Sport und Corona

Manchmal reicht auch Seelenmassage

Der Sportbetrieb ruht, doch die Arbeit beim Kreissportbund geht weiter. Schließlich gilt es auch in diesen Tagen, dringende Fragen zu beantworten .
08.04.2020, 13:17
Lesedauer: 5 Min
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Von Thorin Mentrup
Manchmal reicht auch Seelenmassage

KSB-Vorsitzender Peter Schnabel glaubt, dass die Vereine die Krise durchstehen werden.

Thorin Mentrup

Das Coronavirus erfasst den gesamten Sportbereich – und macht natürlich auch keinen Halt vor dem Kreissportbund (KSB) Diepholz. Dessen Kreissporttag, der am 17. April stattfinden sollte, ist abgesagt, einen neuen Termin gibt es laut dem Vorsitzenden Peter Schnabel noch nicht. Auch hier heißt es: abwarten. In der Dachorganisation von mehr als 200 Vereinen mit mehr als 73 000 Sportlerinnen und Sportlern mangelt es derzeit allerdings niemandem an Arbeit – und das, obwohl der Sportbetrieb doch komplett zum Erliegen gekommen ist.

Nach wie vor ist die Ein-Raum-Geschäftsstelle des Kreissportbundes in Affinghausen besetzt. Nicht in voller Mannstärke, das ist in Corona-Krisenzeiten völlig klar, sondern „im rotierenden System“, wie Schnabel verrät. „Einer ist im Büro, der Rest im Homeoffice.“ Zu tun gibt es unter anderem einiges im Bereich Sportstättenbau. „Das läuft nach wie vor weiter“, erklärt der für diesen Bereich zuständige Heinz Logemann. Vier fertige Anträge für die Förderung im Jahr 2021 lägen bereits vor, „darüber hinaus sind auch einige Anfragen da“. Er glaube nicht, dass die Pandemie großen Einfluss auf diese Planungen nehmen werde, sagt Logemann. Schließlich komme auch eine Zeit nach Corona – und dann werde der Sport in den Vereinen wieder eine große Rolle spielen.

Viele Nachfragen

Generell scheint das Thema Zukunft jedoch aktueller denn je zu sein. „Es gibt ganz viele Nachfragen derzeit“, steht das Telefon von KSB-Geschäftsführer Uwe Drecktrah nur selten still. Ihn erreichen Fragen aus allerlei Bereichen. Nicht nur von Vorständen, sondern auch von Mitgliedern. Da geht es zum Beispiel darum, ob überhaupt noch Mitgliedsbeiträge fällig sind, wenn der Verein wie derzeit keinen Sport anbieten kann. Wobei es hier noch eine klare Antwort gibt: „Mitgliedsbeiträge müssen weiterhin gezahlt werden.“ Das sei anders als zum Beispiel bei einem Fitnessstudio, das eine Dienstleistung anbiete, die es aber nicht mehr erbringen könne. „Da ist die rechtliche Situation eine ganz andere“, weiß Drecktrah, der sich als 1. Vorsitzender des SV Bassum von 1848 in Vereinsbelangen sehr gut auskennt.

Doch es sind nicht nur rechtliche Fragen, mit denen er sich auseinandersetzen muss. „Es ist schon eine enorme Vielfalt. Ich schaffe es nicht, immer alle E-Mails direkt zu beantworten“, merkt er, dass der Bedarf nach Beratung groß ist. Da melden sich unter anderem auch Verantwortliche von Reitvereinen, die ihre Tiere weiterhin versorgen müssen, obwohl der Reitunterricht ausfällt. Oft verweist der Geschäftsführer dann auf die Informationen des Landessportbundes Niedersachsen. In Hannover werden viele Möglichkeiten aufgezeigt, um sich unter anderem durch finanzielle Engpässe zu manövrieren (s. Infokasten). Dort erhält man laut Drecktrah noch umfangreichere Informationen und weitergehende Empfehlungen. Der Geschäftsführer und seine Mitstreiter beim Kreissportbund sind in dieser Hinsicht Wegweiser. „Wir leiten diese Informationen weiter und versuchen zu helfen, wo wir können“, unterstreicht Schnabel.

Der KSB wolle niemanden allein lassen in dieser Zeit. „Zum Großteil geht es für uns darum, Seelenmassage zu betreiben“, erklärt Drecktrah. Er ist auch als Zuhörer gefragt. Denn einfach ist die Situation sicherlich nicht. Das Thema Kurzarbeit etwa wird nicht an allen Vereinen vorbeigehen, denn die größten im Gebiet des Kreissportbundes beschäftigen auch hauptamtliche Mitarbeiter.

Verantwortungsbewusst handeln

Generell zeigen sich sowohl Drecktrah als auch Schnabel beeindruckt davon, wie die Verantwortlichen der Vereine reagiert haben. „Das war alles sehr verantwortungsvoll. Alle haben am 13. März (der Tag, an dem der Sport zum Erliegen kam, Anm. d. Red.) sofort ihre Sportanlagen geschlossen und sich an alle Vorgaben gehalten“, registriert Drecktrah zufrieden, wie schnell die Notlage begriffen wurde. Schnabel erwartet, dass die meisten Klubs die Krisenzeit gut meistern werden. „Wir haben erfahrene Menschen in den Vereinen, die sich darum kümmern werden“, sieht er starke Führungskräfte, die auch in schwierigen Situationen wie diesen nicht verzagen und Lösungen im Sinne der Solidargemeinschaft, zu der sich Mitglieder in den Vereinen zusammengeschlossen haben, finden.

Einen kleinen Vorteil gibt es übrigens doch in Corona-Zeiten: Laut Schnabel werden Teile zum Beispiel der Fortbildungen stärker online abgewickelt. Das sei ohnehin ein Ziel gewesen, doch „wir nutzen vorgedachte Strukturen nun massiver“. Der Digitalisierung hilft die Krise zumindest ein bisschen auf die Sprünge – auch im Sportbereich. Für Drecktrah ist ein weiterer Punkt wesentlich bedeutsamer: „Wir lernen gerade, wie wichtig es ist, Mitglied in einem Verein zu sein und auch ruhig mal die regionalen Theaterbühnen zu unterstützen“, findet er. Vereine leisteten eine enorme Arbeit. Das werde gerade jetzt besonders deutlich, wo sich viele Klubs engagieren und zum Beispiel Einkaufsdienste anbieten. Generell sei zu spüren, „dass der Vereinszusammenhalt den Menschen fehlt“. Dieses Beisammensein, das über das gemeinsame Sporttreiben hinausgehe, werde man wohl wesentlich mehr schätzen, wenn die Krise durchgestanden sei. „Am liebsten möchten wir einfach nur ein Rundschreiben losschicken, dass es wieder losgehen kann“, gibt Drecktrah einen kleinen Einblick in seine Gefühlswelt. Bis es so weit sei, sei vor allem der gesellschaftliche Zusammenhalt ganz wichtig. Die KSB-Verantwortlichen werden derweil alles dafür tun, den Vereinen vor Ort Hilfestellung zu leisten, egal ob als Berater, Wegweiser oder nur als Zuhörer.

Info

Zur Sache

Wie hilft der Landessportbund in der Corona-Krise?

Dem Landessporbund (LSB) Niedersachsen als übergeordnete Vereinigung des Sports im Bundesland gehört auch der Kreissportbund Diepholz an. Insgesamt zählt der LSB mehr als 9000 Vereine mit mehr als 2,6 Millionen Mitgliedern. Weil er zugleich die Interessen des Sports gegenüber Parlament, staatlichen und kommunalen Stellen vertritt, kommt ihm in der Corona-Krise die Rolle als Unterstützer zu. Das geschieht auf verschiedenen Ebenen.

Der LSB fördert Vereine, die ein Online-Live-Sportangebot oder Online-Videos zur Anleitung von Bewegung und Sport anbieten. Gefördert werden Live-Videos und die Erstellung von Videos auf Youtube und ähnlichen Plattformen. Die maximale Förderung ist pro Verein auf 500 Euro begrenzt. Maximal fünf Anträge kann ein Verein stellen.

Das LSB-Präsidium empfiehlt Sportvereinen, Sportbünden und Landesfachverbänden, die Beschäftigungsverhältnisse haben, einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb unterhalten und infolge der Covid-19-Pandemie in eine existenzbedrohliche Wirtschaftslage oder in Liquiditätsengpässe geraten, Anträge im Rahmen der „Niedersachsen-Soforthilfe Corona“ bei der NBank zu stellen.

Der LSB wird die Gültigkeit von Übungsleiter-Lizenzen, die in diesem Jahr ablaufen werden, um ein Jahr verlängern. Eine „Vereinsumfrage zu Auswirkungen der Corona-Krise“ soll helfen, die Folgen für die Sportorganisation einschätzen und gegebenenfalls Unterstützung organisieren zu können. Die Teilnahme an der Befragung ist bis zum 20. April möglich

Auf seiner Internetseite unter www.lsb-niedersachsen.de sammelt der LSB zudem Hilfs-, aber auch Sport- und Bildungsangebote von Vereinen oder Verbänden. Dort können auch Klubs aus dem Raum Diepholz ihre Angebote publizieren lassen, und zwar mit einer E-Mail an Frank Dullweber (fdullweber@lsb-niedersachsen.de). Alle aktuellen Informationen zur Corona-Krise – auch aus anderen Verbänden – hat der LSB ebenfalls auf seiner Internetpräsenz gesammelt.

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