Handball Die WM beginnt: Eine knifflige Herausforderung

Am Mittwoch beginnt die Handball-WM in Ägypten. Ein Meinungsbild der Trainer aus dem Diepholzer Nordkreis zum Kader und zu den Chancen der deutschen Nationalmannschaft.
12.01.2021, 17:22
Lesedauer: 4 Min
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Die WM beginnt: Eine knifflige Herausforderung
Von Jannis Klimburg

Ägypten/Landkreis Diepholz. Der Amateursport steht zurzeit weiterhin still. Anders dagegen läuft es zum Beispiel bei den Profi-Handballern. Diese befinden sich mitten in der Saison. Und nun steigt für diese auch noch der große Höhepunkt. Denn am Mittwoch, 13. Januar, startet die Weltmeisterschaft in Ägypten. Mit von der Partie sind natürlich auch die deutschen Handballer um Andreas Wolff, Uwe Gensheimer, Julius Kühn und Co. In der Gruppe A duelliert sich die Mannschaft von Trainer Alfred Gislason mit Ungarn, Uruguay und den Kapverdischen Inseln. Hat Alfred Gislason die richtigen Spieler für die WM nominiert? Wie stehen die Chancen der deutschen Nationalmannschaft bei der WM? Wer ist der größte Titelfavorit? Hätte das große Event aufgrund der Corona-Pandemie lieber abgesagt werden sollen? Ein Meinungsbild der Handball-Verantwortlichen hier aus der Region.

Ohne etliche Leistungsträger muss die deutsche Nationalmannschaft in Ägypten bei der Weltmeisterschaft zurechtkommen. Mit Jannik Kohlbacher, Fabian Wiede, Tim Suton und Franz Semper sowie Hendrik Pekeler, Patrick Wiencek, Finn Lemke und Steffen Weinhold fallen potenzielle Stammspieler aus. Einige davon sind verletzt, einige verzichten aus familiären Gründen und wegen der Coronavirus-Pandemie freiwillig auf die Teilnahme. So musste Trainer Alfred Gislason gehörig umdisponieren und ein paar eher unbekanntere Gesichter nominieren. Zwei Debütanten sind sogar mit von der Partie. Mit der Berufung von Kreisläufer Sebastian Firnhaber und Rückraumspieler Antonio Metzner vom HC Erlangen reagierte der Isländer auf die Absagen der vergangenen Wochen.

Und wie stehen nun die Chancen der Deutschen? „Das ist total schwierig zu beurteilen. Ich habe es auch nicht detailliert verfolgt. Aber Fakt ist, dass wir hinten im Deckungsblock große Probleme haben werden“, betont Gerd Anton, Trainer der Männer der HSG Bruchhausen-Vilsen. „Ich bin gespannt, wie der Trainer das lösen wird. Aber er wird sich da schon etwas Passendes einfallen lassen.“ So sieht es auch Sascha Drogt, Übungsleiter der Frauen der HSG Phoenix. „Es muss ein komplett neuer Innenblock gefunden werden, aber die Situation ist jetzt sowieso nicht zu ändern. Auf vielen anderen Positionen sind wir noch total gut besetzt, und auch der Trainer weiß schon, was er macht. Auf ihn wird es ankommen, dass er innerhalb kürzester Zeit eine Einheit formen muss.“

Anton hätte die WM abgesagt

Einige Nationalspieler haben sich aufgrund der derzeitigen Corona-Situation geweigert, an der Weltmeisterschaft teilzunehmen. Dazu gehören Kapitän Patrick Wiencek, Hendrik Pekeler und Finn Lemke. Andreas Schnichels, Coach der Frauen der HSG Bruchhausen-Vilsen, kann die Entscheidung absolut nachvollziehen. „Als Trainer würde ich mich auch der Sache fügen und die WM spielen, aber als Spieler wäre ich wohl auch nicht angereist.“ Gerd Anton geht sogar noch etwas weiter: „Man hätte die WM absagen sollen, das grenzt für mich an Wettbewerbsverzerrung. Einige Mannschaften trainieren weiter, andere gar nicht mehr. Sowieso nimmt man derzeit nicht viel rund um die WM wahr, sie nimmt dann nicht mehr einen so hohen Stellenwert ein wie sonst.“

Trotzdem werden die Trainer aus dem Diepholzer Nordkreis die Weltmeisterschaft natürlich verfolgen. Doch allzu große Chancen räumen sie der deutschen Garde um Trainer Alfred Gislason nicht ein. „Sie werden keine große Rolle spielen, auch wenn der Kader trotz der vielen Ausfälle noch gut bestückt ist. Aber vielleicht überraschen sie uns ja auch und einige Talente spielen sich in den Vordergrund“, hofft Gerd Anton auf eine Leistungsexplosion der Youngster.

Andreas Schnichels dagegen traut dem deutschen Team etwas mehr zu: „Die Gruppenphase werden sie auf alle Fälle überstehen. Und dann kommt es darauf an, wie viele Punkte sie mitnehmen werden. Es muss sehr viel zusammenpassen, aber vielleicht ist ja sogar das Halbfinale möglich, wenn einige Spieler über sich hinauswachsen.“

Vier Titelfavoriten

Was die Titelfavoriten angeht, sind sich die drei Coaches komplett einig. Spanien, Frankreich, Schweden und Dänemark sehen die Trainer in der Verlosung vorne mit dabei. „Frankreich und Dänemark haben zwar auch ein paar Ausfälle zu verkraften, aber am Ende sind es dann doch immer die üblichen Verdächtigen“, sagt Sascha Drogt. An eine große Überraschung durch andere Nationen glauben die Übungsleiter dagegen eher nicht. „Es sind immer die gleichen Länder, die sich um den Titel streiten. Das wird sich jetzt auch nicht ändern“, ist sich Schnichels sicher.

Aber vielleicht kann die Truppe von Alfred Gislason diesmal überraschen und für Furore sorgen. Denn auf dem Schirm hat Deutschland bei dieser Weltmeisterschaft fast keiner.

Weitere Informationen

Der Kader:

Torhüter: Johannes Bitter (TVB Stuttgart), Silvio Heinevetter (MT Melsungen), Andreas Wolff (PGE VIVE Kielce, Polen)

Rechtsaußen: Tobias Reichmann (MT Melsungen), Timo Kastening (MT Melsungen)

Linksaußen: Uwe Gensheimer (Rhein-Neckar Löwen), Marcel Schiller (FRISCH AUF! Göppingen)

Rückraum Rechts: Kai Häfner (MT Melsungen), David Schmidt (Bergischer Handball-Club 06), Antonio Metzner (HC Erlangen)

Rückraum Links: Julius Kühn (MT Melsungen), Paul Drux (Füchse Berlin), Fabian Böhm (TSV Hannover-Burgdorf), Christian Dissinger (RK Vardar Skopje, Nordmazedonien)

Rückraum Mitte: Philipp Weber (SC DHfK Leipzig), Juri Knorr (TSV GWD Minden), Marian Michalczik (Füchse Berlin)

Kreisläufer: Johannes Golla (SG Flensburg-Handewitt), Moritz Preuss (SC Magdeburg), Sebastian Firnhaber (HC Erlangen)

Der Spielplan:

Freitag, 15. Januar, um 18 Uhr gegen Uruguay

Sonntag, 17. Januar, um 18 Uhr gegen Cape Verde

Dienstag, 19. Januar, um 20.30 Uhr gegen Ungarn

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