Fußball

„Befinden uns wohl schon in der Winterpause“

Im Amateursport herrscht eine Zwangspause. Daher kommen Fragen über Fragen auf. Die Fußball-Trainer hier aus der Region geben ihre Meinungen dazu ab.
01.11.2020, 15:03
Lesedauer: 4 Min
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„Befinden uns wohl schon in der Winterpause“
Von Jannis Klimburg
„Befinden uns wohl schon in der Winterpause“

Ob man dem Ball in diesem Jahr nochmals hinterherjagen kann, bleibt noch abzuwarten.

Thorin Mentrup

Nun ist er da, der zweite Lockdown. Und das betrifft auch den Sport. Denn bekanntlich hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel und die 16 Ministerpräsidenten in einer Videokonferenz beschlossen, dass der Spiel- und Trainingsbetrieb zunächst einmal bis Ende November ruhen wird. Natürlich kommen jetzt Fragen über Fragen auf: Dauert die Pause wirklich nur bis zum 30. November? Wann kann wieder trainiert werden? Wie genau wird der Spielbetrieb dann fortgesetzt? Werden die ausgefallenen Spiele nachgeholt oder wird gleich mit der Aufstiegs- beziehungsweise Abstiegsrunde weitergemacht? Wie lässt sich die Zwangspause überbrücken? Ein Meinungsbild der Fußballtrainer aus dem Landkreis Diepholz.

Benjamin Jacobeit, Trainer des Bezirksligisten TuS Sudweyhe, glaubt nicht daran, dass die Saison im Dezember fortgeführt wird. "Bis dahin werden die Zahlen nicht so drastisch sinken, dass wir wieder auf den Platz können. Ich sehe es ehrlich gesagt nicht, dass wir auch schon wieder im Januar, Februar oder März kicken können. Von daher befinden wir uns wohl jetzt schon in der Winterpause", betont er. "Daher hätten wir gerne am Wochenende noch einmal gespielt, auch wenn wir die Entscheidung absolut verstehen können. Aber vielleicht zählt dann die jetzige Tabelle für die Aufstiegsrunde. Und das wäre ein Nachteil für uns." Denn der TuS Sudweyhe rangiert dort auf Platz drei, hätten am zurückliegenden Wochenende zumindest theoretisch die Chance gehabt, einen der beiden Aufstiegsplätze zu erobern. Im zweiten Lockdown möchte er nun noch mehr Kontakt mit seinen Jungs halten: "Wir wollen mehr Videokonferenzen einstreuen, als noch im ersten Lockdown. Damit wir uns öfters zu Gesicht bekommen.

Iman Bi-Ria, als Coach für die Geschicke beim Bezirksligisten TSG Seckenhausen-Fahrenhorst zuständig, möchte dagegen in der Zwangspause nichts dem Zufall überlassen und wird die Aktivitäten seiner Schützlinge überprüfen. „Das haben wir auch schon während des ersten Lockdowns gemacht, das hat ganz gut funktioniert“, beschreibt er. Seine Mannen bekommen individuelle Laufpläne zugeschickt. „Das werden wir dann über eine App kontrollieren. Wenn jemand seine Aufgaben nicht erledigt, zählt das wie bei einer nicht teilgenommenen Trainingseinheit“, verrät Bi-Ria. Und das individuelle Training könnte sich laut dem Trainer auch noch weiter hinausziehen. Denn auch er gehe nicht davon aus, dass in diesem Jahr noch einmal gespielt wird. „Das wäre auch fatal“, meint Seckenhausens Übungsleiter. „Die Spieler sind dann vier Wochen raus und die Verletzungsgefahr ohne Training ist dann natürlich auch extrem groß. Das kannst du nicht machen.“

Auch Michael Schultalbers, fungierend als Co-Trainer für den SC Twistringen, kann sich noch nicht vorstellen, wie es mit dem Spielbetrieb weitergehen soll. „Es sind ja schließlich noch Spiele aus der Vorrunde zu absolvieren. Und ich befinde mich gefühlt schon in der Winterpause. Man müsste dann ja eigentlich bereits im Februar wieder mit den Nachholspielen anfangen, damit wir im März mit der Aufstiegs- beziehungsweise Abstiegsrunde starten können.“

Die Entscheidung der Bundesregierung komplett nachvollziehen kann ebenfalls Friedhelm Famulla, der den Kreisligisten SV Mörsen-Scharrendorf coacht. Auch wenn er gleichzeitig bekräftigt: „Für uns ist das aus sportlicher Sicht etwas ärgerlich, weil wir gerade einen guten Lauf hatten.“ Auch seine Mannen wären am Wochenende gerne nochmals aufgelaufen. „Die Jungs hatten schon noch Lust. Der Großteil der Mannschaft wollte spielen. Aber jetzt fühlen wir uns schon wie in der Winterpause.“ Nun sei auch er gespannt, wie die Kreisliga-Spielzeit fortgesetzt wird. „Vielleicht wird die Saison auch verlängert und wir spielen mehrmals unter der Woche. Eine andere Möglichkeit sehe ich nicht, wie wir die ganzen Partien durchbringen können.“

Thorsten Eppler, Trainer des TSV Weyhe-Lahausen, würde sich dagegen wünschen, dass der Niedersächsische Fußballverband oder der Kreis Diepholz noch einen Schritt weitergeht und betont, wann und wie es in diesem Jahr noch weitergehen kann. „Ich denke nicht, dass wir zwei Wochen vor Weihnachten noch spielen können. Auch wegen der Witterung. Und vorher können wir ja schließlich auch nicht anfangen, weil die Jungs trainieren müssen. Ein Kaltstart ist wahrlich nicht möglich. Eine schnelle Regelung, klare Ansagen für den Rest des Jahres erhoffe ich mir daher.“ Bis Ende November wird er seinen Schützlingen Laufpläne mit an die Hand geben. „Aber wir werden das nicht kontrollieren. Die Jungs sind alt genug, um zu wissen, was sie selber investieren müssen für den Sport. Ein bisschen Eigenverantwortung gehört dann eben auch dazu.“

Mike Gabel ist anderer Meinung. Der Übungsleiter des Bremen-Ligisten Brinkumer SV denke nicht, dass die vorübergehende Zwangspause im Sport der richtige Schritt ist. „Auch in vier Wochen wird Corona nicht vorbei sein. Daher ist der Lockdown für mich die falsche Entscheidung. Eine Studie hat schließlich auch bewiesen, dass die Ansteckungsgefahr beim Fußball extrem gering ist. Beim Hallensport zum Beispiel sieht das wieder anders aus, da kann ich es absolut nachvollziehen. Aber nicht bei Sportarten an der frischen Luft. Sport fördert bekanntlich auch das Immunsystem, das Wohlbefinden.“ Ihm sei aber auch klar, das man das Drumherum beim Fußball stark einschränken müsste. „Dann soll man sich eben zuhause umziehen und schon in Fußballklamotten zum Training erscheinen. Und das Duschen am Platz weglassen. Aber das ist doch möglich und wurde auch schon so gemacht.“ Für den Monat November hat er seiner Truppe einen Laufplan vorgegeben, der eingehalten werden muss. Drei Mal in der Woche sollen seine Jungs jeweils zehn Kilometer laufen, ergo in der Woche auf eine Distanz von 30 Kilometern kommen. „Die Grundfitness muss schließlich erhalten bleiben. Denn wenn wir vom jetzigen Stand ausgehen, kann es im Dezember schon wieder weitergehen. Und dann können wir nicht wieder bei Null anfangen“, unterstreicht Gabel.

Neben vielen anderen Coaches geht auch Rico Volkmann, spielender Co-Trainer beim TSV Okel, nicht davon aus, dass der Ball Anfang Dezember schon wieder rollt. "Ich rechne mit einer längere Pause und glaube, dass wir uns jetzt quasi schon in der Winterpause befinden. Ich glaube auch nicht, dass dann das Wetter mitspielt. "Die meisten Plätze werden es nicht mitmachen. Und nicht jeder Verein verfügt über einen Kunstrasenplatz. Außerdem bräuchten wir im Dezember auch mindestens zwei Wochen Vorlauf, damit wir uns für die Partien im Training einspielen könnten."

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