Fußball

Ein letztes Mal? Von wegen

Verantwortungsträger der Kreise und des NFV-Bezirks Hannover unterbrechen ab sofort den Spielbetrieb.
29.10.2020, 16:21
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Von Jannis Klimburg und Thorin Mentrup
Ein letztes Mal? Von wegen

Enttäuschung bei den Fußballern (hier Saimir Dikollari, SC Twistringen) aus unserem Verbreitungsgebiet: Bereits an diesem Wochenende rollt der Ball nicht mehr.

Thorin Mentrup

Ab dem 2. November ruht der Amateursport in ganz Deutschland. Bis mindestens Ende November. Das hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den 16 Ministerpräsidenten bereits beschlossen. Doch der sportliche Lockdown ist bereits jetzt da. Hatte der Niedersächsische Fußballverband (NFV) am Mittwochabend die Entscheidung getroffen, dass an diesem Wochenende noch gespielt werden dürfe, „wo die Corona-Situation eine Austragung der Partien zulässt“, hat der Bezirk Hannover gemeinsam mit seinen angehörigen Kreisen, zu denen auch der Kreis Diepholz zählt, am Donnerstagnachmittag den Stecker gezogen und den Spielbetrieb in allen Altersklassen ausgesetzt.

„Da (auch) im NFV-Bezirk Hannover und seiner nachgeordneten NFV-Kreise die Infektionszahlen deutlich und sichtbar ‚nach oben‘ gehen und sich damit die einhergehenden Gefahren auch vor dem 2. November mehren, haben sich einvernehmlich die Verantwortungsträger der Kreise und des NFV-Bezirks Hannover entschiedenen, den Spielbetrieb in allen Kreisen und auf Bezirksebene (alle Kreis- und Bezirksspiele) ab sofort zu unterbrechen“, heißt es in der Mitteilung des Bezirks. Am Vormittag noch hatte Thorsten Schuschel, Spielausschussvorsitzender des Bezirks Hannover, erklärt, dass es – Stand jetzt – zwar keine generelle Absage geben, aber man auf Wünsche, die Spiele zu verlegen, großzügig eingehen werde. Es folgte jedoch die Kehrtwende. Insofern überraschend, weil sich der Bezirk damit gegen den Beschluss seines Verbandes stellt. Das hatte auch der Bezirk Weser-Ems getan.

Andreas Henze, Vorsitzender des Fußballkreises Diepholz, hätte mit seinen Vorstandskollegen am Donnerstagabend über den Spielbetrieb am Wochenende gesprochen. Diese Videokonferenz konnte er nun streichen, „denn die Verfügungslage ist ganz klar“. Mit der Absage für das Wochenende komme man den Wünschen der Vereine nach. „Mich haben nur Anfragen erreicht, warum wir noch spielen würden. Toll, dass ihr weitermacht, hat keiner gesagt.“

Vorbereitet auf Einsätze am Wochenende hatten sich die hiesigen Bezirksligisten dennoch. Frühzeitig stand nur für den TSV Bassum und den SV Heiligenfelde fest, dass ihre Partie ausfallen wird: Die Stadt Bassum sperrte die Sportanlagen. TSV-Trainer Torsten Klein hatte sich ohnehin gefragt, warum gespielt wird. „Ich hatte damit gerechnet, dass an diesem Wochenende bereits alles abgesagt wird“, sagte er. Sein Gegenüber Torben Budelmann sagte: „Wir hätten gern noch einmal gespielt. Du musst eigentlich alles nutzen, was du kannst. Wir wissen ja nicht, wann und wie es weitergeht“, kommentierte der SVH-Coach die Absage mit Blick auf die ungewisse Zukunft. Sein Team hatte am Mittwochabend, als die Mitteilung des NFV noch nicht veröffentlicht worden war, noch trainiert. „Wir wussten ja nicht, was da noch kommt.“ Es wurde die Generalabsage.

„Wir hoffen, dass wir das am Wochenende noch durchkriegen“, hatte derweil Patrick Tolle, Coach beim SV Bruchhausen-Vilsen, gesagt. Jetzt dürfte sein Team als Zweiter und damit auf einem Aufstiegsrundenplatz überwintern. Beim Gegner TV Stuhr gab es im Vorfeld der Absage dagegen einige Diskussion, „ob das überhaupt noch Sinn macht“, wie Trainer Christian Meyer sagte. „Das Virus ist ja nicht erst ab Montag gefährlich. Wäre es der letzte Spieltag gewesen, wäre die Situation anders. Aber so ist es besser, wie es jetzt ist.“

Der TuS Sudweyhe und SC Twistringen dagegen waren sich einig: Beide Teams wollten eigentlich noch ihr Verfolgerduell austragen. „Wir wären gerne noch einmal angetreten, schließlich hätten wir theoretisch mit einem Sieg auch einen Aufstiegsplatz ergattern können. Und wer weiß schon, wann es wirklich weitergeht“, betonte Benjamin Jacobeit, der zusammen mit Sven Helms den TuS Sudweyhe trainiert. „Vielleicht zählt am Ende sogar die derzeitige Tabelle für die spätere Aufstiegsrunde.“ Er sei der Meinung, dass auch im neuen Jahr erst einmal nicht gespielt werden könne. „Ich sehe es einfach nicht, dass wir im Januar, Februar oder März wieder anfangen können. Denn ich gehe nicht davon aus, dass es bis dahin einen Impfstoff geben wird.“

Auch der SC Twistringen wäre gerne zum Verfolgerduell angetreten. Doch daraus wird nichts. „Ich kann die Entscheidung schon verstehen. Es ist besser, jetzt schon den Spielbetrieb einzustellen als erst am Montag“, bekräftigte Twistringens Co-Trainer Michael Schultalbers. Er sei nun aber gespannt, wie es weitergehen soll. „Ich gehe stark davon aus, dass im Dezember nicht gespielt werden kann, und dann gehen wir sowieso in die Winterpause. Mal schauen, wie es danach weitergeht“, meinte er.

Auch die TSG Seckenhausen-Fahrenhorst hatte sich auf ein letztes Duell vor der Zwangspause gegen den TSV Okel gefreut. „Das Virus wird auch in drei Monaten nicht verschwunden sein. Daher hätten wir schon gerne noch einmal gespielt. Jetzt werden vier Wochen ohne Fußball erst einmal richtig hart“, betonte Seckenhausens Übungsleiter Iman Bi-Ria.

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