Corona Corona legt den Lokalsport lahm

Von Handball über Fußball bis hin zum Tanzen ruht der Betrieb in den kommenden Wochen oder sogar ganz. Einige Entscheidungen sind derweil noch offen.
12.03.2020, 19:51
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Thorin Mentrup

Geisterspiele in der Fußball-Bundesliga und in der Champions League, die Handball-Bundesliga unterbricht die Saison und auch die Formel 1 wird erst später ihr erstes Rennen austragen. Das Coronavirus hat den Sport weltweit längst im Griff. Dass die Pandemie auch den Lokalsport erreichen würde, war eine Frage der Zeit. Nun werden die Folgen greifbar: Mehrere Sportarten legen eine Zwangspause ein, für andere endet gar die Saison. Große Veranstaltungen fallen zudem aus. Der Regionalsport liegt in Teilen brach.

Am späten Donnerstagnachmittag machte es der niedersächsische Handballverband offiziell: Geschäftsführer Gerald Glöde und Präsident Stefan Hüdepohl teilten mit, dass die kommenden vier Spieltage abgesetzt wurden. Bis zum 19. April wird der Spielbetrieb ab diesem Freitag ruhen. Die Landesklasse-Partie zwischen der HSG Bruchhausen-Vilsen und der SG Achim/Baden III am Donnerstagabend fand als eine der letzten in Niedersachsen noch statt. Glöde und Hüdepohl wählten eindringliche Worte: „Es gilt für uns alle die Verbreitung des Coronavirus so schnell wie möglich zu verlangsamen. Wir handeln in Verantwortung für die Gesundheit aller Menschen, der wir uns verpflichtet fühlen.“ Es werde dringend empfohlen, in den Vereinen auch den Trainingsbetrieb einzustellen. Bis Ostern soll eine Entscheidung fallen, ob die Saison fortgesetzt wird. Bis dahin müssen sich auch die HSG Phoenix, die HSG Stuhr, die HSG Bruchhausen-Vilsen und der TSV Schwarme, die vier Vereine aus unserem Verbreitungsgebiet, in Geduld üben.

Vieles ist auch im Fußball, der zweiten großen Ballsportart, unklar: Zum Beispiel, ob im Bereich des niedersächsischen Fußballverbandes wirklich weitergespielt wird. Dort war am Donnerstagabend noch keine Entscheidung gefallen. Viele Teams der Region sind also in der Warteschleife, etliche Trainer äußerten bereits Bedenken, ob sie überhaupt spielen könnten. Verständnis dafür, den Spielbetrieb zu unterbrechen, äußerten sie alle. Mit einer Entscheidung der Niedersachsen wird am Freitag gerechnet.

Der Bremer Fußball-Verband, dem aus unserem Verbreitungsgebiet der Brinkumer SV, der SC Weyhe, der TSV Melchiorshausen und der JFV Weyhe-Stuhr angehören, machte dagegen abends noch Nägel mit Köpfen: „Nach der Entscheidung der Freien Hansestadt Bremen, diverse öffentliche Einrichtungen zu schließen, hat der Bremer Fußball-Verband am heutigen Donnerstag entschieden, den Spielbetrieb im gesamten Verbandsgebiet bis zum 30. März 2020 auszusetzen“, teilte der Verband mit. Über die Neuansetzungen entscheide man in Kürze, möglich sei, die Saison bis zu den Sommerferien zu verlängern und Wochenspieltage anzusetzen. „Eine finale Entscheidung kann hierzu heute noch nicht getroffen werden“, heißt es weiter. Im Laufe des Tages hätten den Verband bereits Meldungen erreicht, dass erste Mannschaften am Wochenende wegen aktueller Corona-Verdachtsfälle und der damit einhergehenden Quarantäne nicht antreten könnten.

Der Niedersächsische Basketballverband (NBV) hat derweil den kompletten Spielbetrieb und alle Meisterschaftstermine abgesetzt und die Saison komplett beendet. Das trifft auch den FTSV Jahn Brinkum und den SC Weyhe. Brinkums Frauen mussten noch einmal ran, die Männer dreimal. Für Weyhe fallen zwei Heimspiele aus.

Kurz vor dem Ende der Spielzeit ziehen auch die Volleyballer einen Schlussstrich. „Es gilt für uns alle, zum Wohle unserer Vereine, Mannschaften und der Mitglieder, die Verbreitung des Coronavirus so schnell wie möglich zu verlangsamen”, erklärt Klaus-Dieter Vehling, Präsident des Nordwestdeutschen Volleyballverbandes. Derzeit berät der Bundesspielausschuss den Umgang mit Auf- und Absteigern sowie Relegationsteilnehmern. Letzteres ist für den SV Dimhausen interessant, der in der Frauen-Landesliga auf dem Abstiegsrelegationsrang steht.

Abgesagt ist auch das Syker Formationsfestival, eines der größten Events der Hachestadt. „Wir haben natürlich Verständnis für die Entscheidung“, sagt Carsten Kotzott, Pressewart des TSC Hansa Syke, der die Veranstaltung am 21. und 22. März in der Olympiahalle ausrichten wollte. Die Stadtverwaltung habe den Klub informiert, dass das nicht gehe. Am Sonnabend sollte je ein Ligaturnier der 2. Bundesliga Nord Standard und Latein stattfinden, am Sonntag dann die Landesliga Nord Latein folgen. Zum 20. Geburtstag des Festivals sollte außerdem das erste norddeutsche Turnier der Hobbyformationen über die Bühne gehen. „Es wären rund 400 bis 500 Tänzer gekommen“, verdeutlichte Kotzott die Größe des sportlichen Rahmens. Darüber hinaus ist das Festival ein Zuschauermagnet, das zuletzt locker die 1000-Besucher-Marke knackte. Wichtige Einnahmen werden dem TSC entgehen. „Wir wollen trotzdem im nächsten Jahr einen neuen Anlauf nehmen“, so Kotzott. Auch das für dieses Wochenende geplante Landesliga-Turnier in Verden fällt aus. Dort hätten die Syker eigentlich starten sollen. „Jetzt ist die Saison für uns beendet“, sagt Kotzott. Damit stehen die Tänzer nicht allein da.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+