffnungszug vom Festlandbahnhof Klanxbüll nach Westerland auf Sylt.

Um das passende Ambiente kümmerte sich am Freitag der Museumseisenbahn-Verein. Der Vereinsvorsitzende, Wolf-Jobst Siedler, freute sich, dass sich ihre Anlage – mit Bahnhof, Loks, Waggons und Gleisen – als ideal dafür herausstellte: "Grund für die Auswahl des Drehortes bei der Museums-Eisenbahn war die herausragende Qualität der restaurierten Fahrzeuge, aber auch das authentische Erscheinungsbild der Bahnanlagen, die die Ehrenamtlichen des DEV über Jahrzehnte aufgebaut haben."

Bereits früh um fünf Uhr bereiteten Heizer Ralf Hormann und Lokführer Robert Angerhausen die "Hoya" für ihren Einsatz vor. Sie hängten etwa der Lok einige Wagen an, vornehmlich den mit Gardinen an den Fenstern. Den Zugführer für die Fahrten übernahm Siedler höchstpersönlich.

Charles Brauer kam mit seinen 86 Jahren, schwarzem Anzug und dickem Schnäuzer Hindenburg recht ähnlich – der war zur Eröffnung 1927 immerhin auch schon 80. Der Schauspieler sagt, dass sich die Schlüsselszene um ein historisches Foto dreht: „Da ist Hindenburg zu sehen, aus einem Abteilfenster vorgelehnt, wie er von einem kleinen Mädchen einen Blumenstrauß überreicht bekommt, das war die damals zweijährige Tochter des Sylter Pastors – heute ist sie 96 Jahre alt und noch munter.“

Produktionsleiter Alexander Müller-Elsner musste für den Dreh zahlreiche Aspekte berücksichtigen. Die Lok "Hoya" mit Anhang hatte für authentische Geräusche auf speziellen Wunsch des Tonmeisters Dirk Diedrich den Weg zum Heiligenberg einige Male zurückgelegt. Erst ging es um Aufnahmen im Inneren, später nochmal, um möglichst keine Autogeräusche dabei zu haben, nur das Schnaufen und Tuten der Lok.

Wahrscheinlich sah es schließlich am Bahnhof Broksen genauso aus wie damals: Oberbeleuchter Rolf, der mit 40-köpfigem Team für die Technik dabei war, ließ ein paar starke Scheinwerfer erstrahlen für eine möglichst sonnige Atmosphäre. Die Komparsen in ihren 20er-Jahre-Kostümen standen als Begrüßungspublikum auf einem historischen, geschmückten Flachwagen des DEV. Regisseur Wacker gab letzte Anweisungen an Unbeteiligte.

Da traute sich Müller-Elsner an ein kleines Seufzen, dass er hoffentlich an alles gedacht hatte: „Ab der ersten Klappe wird es richtig teuer, wenn ich da was vergessen haben sollte.“ Für Bruchhausen-Vilsen schien es aber doch ganz ordentlich zu sein.

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