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Handball: Saisonabbruch nur noch Formsache

Handball-Verband Niedersachsen beseitigt alle Unklarheiten und will die Spielzeit 2020/21 nicht mehr fortsetzen.
16.02.2021, 15:44
Lesedauer: 4 Min
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Handball: Saisonabbruch nur noch Formsache
Von Jannis Klimburg

Landkreis Diepholz. Andere Bundesländer hatten bereits vorgelegt, daher ist es wahrlich keine große Überraschung mehr: Die Handball-Saison 2020/21 wird auch in Niedersachsen nicht weiter fortgesetzt werden. Der Abbruch ist für Stefan Hüdepohl, Präsident des Handball-Verband Niedersachsen (HVN), und den Vizepräsidenten Spieltechnik Jens Schoof nur noch eine reine Formsache. „Die Beschlüsse der Bundes- und Landesregierungen zwingen uns, die Saison für die Mannschaften der Ober-, Verbands- und Landesligen sowie der Landesklassen für beendet zu erklären“, erläuterte Hüdepohl kürzlich in einem Online-Austausch der Spitzenvertreter des HVN gemeinsam mit denen der Gliederungen. Der Abbruch solle ohne Wertung aller bisher ausgetragenen Begegnungen erfolgen. Den offiziellen Beschluss des Präsidiums kündigten Hüdepohl und Schoof noch für diese Woche an. Zuvor sei noch Rechtssicherheit zu schaffen.

Dem Austausch mit den Vertretern der Gliederungen waren welche mit den Vertretern der Ober- und Verbandsligen sowie eine schriftliche Abfrage der Landesliga- und Landesklassen-Vereine vorausgegangen. Allein von den 164 teilnehmenden Vertretern der Landesliga- und Landesklassen-Vereine hatte sich knapp 90 Prozent dafür ausgesprochen, die Saison abzubrechen beziehungsweise auf eine Wertung zu verzichten.

Genauso wie der HVN wird auch die Handball-Region Mitte-Niedersachsen verfahren, wie der Vorsitzende Steffen Mundt erklärt. „Wir stellen auch den Antrag auf Saisonabbruch, so wie der HVN das in seinem Zuständigkeitsbereich vorgibt. Schließlich haben viele unserer Vereine noch gar kein Spiel bestritten, und so wird es einfach schwierig, die Saison durchzubringen. Vor allem weil wir ja noch gar nicht wissen, wann es weitergehen könnte.“ Außerdem ist es das Bestreben des Vorsitzenden, die derzeit geltenden Regularien der Saison 2020/21 mit in die neue Spielzeit zu nehmen. „So sollen zum Beispiel die Landesklassen jetzt noch nicht aufgelöst werden, wie es eigentlich am Ende der aktuellen Spielzeit geplant war“, berichtet Mundt. „Doch das muss alles noch abgestimmt werden und ist noch nicht spruchreif.“

Trainer nicht verwundert

Dass die Saison abgebrochen wird, hatte sich schon lange angebahnt. Auch deswegen sind die Handball-Verantwortlichen aus der Region nicht wirklich überrascht. Wie zum Beispiel Andreas Schnichels, Trainer der Frauen der HSG Bruchhausen-Vilsen, der mit dem Abbruch längst gerechnet hatte: „Das war leider so zu erwarten. In anderen Bundesländern und bei anderen Hallensportarten wurde die Saison bereits annulliert. Alleine an dem aufgestellten Stufenplan war bereits zu erkennen, dass das nichts mehr gibt. Wir sind sehr enttäuscht, aber das ist dann eben die Konsequenz aus der Pandemie.“

Ähnlich sieht es auch Gerd Anton, der wiederum die Männer der HSG Bruchhausen-Vilsen unter seinen Fittichen hat. Nur fürchtet der Übungsleiter eher, dass sich „die Handballer aus dem Staub machen, weil sie merken, dass es auch ohne den Sport geht. Der Trend geht doch auch dahin, dass man zeitlich eher ungebunden sein möchte. Deswegen werden auch immer mehr Fitness-Studios gebaut und die Mitgliederzahlen bei den Sportvereinen gehen eher immer weiter zurück.“

Seine Mannen hatten erst eine Partie absolviert, der Liga-Konkurrent HSG Phoenix als einzige Mannschaft neben der SG Buntentor/Neustadt bereits zwei Matches. Und beide Duelle konnte die Truppe von Trainer Christoph Schweitzer sogar für sich entscheiden. „Wir waren in einer guten Position, hatten uns gerade durch die Siege ein bisschen Selbstvertrauen geholt, daher ist es ein bisschen bitter“, meint der Coach der HSG Phoenix. „Aber es ist absolut die richtig Entscheidung des HVN. Hoffentlich können wir nächste Saison dann auch wieder so gut starten, denn wir hatten uns jetzt schon hohe Ziele gesetzt.“ Das hatte sich auch die HSG Stuhr um den neuen Trainer Mike Owsianowski. Doch der Landesligist konnte seine Qualitäten gar nicht erst auf die Platte bringen, absolvierte keine einzige Partie.

Schnellstmöglich zurück in die Halle

Doch wie geht es nun weiter? Hüdepohl erläutert: „Die überwältigende Mehrheit der Regionen und der Vereine unterstützt den Abbruch, fordert gleichzeitig auch Perspektiven, den Handballsport wieder zu betreiben.“ Ziel müsse es sein, zumindest zurück ins Training zu kommen, „um dann Spiele auf freiwilliger Basis in engen regionalen Grenzen nötigenfalls auch auf Rasen oder im Sand zu organisieren. Die Sportler in Niedersachsen brauchen eine Perspektive. Das setzt voraus, dass der Amateursport nicht bis in den Sommer verboten bleibt."

Andreas Schnichels dagegen findet es zwar gut, „dass sich die Verantwortlichen um Alternativen bemühen, was den Handball angeht.“ Aber er selbst sehe sich als Hallensportler. Für ihn gehe es deswegen darum, so schnell wie möglich wieder zurück in die Halle zu kommen. „Wir waren in den vergangenen Jahren bei einigen Feldhandball-Turnieren vertreten, aber das ist erstens nicht auf allen Plätzen möglich und zweitens muss dann auch das Wetter mitspielen. Da bist du wieder sehr abhängig. Aber wenn etwas angeboten wird, nehmen wir das gerne mit.“

Dass in naher Zukunft Handball an der freien Luft möglich sein soll, sieht Steffen Mundt eher kritisch gegenüber. „Einfach aufgrund des vorgegebenen Stufenplans glaube ich nicht, dass wir die geforderte Inzidenz so schnell erreichen“, meint der Vorsitzende der Handball-Region Mitte-Niedersachsen. Hinzu kommt, dass viele Vereine gar nicht so angetan sind von den möglichen Alternativen. Zumindest laut der Umfrage des HVN. „Rund 75 Prozent der 164 Vereine, die an der Umfrage teilgenommen haben, haben sich gegen Handball auf Rasen ausgesprochen“, gibt Mundt preis. In die entgegengesetze Richtung gehen die Antworten beim Thema Beachhandball. Hier hätten rund 70 Prozent Interesse an möglichen Turnieren, verrät Mundt.

Das Papier „Stufenplan 2.0“ der Landesregierung mache die Vertreter des Handballsports in Niedersachsen nicht glücklich und sei zuletzt durch den Niedersächsischen Fußballverband zurecht kritisiert worden, so Hüdepohl. „Die Regelungen, die den Sport betreffen, lassen uns fürchten, nicht vor Juni oder gar erst nach den Ferien in die Hallen zurückzukehren. Wir brauchen schnellstmöglich in den Bereichen, in denen die Inzidenz niedrig ist, eine Trainingsmöglichkeit in Gruppen auch in der Halle.“

Fakt ist: Die Handball-Vereine müssen sich weiter in Geduld üben, bis sie ihr Spielgerät wieder in den Händen halten dürfen. Ob in der Halle, auf dem Rasen oder im Sand. Aber das Warten sind sie mittlerweile ja schon gewohnt.

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