Spargelhof Thiermann in Kirchdorf

Sicherheitsdienst soll für Einhaltung der Corona-Auflagen sorgen

Nachdem Mitarbeiter des Spargelhofs Thiermann gegen die Quarantäneauflagen verstoßen haben, hat der Betrieb einen Sicherheitsdienst rund um die Uhr beauftragt. Auch seitens des Landkreises wird kontrolliert.
06.05.2021, 18:00
Lesedauer: 4 Min
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Sicherheitsdienst soll für Einhaltung der Corona-Auflagen sorgen
Von Esther Nöggerath

Landkreis Diepholz. 120 bestätigte Corona-Fälle gibt es bisher unter den Mitarbeitern des Spargelhofs Thiermann in Kirchdorf. Am Donnerstag erfolgte nun eine weitere Reihentestung auf das Coronavirus unter den restlichen 891 Mitarbeitern, die bislang ein negatives Testergebnis haben.

Diese befinden sich derzeit in einer Arbeitsquarantäne, sind also in häuslicher Absonderung mit Ausnahme der Wahrnehmung der beruflichen Tätigkeit. Doch offenbar haben sich nicht alle der Betroffenen auch an die Quarantäne gehalten. Denn, wie berichtet, waren am Montagnachmittag mehrere der Saisonarbeiter trotz Quarantäne in Asendorf einkaufen gegangen.

Der Spargelhof hat nun entsprechend reagiert. „Unser Sicherheitsdienst ist jetzt 24 Stunden im Einsatz“, erklärte Anke Meyer, Sprecherin des Hofs Thiermann. Dieser kontrolliere die Einhaltung der Quarantäne in den Unterkünften der Mitarbeiter. Bereits zu Beginn der Saison, als die Erntehelfer angereist sind, mussten sie laut Meyer zunächst 14 Tage in Arbeitsquarantäne. Auch damals setzte der landwirtschaftliche Betrieb bereits einen Sicherheitsdienst ein - allerdings nur abends. Nach dem Vorfall in Asendorf wurde dieser Einsatz nun ausgeweitet. „Die Unterkünfte werden in enger Absprache mit dem Betrieb überwacht“, heißt es auch seitens des Landkreises Diepholz. Darüber hinaus würden auch regelmäßig Kontrollen durch die Ordnungsbehörden und die Polizei erfolgen.

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Bereits im März 2020 hat der Spargelhof nach eigenen Angaben in enger Abstimmung mit der Berufsgenossenschaft, dem Betriebsarzt und weiteren Behörden ein umfassendes Hygienekonzept eingeführt. Unter anderem umfasst dies auch die Durchführung von Schnelltests. Durch präventive Schnelltests waren auch die ersten Infektionen dem Betrieb zufolge entdeckt worden. „Wir haben auch gleich von Anfang an ausreichend Masken zur Verfügung gestellt“, betonte Meyer. Auch in den Bussen, in denen die Mitarbeiter zur Arbeit gefahren werden, müssen die Masken getragen werden. „Es hängen dort überall Schilder im Bus und auch der Busfahrer ist angehalten, das immer wieder zu kontrollieren“, erklärte die Thiermann-Sprecherin. Der ein oder andere Erntehelfer habe aber vielleicht mal etwas getrunken oder gegessen und dafür seine Maske abgenommen. „Aber auf die Einhaltung wird jetzt ganz strikt geachtet“, betonte Meyer. „Das ist ja auch in unser aller Interesse.“ Sollte sich dennoch einer der Saisonarbeiter nicht an die Auflagen halten, würden ihm auch Sanktionen seitens des Betriebs drohen.

Dem Landkreis Diepholz liegen verschiedene Hinweise zu Verstößen gegen Quarantäneauflagen und Maskenpflichten vor. Der Verwaltung werde teilweise sogar Bildmaterial zu möglichen Verstößen gegen die Corona-Verordnung zur Verfügung gestellt, wie Landkreis-Sprecherin Mareike Rein mitteilte. Wenn dabei jedoch Saisonarbeiter bei der Arbeit auf dem Feld ohne Maske zu sehen seien, sei dies „an der frischen Luft“ durchaus zulässig, wenn der Abstand entsprechend eingehalten wird. „Auch anderen Hinweisen wird nachgegangen“, betonte Rein. Hilfreich seien dabei insbesondere „zeitnahe Hinweise und Informationen mit konkreten Zeit- und Ortsangaben sowie Detailangaben zu den Personen oder den Fahrzeugen“.

Bei den Verstößen unterscheidet der Landkreis zwischen „dem Fehlverhalten im Arbeitsbereich mit Verantwortung der Arbeitnehmer und des Arbeitgebers“ und dem „Fehlverhalten der Arbeitnehmer im Privatbereich“. „Generell werden bei der Feststellung von Verstößen entsprechende Bußgeldverfahren gegen die Personen, die den Verstoß begangen haben, geprüft und eingeleitet“, erklärte die Landkreis-Sprecherin. „Auflagen im Arbeitsbereich lassen sich sehr gut und engmaschig begleiten und überprüfen.“ Der Landkreis stehe auch in engem Austausch mit dem Betrieb, um für die Einhaltung der Quarantäne- und Hygieneauflagen zu sensibilisieren. Verstöße gegen die Auflagen können aber auch Konsequenzen für den Betrieb haben: „Wird eine Mitschuld des Arbeitgebers bei Verstößen durch die Arbeitnehmer festgestellt, wird diese mit entsprechenden Bußgeldern geahndet und weitere Maßnahmen werden geprüft“, erläuterte Rein.

Schwieriger ist es laut Landkreis, Verstöße von Einzelpersonen in privaten Bereichen oder der Öffentlichkeit zu überprüfen, da man den Menschen ja in der Regel nicht „das Beschäftigungsverhältnis, den Arbeitgeber und den Wohnort“ äußerlich ansehen könne. Insbesondere das Geschehen am Montag in Asendorf gebe Anlass, darauf hinzuweisen, „dass wir auf zeitnahe Hinweise und Anzeigen angewiesen sind, damit Mitarbeitende des Landkreises und die Polizei tätig werden können“, erklärte Rein weiter.

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Vergleichbare Verstöße der Saisonarbeiter als Privatpersonen führen ebenfalls zu Bußgeldern. Der teilweise aus der Bevölkerung formulierte Wunsch, bei derartigem Fehlverhalten Ausweisungen oder auch freiheitsentziehende Maßnahmen einzuleiten, sei aber kaum beziehungsweise nur in schwerwiegenden Einzelfällen möglich. „Insoweit bleibt es bei der bisherigen Vorgehensweise, zusammen mit der Polizei unmittelbar einzuschreiten und auch zeitnah die bestehenden Sanktionsmöglichkeiten anzuwenden“, schilderte die Landkreis-Sprecherin weiter.

Die Ergebnisse der erneuten Reihentestung werden für Freitag und Sonnabend erwartet. Noch bis 13. Mai gilt die Arbeitsquarantäne für die nicht-infizierten Mitarbeiter des Spargelhofs auf jeden Fall. Wie es danach weitergeht, ist noch unklar. Auch, ob im Zweifelsfall eine Schließung des ganzen Betriebs denkbar wäre, konnte Rein derzeit noch nicht sagen. „Es handelt sich um ein aktives Infektionsgeschehen, das eine ständige Neubewertung der Situation erfordert“, erklärte die Landkreis-Sprecherin. „Eine abschließende Aussage zur Erwägung einer Schließungsanordnung kann daher zum jetzigen Zeitpunkt nicht getätigt werden.“

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