„Fridays For Future“

Respekt von den Alten

Tausende trafen sich am Freitag im Bremen zur Demonstration „Fridays For Future“. In Bruchhausen-Vilsen demonstrierte Peter Henze. Und zwar seine Solidarität zu den Jugendlichen.
16.03.2019, 10:19
Lesedauer: 2 Min
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Von Bärbel Rädisch
Respekt von den Alten

Mit einem fängt es an: Bei der Demo "Fridays For Future" in Bruchhausen-Vilsen blieb Peter Henze alleine.

Vasil Dinev

Bruchhausen-Vilsen. „Da sitzt einer mit Pappschildern vorm Rathaus“, ist Fachbereichsleiter Volker Kammann kurz nach 11 Uhr am Freitag von einer Mitarbeiterin mitgeteilt worden. Prompt sah er dann auch mal nach dem Rechten. Peter Henze vom Verein Land und Kunst in Asendorf ist für ihn allerdings einer, den er kennt. „Und was tun wir?“, stand auf einem seiner Schilder. „Ich will als Oldie den Schülern und Studenten, die seit kurzer Zeit freitags landauf, landab für einen grundsätzlichen Wandel unserer Lebensweisen zum Schutz des Klimas demonstrieren, meine Solidarität bezeugen.“ An diesem Freitag gingen in 105 Ländern wieder Schüler statt in ihre Klassen in die Öffentlichkeit, um den Begriff „Fridays For Future“ ins Bewusstsein zu rücken.

Der Klimawandel kann nicht mehr geleugnet werden. Davon wollen sie mehr Menschen überzeugen. Was die Schwedin Greta Thunberg anstieß, hat inzwischen Kreise gezogen, die sie sich selbst wohl nicht erträumt hat. Sie ist schon für den Friedensnobelpreis im Gespräch. Peter Henze sagte: „Jahrzehnte haben die sogenannten 68er darauf gewartet, dass sich Jugendliche engagieren und auf die Straße gehen für etwas, das ihre eigenen Bedürfnisse überschreitet. Das verdient Respekt, auch von den Alten. Deswegen bin ich heute hier.“ Sein Aufruf „Oldies an Eure Seite“ auf einem zweiten Plakat drückt aus, die Jungen nicht alleine kämpfen zu lassen. „Auch in den ländlichen Kommunen und hier bei uns in der Samtgemeinde braucht die Jugend Unterstützung. Unsere hiesigen Volksvertreter sind aufgefordert, nicht nachzulassen, Konzepte zu entwerfen zur Klimaverbesserung. Vor allem solche Entwürfe dann konkret umzusetzen. Greta Thunberg begann allein. Jetzt folgen ihr Hunderttausende. Ich werde weitere Aktionen initiieren und hoffe auf ideenreiche Mitstreiter.“

Wie reagierten Bürger, die ins Rathaus gingen auf den im Nieselregen sitzenden Demonstranten? Ein junger Mann mit Autokennzeichen unterm Arm antwortete auf die Frage, was er von der Aktion der Schwedin Greta Thunberg hielte: „Davon habe ich nicht viel gehört. Ja, dass Donald Trump die Klimaprobleme in Abrede stellt schon und das finde ich unmöglich.“ Eine Zwölfjährige nickte, als sie den Namen der Schwedin hörte. Die Meinung eines älteren Herrn: „Wäre ich Schüler, würde ich auch freitags demonstrieren. Das ist doch ein toller Trick“, grinste er und stieg aufs Rad. Volker Kammann sagte: „Meine Tochter lehnt es ab, während der Unterrichtszeit zu demonstrieren. Sie kann sich aber durchaus vorstellen, mit Klassenkameraden nachmittags für das Thema auf die Straße zu gehen.“

Eine Gruppe Gymnasiasten, die sich beim gegenüberliegenden Discounter mit Pausensnacks versorgte, erzählte, dass sich einige Mitschüler frei geben ließen, um in Bremen an einer Demo zum Klimaschutz teilzunehmen. „Nein, über Klimaschutz auch im Zusammenhang mit den weltweiten Demonstrationen wurde im Unterricht noch nicht gesprochen“, war von einer Oberschülerin, die des Weges kam, zu erfahren. Ein Vorschlag Peter Henzes wäre: „Die Schulen könnten doch an einem beliebigen Freitag einmal in sämtlichen Fächern, ob Geografie, Deutsch, Biologie oder Mathe über den Klimawandel sprechen. Da ist dann nicht die Rede von Schule schwänzen, wie es manche Erwachsene interpretieren."

Eine vorbeifahrende Autofahrerin, hielt in dem Moment kurz an, kurbelte das Fenster herunter, hob den Daumen und rief: „Richtig, was Sie machen.“ Ermutigend findet Peter Henze, dass die Wissenschaftler auf der gerade stattfindenden Klimakonferenz in Nairobi den neuen Slogan „Parents For Future“ kreiert haben, um die Eltern der jugendlichen Demonstranten mit ins Boot zu holen.

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