Plattdeutscher Lesewettbewerb

Familiärer Vorteil

Das Gymnasium Bruchhausen-Vilsen hat beim Plattdeutschen Lesewettbewerb der niedersächsischen Sparkassen gut abgeschnitten. Mit Linus Harries schaffte einer sogar den Sprung nach ganz oben. Landesweit.
13.07.2021, 16:31
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Familiärer Vorteil
Von Micha Bustian
Familiärer Vorteil

Ja, ist denn schon Weihnachten? Larissa Martini (von links), Leila Ehlers, Linus Harries und Lina Blome erhielten beim Plattdeutschen Lesewettbewerb Preise.

Michael Galian

Bruchhausen-Vilsen. Voller Saal in der Syker Kreissparkasse (KSK), Klassenkameraden, Lehrer und auch ein paar Eltern lauschen hingebungsvoll den plattdeutschen Worten, die ihr Mitschüler, Schützling oder Kind vom Blatt abliest. Großer Applaus am Ende jedes Vortrags. So war es einmal. Wegen der Corona-Pandemie wurde der plattdeutsche Lesewettbewerb der KSK diesmal digital ausgetragen. Eine Jury gab es dennoch. Und die sah Linus Harries vom Gymnasium Bruchhausen-Vilsen kürzlich auf Landesebene ganz vorn.

Der Achtklässler ist einer der wenigen Jugendlichen, die in der Familie noch Plattdeutsch sprechen. "Wir schnacken regelmäßig auf Platt", bestätigt Linus Harries. Zudem habe sein Vater geschäftlich einige Kunden älteren Semesters. "Die sprechen häufig Plattdeutsch." Zudem wird, wenn Linus mit seinem Papa spät im Auto unterwegs ist, auch mal ein plattdeutsches Hörspiel angeschaltet. Dieses Umfeld zahlt sich zumindest beim plattdeutschen Lesewettbewerb aus. Vor zwei Jahren hat Linus den Wettstreit bereits gewonnen. Jetzt wiederholte er seinen Triumph, lag sowohl auf Kreis- als auch auch Landesebene vorn. Gewohnheit? "Ja, kann man fast so sagen", sagt der Gymnasiast mit einem Schmunzeln. Klar: An Geschenk, Gutschein, Urkunde und je 50 Euro von der KSK und der niedersächsischen Sparkassenstiftung gewöhnt man sich gerne und schnell.

Wobei das Gymnasium Bruchhausen-Vilsen landkreisweit ohnehin eine Bastion der niederdeutschen Sprache zu sein scheint. Denn: Auf Kreisebene stellte es neben Linus Harries mit Leila Ehlers eine weitere Siegerin, darüber hinaus belegte Larissa Martini Rang zwei und Lina Blome Platz drei.

Fünftklässlerin Leila – von der KSK mit Präsent, Gutschein und 50 Euro belohnt – las eine Geschichte aus ihrer Region vor: "De Behlmer Hochtiedsmöhlen". In der Tat gibt es die Behlmer Hochzeitsmühle, sie liegt sogar im Gebiet der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen. Dennoch war es eine von zehn Geschichten, die zum Wettstreit angeboten worden waren. "Mein Vater spricht Plattdeutsch", erklärt die junge Dame, woher ihr Talent kommen könnte. "Ich habe vorher nie Platt gesprochen, deshalb war ich auch unheimlich stolz auf meinen Preis. Ich hätte nie gedacht, dass ich gewinne." Regelmäßiges Plattschnacken sei in ihrer Familie bereits öfter versucht worden, "wir vergessen das immer".

Larissa Martini, siebte Klasse, ist über ihre Großeltern an die niederdeutsche Sprache gekommen. "Ich habe vorher schon viel gehört. Und vor dem Wettbewerb habe ich mit meiner Mutter geübt." Lina Blome, Jahrgang sechs, kennt Plattdeutsch auch von Oma und Opa.

Für das Gymnasium hatten Andrea Homann und Dennis Landt vom KSK-Marketing noch einen Scheck über 350 Euro mitgebracht. Schulleiterin Lisa Peitzmeier-Stoffregen war die Freude darüber deutlich anzusehen. "Wenn ich einen Vorschlag machen darf: Ich würde das Geld in Bücher investieren." Bücher für einen gerade entstehenden Büchertauschturm, " eine offene Tauschbörse". Die Schuler sollen dort Literatur entnehmen und selber auch welche hineinstellen können. Dafür würde die Direktorin gerne "aktuelle Sachen anschaffen". Zum Start des kommenden Schuljahrs soll der Turm aufgefüllt sein.

Womit? Da hatte Lisa Peitzmeier-Stoffregen, die die Verdienste von Lehrerin Insa Büscher-Kapitula und Bibliothekarin mehrfach erwähnte, ja gleich Experten an der Hand. "Alea Aquarius" wurde ihr empfohlen, dazu "Die drei Fragezeichen" oder "Die Glücksbäckerei". Und natürlich "Harry Potter". Mit dem Zusatz von Linus Harries: "Den gibt's auch auf Plattdeutsch."

Zur Sache

Plattdeutscher Lesewettbewerb: Zahlen und Fakten

277 Einsendungen hatte die Jury des Plattdeutschen Lesewettbewerbs auf Landesebene zu bewerten, 32 Beiträge wurden prämiert. Allerdings nicht in Hannover, sondern im virtuellen Raum. 

"Die Resonanz war überwältigend", heißt es vonseiten der niedersächsischen Sparkassenstiftung. Dies sei "ein eindrucksvoller Beleg, wie fest verankert das Plattdeutsche in den niedersächsischen Schulen ist". Trotz des Coronavirus beteiligten sich am Lesewettbewerb mehr als 2000 Schülerinnen und Schüler aus allen Regionen Niedersachsens. 93 Grundschulen und 47 weiterführende Schulen waren beteiligt.

Alle zwei Jahre findet der Plattdeutsche Lesewettbewerb statt, 2021 wurde coronabedingt Neuland betreten: Statt der aufeinander aufbauenden Schul-, Kreis- und Bezirksentscheide mit abschließendem Landesentscheid waren die Schulen in diesem Jahr aufgerufen, intern in fünf Altersgruppen Schulsieger zu ermitteln, deren Lesebeiträge aufzunehmen und diese bis zum 1. Juni digital einzureichen. Das Gymnasium Bruchhausen-Vilsen nutzte dafür die Plattform "Teams". 

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