Rosenfest am Heiligenberg

Der Anfang ist gemacht

Die Vorsicht und das Wetter hielten viele vom Besuch des Rosenfestes am Heiligenberg ab. Das Resümee für die erste größere Veranstaltung unter Corona-Bedingungen fällt dementsprechend gemischt aus.
05.07.2020, 16:56
Lesedauer: 3 Min
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Von Bärbel Rädisch
Der Anfang ist gemacht

Um Pflanzen für den Garten zu kaufen, schätzen viele Besucher das Rosenfest.

Vasil Dinev

Bruchhausen-Vilsen. Ein Rosenfest wie in den Jahren zuvor ist es nicht auf dem Heiligenberg. Das fällt schon beim Blick auf die parkenden Autos auf. Überwiegend DH-Kennzeichen sind zu sehen. Zwar sind Nienburg, Verden und Vechta vertreten, die weiteste Anreise hatten an diesem Sonnabendnachmittag anscheinend Besucher aus Delmenhorst und Bremen. Covid-19 zwingt Besuchern und Anbietern bisher nicht dagewesene Regeln auf. „Aber wir sind unglaublich froh, dass mit dem Rosenfest nach so vielen Monaten des Stillstands wieder ein Anfang gemacht werden konnte“, sagt Projektleiterin Ulla Hiltafski von der Home & Garden Event GmbH. Ganz unterschiedlich fallen die Meinungen der Rosenfestbesucher und der Anbieter aus.

Das Angebot der über 80 Händler ist breit gefächert – wie bei früheren Rosenfesten. Pflanzen, Rosen, Blumenzwiebeln, Dekoratives für Garten, Balkon und Heim, Kleidsames von Kopf bis Fuß, Leckereien, Alkoholisches und Handfestes für den Magen stehen zur Wahl. Zu unterschiedlichen Speiseangeboten laden Caterer ein. Bei der Timm Garten-Baumschule aus Reppenstedt lässt eine Dörverdenerin die Blicke über das überaus große Sortiment an Hortensien schweifen. Manche der Blütenköpfe haben Tellerumfang, andere prangen in besonderen Farbnuancen. Die Interessentin entscheidet sich für eine hellblaue Neuzüchtung mit ausgefransten Blüten. „Ja, ich bin mit der Absicht hergekommen, etwas für den Garten zu kaufen“, sagt sie. Deswegen machten sich auch zwei Freundinnen aus Bremen auf den Weg. Die eine hat schon eine eiserne Rankhilfe gekauft, die andere holt ihre zurückgestellte Hortensie Annabell ab. „Ganz ungewöhnlich ist in diesem Jahr, dass kein Gedränge herrscht. Das hat auch etwas für sich“, ist die Meinung der beiden.

„Der eingeschränkte Publikumsverkehr wegen der Pandemie ist eklatant“, stöhnt hingegen ein Händler der Hüte und Schönes zu Dekorationszwecken anbietet. „Auch kommen die Leute überwiegend, um zu schauen. Von Kauflust spüre ich wenig.“ Dem schließt sich ein anderer an. Er bietet neben Dingen fürs Heim Kleider, Schals und Tücher an. „Ich bin froh, wenn ich die Standmiete erwirtschafte.“ „Mir gefällt besser, wenn der Laden brummt“, sagt die junge Verkäuferin am Stand mit Blumenzwiebeln und Knollen. „Bei so wenig Betrieb vergeht die Zeit gar nicht.“

Der Wettergott lässt es zwar nicht vom dunkler werdenden Himmel regnen, aber ein heftiger Windstoß fegt mal eben die Aufsteller von den Lavasteintischen der Lembrucher Firma Kreativ-Design Stella. „Wir sind erstmalig auf dem Heiligenberg und bieten unser Produkt an. Kundengespräche, Beratung und Vorschläge für individuelle Gestaltung unserer eher hochpreisigen Tische sind Voraussetzung, dass gekauft wird. Die Entscheidung wird meist erst einmal 'überschlafen'“, sagt Bettina Stella lachend. „Direkt während der Ausstellung wird selten gekauft. Wir warten ab, was sich nach dem Rosenfest ergibt.“ Darauf hofft auch Clemens Gast von der Firma Inselfeuer mit seinen brennenden Steinen. Aus Obernkirchener Sandstein sind seine um die 400 Euro teuren Gartenfackeln gemeißelt. „Sie brennen selbst bei Wind und Regen. Jede Fackel ist ein Unikat. Eine mit Bioethanol gefüllte Büchse wird in eine Vertiefung eingelassen und das Feuer brennt rauch- und aschefrei“, erklärt er.

„Sehr schade, dass die Modenschau nicht stattfinden durfte“, findet man bei „Wesenskleider“. „Die Zuschauer hätte man auch mit Einhaltung der Abstandsregeln platzieren können.“ „Kommen Sie, probieren Sie“, animiert Michael Keller von Goufrais ein paar Meter weiter die Vorbeischlendernden und lüftet die Haube über den Pralinen. Wie kleine Topfkuchen sieht das mit Kakao überpuderte Konfekt aus. „Im Kühlschrank gelagert, entfaltet sich der Schmelz auf der Zunge zu einem Geschmackserlebnis“, lockt er. „Wir kommen aus Weil am Rhein, sind zum ersten Mal hier und außerordentlich zufrieden mit dem Verkauf“, lautet sein Resümee nach zwei Tagen. „Abgerechnet wird immer zum Schluss“, heißt es aber allgemein zurückhaltend. Die Bilanz des Veranstalters, der Standbetreiber und Caterer: „Der Anfang für eine größere Veranstaltung ist gemacht. Viele Besucher kamen aus Vorsichtsgründen nicht. Bleibt nur die Hoffnung auf recht baldige Normalisierung.“

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