Sturmtief „Sabine“ im Landkreis Diepholz Ruhiger als erwartet

Auch im Norden es Landkreises Diepholz hat Sturmtief „Sabine“ seine Spuren hinterlassen. Allerdings gab es weniger Einsätze als erwartet.
10.02.2020, 19:15
Lesedauer: 4 Min
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Von Micha Bustian und Sarah Essing

Landkreis Diepholz. Es war ein stürmischer Wochenbeginn – im wahrsten Sinne des Wortes. Das Sturmtief „Sabine“ hat die Feuerwehren im Landkreis Diepholz mit Böen von bis zu 130 Stundenkilometern auf Trab gehalten. Galopp war indes nicht nötig, denn die meisten Einsätze erforderten nicht viel Aufwand. Trotzdem registrierte die Kreisfeuerwehr Diepholz rund 130 Einsätze im Landkreis, wie deren Sprecher Matthias Thom berichtet. „Am meisten betroffen waren die Nordkreiskommunen“, sagt er. Im Verlauf der Nacht seien die Meldungen dann „stark“ zurückgegangen. Nur noch etwa 15 Einsätze mussten laut Thom abgearbeitet werden. So sah es in den Gemeinden aus:

Syke: „Relativ glimpflich“ kam Syke davon, teilt Feuerwehrpressesprecher Torben Schmidt mit. Von Sonnabendabend bis Montagmorgen um 11 Uhr hatten die Syker Wehren 16 Einsätze zu absolvieren. Sturmtief Sabine fegte dabei vor allem durch das Stadtgebiet Syke, aber auch die Ortschaften Gessel-Ristedt, Gödestorf und Wachendorf waren betroffen. Dabei kam auch die Drehleiter zum Einsatz, mit deren Hilfe viele Sturmschäden – vor allem in Form von gebrochenen Ästen – in größeren Höhen beseitigt werden konnten, so Schmidt weiter. Den gravierendsten Einsatz hatte die Feuerwehr Gessel-Ristedt am Sonntag gegen 17.40 Uhr zu absolvieren. Ein Baum war auf die Gasleitung eines Flüssigtanks gefallen. Die Einsatzkräfte stellten die Gasleitung ab und entfernten den Baum. Am Sonntagabend wurde zudem eine örtliche Befehlsstelle im Feuerwehrhaus Syke eingerichtet. Von dort aus wurde die steigende Anzahl von Notrufen koordiniert, um die Leitstelle in Diepholz zu entlasten.

Bassum: Weniger als erwartet waren auch die Ortswehren der Stadt Bassum unterwegs. Sie hatten am Sonntag 13 Sturmeinsätze zu verzeichnen, teilt Feuerwehrsprecher Dennis Heuermann mit. Vom Gerätehaus Bassum, wo eine Befehlsstelle eingerichtet worden war, wurden die Feuerwehren Bassum, Eschenhausen, Bramstedt, Neubruchhausen, Wedehorn und Nordwohlde zu den Einsätzen geschickt. Dabei habe es sich um typische Sturmeinsätze gehandelt, bei denen hauptsächlich umgekippte Bäume oder abgebrochene Äste von Straßen beseitigt werden mussten, so Heuermann weiter. Im Verlauf der Nacht kam es dann nur noch vereinzelt zu Einsätzen.

Twistringen: Hier gab es laut Feuerwehrpressesprecher Jens Meyer vier kleinere Einsätze am Sonntag zu verzeichnen. Gegen 13.30 Uhr wurde die Ortsfeuerwehr Twistringen über Pieper zu einem umgestürzten Baum an die Kreuzung Am Markt/Große Straße gerufen. Den hatten aber Anwohner oder Passanten bereits entfernt, als die Blauröcke anrückten. Auf dem Rückweg leistete die Truppe Unterstützung bei der Bergung eines Bauzaunes an der Kirchstraße. In der Bahnhofstraße war ebenfalls ein Bauzaun umgestürzt. Dieser blockierte den Fußweg und wurde von den Feuerwehrleuten geborgen. Am frühen Abend wurde dann ein umgestürzter Baum in Borwede gemeldet, der in Höhe der Abzweigung nach Ridderade den Radweg blockierte. Gegen 23 Uhr beseitigte die Ortswehr Rüssen in der Nähe des dortigen Feuerwehrhauses eine umgestürzte Birke. Die Führungskräfte aller Ortswehren hatten eine Befehlsstelle im Feuerwehrhaus Twistringen eingerichtet, von wo aus die Einsätze koordiniert werden sollten. Es gab Bereitschaften in Twistringen und Heiligenloh, in den Ortsteilen hielten sich die Ortsbrandmeister und ihre Stellvertreter einsatzbereit, um bei Bedarf telefonisch eine Mannschaft zusammenzustellen. Gegen 21.30 Uhr wurden die Bereitschaften und die Befehlsstelle aufgelöst. Der Montag blieb ruhig.

Bruchhausen-Vilsen: Als die Brandbekämpfer in und um den Luftkurort dachten, das Schlimmste wäre überstanden, da wurde die Ortswehr Bruchhausen-Vilsen am Montag um 5.38 Uhr erneut alarmiert. Ein umgefallener Baum versperrte eine Straße, sodass diese über 20 Minuten für die Aufräumarbeiten gesperrt werden musste. Das teilte Detlef Wessels, Pressewart der Ortsfeuerwehr Bruchhausen-Vilsen, mit. Bereits am Sonntag um 16 Uhr waren alle zehn Ortswehren der Samtgemeinde vorsorglich alarmiert worden. Da waren bereits erste Schäden gemeldet worden. Bis 23.30 Uhr gingen laut Cord Brinker hauptsächlich Meldungen über umgestürzte Bäume ein, insgesamt 18 Alarmierungen. Etwa 80 Einsatzkräfte befanden sich nahezu im Dauereinsatz. So auch in Engeln, wo die Ortswehr zwei Bäume auf der Straße Am Hittloger Moor und auf der Straße Am Lendenbach wegräumen musste.

Unter Leitung von Gemeindebrandmeister Michael Ullmann wurde ein kleines Lagezentrum bei der Ortswehr Bruchhausen-Vilsen eingerichtet. Vielfach hatten sich die Feuerwehrkameraden in den Gerätehäusern eingefunden, um schnell reagieren zu können.

Weyhe: Die Anzahl von sechs Einsätzen, die am vergangenen Sonntag und Montag für die Feuerwehren in Weyhe anfielen, ordnet Sprecher Steffen Wohlers in eine „relativ entspannte“ Lage angesichts der vorherigen Orkan-Prognose ein. „Es ist nicht einmal in jedem der Ortsteile etwas vorgefallen“, sagte er auf Nachfrage. Auswirkungen von „Sabine“ waren „deutlich zu spüren, aber okay“. Als das technisch aufwendigste nannte er den Fall eines umgestürzten Baumes am Kirchdamm in Kirchweyhe, der auf dem Anbau eines Hauses landete. Auch die Bäume rechts und links des Hauses waren durch den Sturm entwurzelt worden und hatten Schräglage. Sie mussten am Sonntag gegen 18.13 Uhr via Drehleiter Stück für Stück abgetragen werden.

Den Anfang machte die Beseitigung des ersten Sturmschadens gegen 17.24 Uhr in Leeste Am Weidufer/An der Weide. Gegen 18.15 Uhr musste am Lerchenweg in Lahausen ein dicker Ast entfernt werden, der auf die Straße zu fallen drohte.

Um 18.25 Uhr wurde aufgrund der zu erwartenden Einsätze die Einsatzleitung Ort (Elo) als Befehlsstelle mit dem Einsatzleitwagen im Feuerwehrhaus Leeste eingerichtet, teilt die Feuerwehr mit. Der Vorteil ist: Die Einsätze können koordiniert werden, sagt Wohlers. Und sie können nach Priorität sortiert werden. Die Elo dient auch dazu, die Leitstelle in Diepholz zu unterstützen beziehungsweise zu entlasten. Später am Abend, gegen 21.30 Uhr, musste erneut ein umgestürzter Baum Am Weidufer in Kirchweyhe beiseite geschafft werden, der einen Radweg blockierte. Derselbe Fall ereignete sich später gegen 23.30 Uhr im selben Ortsteil. Dabei kam eine Kettensäge zum Einsatz.

Auch am Montag war es mit den Einsätzen nicht vorbei. Am Ginsterweg im Ortsteil Jeebel war ein etwa zehn Meter großer Baum über Straße und Hecke in einen Garten gefallen, den die Feuerwehrleute beseitigten, wieder mit einer Kettensäge. Noch am Montagmittag drohte ein vom Sturm zerstörtes Werbeschild an der Kirchweyher Straße in Kirchweyhe zu fallen und wurde deshalb demontiert.

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