Fußball

DFB-Stützpunkt Sulingen: Wo Träume wachsen

Auch der Stützpunkt hat seine Arbeit nach der Corona-Pause wieder aufgenommen. Mit dabei sind rund 50 Talente aus drei Jahrgängen - und ein neuer Trainer.
17.10.2020, 14:53
Lesedauer: 4 Min
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Von Thorin Mentrup
DFB-Stützpunkt Sulingen: Wo Träume wachsen

Das Stützpunktteam um (vorne v. l.) Walter Brinkmann, Maarten Schops, Hermann Schlake und Tobias Dickmann betreut rund 50 Talente.

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Sulingen. Träume entstehen hier nicht, aber hier wachsen sie: Wer es als Jugendspieler an den DFB-Stützpunkt nach Sulingen schafft, der hat zweifelsohne Talent. Unter den Fittichen von Hermann Schlake, Walter Brinkmann, Tobias Dickmann und Maarten Schops erfahren rund 50 Jungkicker eine besondere Förderung. Dass seine Spieler Profis werden, kann das Trainer-Quartett nicht versprechen. Aber es kann helfen, die richtigen Schritte auf diesem Weg zu gehen.

Drei Stunden lang dreht sich in Sulingen montags ab 17 Uhr alles um die Nachwuchsfußballer der Jahrgänge 2007, 2008 und 2009. Neue Gesichter sind dabei. Natürlich die Jungkicker, die 09er. Aber auch bei den Trainern: Maarten Schops dürfte für viele Kinder ein Unbekannter gewesen sein, wer den Herrenfußball in der Region verfolgt, dem aber ist der Name des Belgiers ein Begriff: Beim BSV Rehden und beim TuS Sulingen stand er zuletzt an der Seitenlinie.

Jetzt tauscht der Ex-Profi, der 140 Spiele in der niederländischen Eredivisie bestritt, also gestandene Kicker gegen aufstrebende Talente. Bei dieser Entscheidung spielten private und berufliche Gründe eine Rolle: „Ich habe in den letzten Jahren gemerkt, dass der Zeitaufwand, eine Vereinsmannschaft zu trainieren, zu hoch ist. Ich habe eine Familie mit zwei Kindern, die ich aufwachsen sehen möchte. Da passt es nicht, jeden Abend auf dem Trainingsplatz zu stehen und jedes Wochenende einen Tag lang weg zu sein. Außerdem habe ich einen Vollzeitjob, in dem ich alles geben muss“, erklärt der 44-Jährige. Er musste Prioritäten setzen.

Ganz auf Fußball verzichten wollte er aber nicht. „Das wäre langweilig“, sagt er und lacht. Für ihn selbst war der Weg an den Stützpunkt kurz: „Ich kenne Walter schon lange, habe ihn selbst noch als Trainer gehabt. Wir standen regelmäßig in Kontakt. Auch Hermann kenne ich seit Jahren. Gegen Tobias und Heiligenfelde haben wir regelmäßig mit Sulingen gespielt.“ Er wusste also, wer ihn erwartet. Und das bestärkte ihn in seinem Entschluss.

Im Trainerteam hat Schops den Platz von Taiki Hirooka eingenommen, den es beruflich nach Düsseldorf verschlagen hat. „Vor ein paar Jahren hätte ich nicht gedacht, dass es für mich in diese Richtung geht“, sagt er. „Aber im Moment passt das sehr gut.“ Auch dem Stützpunkt steht er gut zu Gesicht, wie Walter Brinkmann findet: „Maarten bringt noch einmal eine neue Komponente rein.“ Da sind die Urgesteine Hermann Schlake und Walter Brinkmann, dazu kommt Tobias Dickmann, der beim SV Heiligenfelde in der Bezirksliga auf dem Platz steht, und nun eben der ehemalige Profi. „Maarten weiß noch mehr darüber, was es bedeutet, wenn dauerhaft Leistung eingefordert wird“, sagt Brinkmann.

Mentalität ist ein Schlüsselbegriff

Das ist ein entscheidender Punkt auf dem Weg zum Profi. „Fußballspielen können alle“, weiß Schlake. Doch es braucht noch mehr: Durchsetzungsvermögen und Mentalität sind zwei Schlüsselbegriffe. „Bei uns sind die Besten des Jahrgangs, aber das ist nur eine Momentaufnahme und kein Grund sich auszuruhen“, verdeutlicht Schops, der sich längst daran gewöhnt hat, in den Einheiten, die die vier Coaches stets gemeinsam leiten, einen anderen Ton anzuschlagen als bei den Herren. „Auch der Umgang ist ganz anders. Bei den Herren zählt ab einem gewissen Niveau Woche für Woche das Leistungsprinzip. Da geht es um das nächste Spiel. Am Stützpunkt sehen wir das alles ein bisschen langfristiger. Wir wollen die Spieler in allen Bereichen weiterentwickeln: technisch, taktisch, spielerisch. Aber es braucht eben auch Willen, Leidenschaft und Mentalität.“

Das vermitteln Schlake, Brinkmann, Schops und Dickmann Woche für Woche. Weil die Trainingsgruppen geteilt sind (zunächst trainieren die 2009er, dann die 2008er und 2007er), kann sich das Quartett intensiv um jedes Talent kümmern. Beim jüngsten Jahrgang steht die Grundausbildung im Vordergrund. „Diese Dinge wie ein sauberes Passspiel müssen sie jetzt lernen und umsetzen“, erklärt Brinkmann. „Je älter die Spieler werden, desto wichtiger wird es, Mentalität reinzukriegen“, verschieben sich dann die Prioritäten.

Neue Wege

Besondere Wege mussten die Stützpunkttrainer einschlagen, um den jüngsten Spielerjahrgang zu gewinnen. Das geschieht sonst unter anderem über Sichtungen beim Sparkassen-Cup. Der fiel allerdings wegen der Corona-Pandemie aus. „Wir haben das Glück, dass wir wunderbar mit den Kreisauswahltrainern Jan Lehmkuhl und Oliver Bösche sowie Marcus Peters vom Fußballkreis zusammenarbeiten. Oliver und Jan haben uns mit Infos versorgt, und Marcus hat uns geholfen, indem er alle Vereine angeschrieben hat, uns mit Infomaterial über die Spieler zu versorgen, die nicht in der Kreisauswahl sind“, erzählt Schlake. So wurden am Stützpunkt letztlich Spieler aus der Kreisauswahl gesichtet, aber auch Akteure, die noch nicht dazugehörten. Am Ende blieben zehn Feldspieler und zwei Torhüter übrig. „Drei Spieler hatten mit der Kreisauswahl noch keine Verbindung. Das zeigt uns, dass dieser Weg der richtige war.“ Darüber hinaus gab es zuletzt eine Art kleine Sparkassen-Cups in Sulingen, Mörsen und Weyhe. Dort konnten die Coaches die Spieler noch einmal sehen. Viel Telefoniererei und Absprachen seien erforderlich gewesen, sagt Dickmann. „Aber wir haben eine richtig gute Truppe gefunden.“

Für ein Drittel der Spieler geht es nach dem Stützpunkt in Leistungszentren, etwa bei Werder Bremen oder Hannover 96, oder in Talente-Teams weiter. Ein paar Spieler erhalten die Chance, sich über Regionalauswahlen zu empfehlen. „Für zwei Drittel ist dann einfach Feierabend“, macht Brinkmann deutlich, dass es ein Weg durchs Nadelöhr ist, den nächsten Schritt zu machen. Doch selbst wenn sie keinen Profi formen sollten, können sich die Stützpunkttrainer eines aber doch ans Revers heften: Sie haben ihre Talente weitergebracht – und davon profitiert dann auch der regionale Fußball.

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