75 Jahre WESER-KURIER

Ein Stück heile Welt

Der Norden vom Landkreis Diepholz ist ein Stück heile Welt. Neben viel Natur, großen Gärten und Einfamilienhäusern haben die Gemeinden und Städte dort aber auch noch einiges mehr zu bieten.
18.09.2020, 07:12
Lesedauer: 5 Min
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Von Esther Nöggerath und Micha Bustian

Denkt man an den Norden des Landkreises Diepholz, denken viele Menschen automatisch an den Bremer Speckgürtel. Und ganz unrecht haben sie damit ja nicht. Denn der Landkreis Diepholz liegt schließlich unmittelbar an der Landes- und Stadtgrenze von Bremen. Aber oft wird Gemeinden wie Weyhe und Stuhr nachgesagt, dass dort nicht viel passiert. Sie sind als die Orte verschrien, in welche die Leute, die in der Hansestadt arbeiten und feiern, zum Schlafen hinfahren. Und natürlich auch ihre Steuern bezahlen. Der wohlhabende Speckgürtel eben. Aber der Nordkreis von Diepholz hat noch viel mehr zu bieten als Einfamilienhäuser und große Gärten.

Der Diepholzer Nordkreis bietet nicht nur eine praktische Nähe zur Großstadt, sondern auch jede Menge von dem, was man sich vom Landleben wünscht: Kleinere Hofläden, in denen man Waren direkt vom Erzeuger kaufen kann, viel Grün und diverse idyllische Plätzchen, an denen man sich – nicht nur zuletzt durch die Folgen der Corona-Pandemie – gerne aufhält.

Mit einer der schönsten Orte in der Gemeinde Stuhr ist sicherlich das Areal rund um die alte Klostermühle in Heiligenrode; mitsamt Mühlenteich, Backhaus und Mühlenwiese. Vor allem das Zusammenspiel zwischen dem Mühlenensemble und der Natur dort, macht laut Viola Dahnken, Vorsitzende des Heimatvereins Heiligenrode, die Heiligenroder Ortsmitte als Ausflugsziel so beliebt. Dass der Stuhrer Ortsteil heute so ein Schmuckstück ist, hat er auch seiner Geschichte zu verdanken. 1182 wurde dort ein Benediktinerkloster gestiftet. Ein Überbleibsel dieser Geschichte finden Besucher in der Klosterkirche St. Marien aus dem 13. Jahrhundert, die in unmittelbarer Nähe zum Mühlenensemble liegt.

Altes Gut und neues Rock-Festival

Beliebt ist auch die Alte Weser im Weyher Ortsteil Dreye, die nah an der Grenze zu Bremen liegt. Die Alte Weser war früher einmal ein Flussarm der großen Weser und wurde in den 1960er-Jahren durch Sandabbau zu einem See erweitert. Gerne besucht wird das Fleckchen Natur mitsamt See nicht nur von Badegästen, sondern auch von Anglern. Die findet man aber natürlich auch direkt neben der Alten Weser rund um den Wieltsee, der auch von Wassersportlern genutzt wird.

Ein historisches Fleckchen, das bei Spaziergängern, Hochzeitsgästen sowie Veranstaltungsbesuchern gleichermaßen gefragt ist, ist auch das Gut Varrel in Stuhr, dessen Geschichte bis ins Jahr 1381 zurückreicht. Seit inzwischen 40 Jahren kümmert sich der Förderverein Gut Varrel darum, die historische Gutsanlage zu erhalten und zu pflegen. Seit 1982 nutzt die Gemeinde Stuhr die Räumlichkeiten dort außerdem für zahlreiche kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte.

Apropos Konzerte: Mit dem „Aufmucken gegen Rechts“ hat Weyhe auch ein großes Rock-Festival zu bieten. Bei der Veranstaltung gegen rechte Gesinnung und Gewalt sind bereits Gruppen wie Turbostaat oder die Antilopen Gang zu Gast gewesen. Insbesondere seit der Neuauflage und dem Umzug aufs Mühlenkampgelände 2018 hat das „Aufmucken“ eine große Anziehungskraft auf die Region entwickelt.

Je weiter südlich man sich im Diepholzer Nordkreis bewegt, umso unabhängiger von Bremen ist auch das Leben in den Kleinstädten und Dörfern wie etwa Syke. Der ehemalige Verwaltungssitz des Landkreises Grafschaft Hoya (bis 1974) hat beispielsweise sein eigenes Museum, sein eigenes Theater, sein eigenes Zentrum für zeitgenössische Kunst und demnächst sogar seinen eigenen Goldschatz. Denn der Goldhort, der im April 2011 bei Pipeline-Bauarbeiten in Gessel gefunden wurde, kehrt in diesem Oktober aus dem Niedersächsischen Landesmuseum in Hannover zurück und wird seinen Platz im extra dafür gebauten Neubau im Kreismuseum einnehmen. Eine Attraktion mehr für die Hachestadt, die ja immerhin schon die höchste Erhebung in Bremen und Umland zu bieten hat: den Hohen Berg. Von hier aus kann man bis 30 Kilometer weit sehen.

Touristisch mit am interessantesten ist wohl die Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen, die auch ein archäologisches Glanzlicht aufbietet. Die Ringwallanlage am Heiligenberg weist auf ein Prämonstratenserkloster aus dem 13. Jahrhundert hin. Inzwischen haben Wissenschaftler der Universität Halle auf einer Weide hinter dem Restaurant „Forsthaus“ erste Mauerstücke gefunden. Im Herbst soll weiter gegraben werden. Aber ganz ehrlich: Wer zum Spazieren gehen kommt, wird von der Natur derart entrückt sein, dass er für die Fundstücke unter der Erde eh keinen Sinn mehr hat. Ebenfalls einen Besuch Wert ist als Teil der Samtgemeinde auch der Flecken Bruchhausen-Vilsen, der einzige Luftkurort zwischen Bremen und Hannover. Der Vilser Ortskern rund um die St.-Cyriakus-Kirche ist entzückend, der Museumsbahnhof für Groß und Klein ein echter Knaller.

Weiter westlich liegen dicht beieinander Bassum und Twistringen. Auch Bassum hat sein eigenes Theater, die Bühne an der Mittelstraße. Die Lindenstadt hat in jüngster Vergangenheit viel für den Umweltschutz getan. In der mittelalterlichen Freudenburg haben bereits Johannes Oerding, Michael Patrick Kelly und Howard Carpendale, aber auch Alt-Stars wie Albert Hammond und die kanadische Band Saga Open Air aufgespielt. Ein echtes Alleinstellungsmerkmal: die Piazzetta. Das Kleinkunstfestival lockt Jahr für Jahr Tausende in den Ortskern. So etwas fehlt Twistringen zwar, aber die Hünenburg oder das schnucklige Zentrum um die riesige St.-Anna-Kirche sind Gründe, dort vorbeizuschauen. Herausragend ist allerdings das Strohmuseum, das die Hauptverdienstmöglichkeit aus der Vergangenheit beleuchtet: das Stroh. Twistringen ist zudem vorwiegend katholisch und wird ob seiner Vergangenheit mit der Schnapsherstellung für Bremen auch Brenndorf genannt. Der Norden des Landkreises Diepholz ist ein Stück heile Welt. Die Natur ist größtenteils sehr schön, auf den Feldern springen Rehe, die Gärten sind gepflegt, die Autos groß und gut geputzt. Und die Bevölkerung legt großen Wert auf Kunst, Theater und Musik. Bester Beweis: Selbst Dörfer wie Süstedt oder Wachendorf haben ihre eigene Kulturinitiative.

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Die Vielseitigkeit der Region zeigt sich in der Berichterstattung, die von Kommunalpolitik über Kultur und menschlichen Geschichten bis zum Sport reicht. Die REGIONALE RUNDSCHAU, die neben Landkreis-Themen vor allem über die Gemeinden Stuhr und Weyhe berichtet, gibt es bereits seit mehr als 40 Jahren. Das Büro der Lokalredaktion und die Geschäftsstelle liegen direkt am Brinkumer ZOB, an der Bassumer Straße 6 A. Der SYKER KURIER, der federführend für Syke, Bassum und Bruchhausen-Vilsen zuständig ist, hat seine Räume ebenfalls sehr zentral – in der Fußgängerzone von Syke an der Hauptstraße 10.

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Dieser Artikel ist Teil der Sonderveröffentlichung zum 75. Geburtstag des WESER-KURIER. Am 19. September 1945 erschien die erste Ausgabe unserer Zeitung. Anlässlich des Jubiläums blicken wir zurück auf die vergangenen Jahrzehnte: Erinnern uns an die Anfänge unserer Zeitung und auch an die ein oder andere Panne. Und wir schauen nach vorn: Wie werden Künstliche Intelligenz und der Einsatz von Algorithmen den Journalismus verändern? Natürlich denken wir auch an Sie, unsere Leser und Nutzer. Wer folgt unseren Social-Media-Kanälen, wer liest unsere Zeitung? Was ist aus den Menschen geworden, über die wir in den vergangenen Jahren berichtet haben? Und wie läuft er eigentlich ab, so ein Tag beim WESER-KURIER?

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