Sportstättenförderung Steine für Beine

10,1 Millionen Euro erhalten die niedersächsischen Sportvereine für den Sportstättenbau. Rund 268 000 Euro davon fließen an die Klubs im Kreissportbund Diepholz. Geld, das unverzichtbar ist.
27.03.2019, 15:17
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Von Thorin Mentrup

Affinghausen/Landkreis Diepholz. Der Barrier Tennis-Club muss tätig werden. Er muss sein Hallendach sanieren. Nicht ganz 27 000 Euro kostet das unaufschiebbare Unterfangen. „Bei Stürmen besteht die Gefahr, dass Teile des Dachs wegfliegen“, erklärt der BTC-Vorsitzende Wilfried Eilers. Das Geld haben die Barrier allerdings nicht auf der hohen Kante liegen. „Wir müssen tief in die Tasche greifen und Kredite aufnehmen. Ohne Förderung könnten wir das Projekt gar nicht stemmen“, macht Eilers deutlich. Mit dieser Förderung meint er nicht nur die Gelder, die etwa aus dem Topf des Stadtsportrings Syke kommen, sondern auch vom Landessportbund Niedersachsen und dem Kreissportbund Diepholz, durch die der BTC rund 8000 Euro erhält.

Die Töpfe der Sportförderung zapfen auch viele andere Vereine der Region an. Eine knappe halbe Stunde mussten die Vertreter von 21 Klubs vom TSV Asendorf bis zum SV Marhorst, vom FC Gessel-Leerßen bis zum Segelsportverein Wiking Weyhe am Montagabend im Sport- und Jugendhaus in Affinghausen ausharren, dann durften sie die mehr oder weniger lange Heimfahrt antreten. Im Gepäck die sogenannte Bewilligung für die Sportstättenförderung – eine schriftliche Bestätigung der finanziellen Unterstützung. Rund 268 000 Euro verteilte der Kreissportbund (KSB) Diepholz an seine Mitgliedsvereine. „Ich weiß nicht, ob es jemals so viel gegeben hat. Wir hatten mal 170 000, mal 180 000 und auch mal 210 000 Euro. Aber dieses Jahr fallen die Fördergelder besonders hoch aus“, sagt Heinz Logemann vom Fachausschuss für Sportstätten im KSB.

Es fließt also mehr Geld als gewohnt in den niedersächsischen Sport. Volkswagen sei Dank. Volkswagen? Richtig gelesen: Letztlich profitiert auch der Sport von der Dieselaffäre. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig verhängte im vergangenen Sommer eines der höchsten Bußgelder wegen eines Wirtschaftsdelikts gegen die Wolfsburger Autobauer. Eine Milliarde Euro schwer war es, zu zahlen innerhalb von sechs Wochen an das Land Niedersachsen. Ein Großteil dieser Strafe sind geplant für den Ausbau schneller Internetverbindungen und Investitionen in Krankenhäuser und Hochschulen, doch auch der Sport erhält ein Stück des Kuchens: 100 Millionen kommen ihm zugute, wie Logemann verrät: „80 Millionen davon gehen in die kommunale Sportstättenförderung und werden zum Beispiel für Hallen oder Schwimmbäder eingesetzt.“ Den Sanierungsstau abarbeiten lautet die Devise. 20 Millionen bleiben für den freien Sport. Eine Summe, die die Möglichkeiten der Sportstättenförderung nahezu verdoppelt: Statt nach Landessportbund-Informationen 5,1 Millionen Euro pro Jahr fließen nun bis einschließlich 2022 10,1 Millionen Fördergelder an die Vereine.

Zwischen 6100 und 165 000 Euro

Damit werden im Bereich des KSB Diepholz Projekte verschiedenster Größenordnungen unterstützt: Der Segler-Club Dümmer aus Lembruch hat für für den Neubau eines weiteren Lagergestells für Kleinstboote rund 6100 Euro veranschlagt, die neue Tribüne auf der Sportanlage des TuS Sudweyhe dagegen kostet 165 000 Euro. So vielfältig wie der Sport in der Region sind also auch die Investitionen in die Infrastruktur. „Der Förderbedarf ist riesig“, weiß Logemann. Und das seit Langem: Anfang der 2000er-Jahre habe es niedersachsenweit einen Antragsstopp gegeben, weil sich so viele Vereine um Fördergelder beworben hätten. „Da musste erst einmal alles abgearbeitet werden“, erklärt er. Wenn es für die Vereine aus dem Diepholzer Kreisgebiet um die Sportstättenförderung geht, ist Logemann der richtige Ansprechpartner. Seit 1991 gehört er dem Fachausschuss an.

Der Run auf das Geld ist ungebrochen: Dem Fachausschuss lägen für das kommende Jahr bereits jetzt vier fertige Anträge mit Genehmigungen zum Maßnahmenbeginn vor, wie Logemann verrät. „Dazu kommen noch einmal rund zehn Anfragen.“ Die Arbeit geht dem Fachausschuss nicht aus. „Wir versuchen, das Ganze für die Vereine zu begleiten.“ Sprich: Beratungsgespräche führen und Hilfestellung leisten. Denn ganz so einfach ist der Weg zum Geld nicht, schließlich setzen sich mit den Anträgen in den Vereinen meist ehrenamtliche Helfer auseinander. „Natürlich gibt es erfahrene Hasen, die das schon häufiger gemacht haben, aber das trifft nicht auf alle zu“, weiß Logemann. Acht Seiten ist allein die Richtlinie zur Förderung des Sportstättenbaus mit Erläuterungen lang. Darin ist von Bestandssicherung, unter die Sanierungen und Modernisierungen fallen, und Bestandsentwicklung, zu der zum Beispiel Erweiterungen und Neubauten gehören, die Rede. Dazu kommen aber auch konkrete Zahlen: Die Maximalförderung beträgt 30 (Bestandssicherung) beziehungsweise 35 Prozent (Bestandsentwicklung), mehr als 100 000 Euro gibt es aber für keinen Verein. Gemäß der Richtlinie für das Förderjahr 2020 muss ein Klub zehn Prozent der Investitionssumme selbst aufbringen können. Ohne Taschenrechner, aber meist auch ohne Kredite, geht da nichts. „Das oberste Gebot ist: Alles, was dem Sport dient, ist förderfähig“, sagt Logemann. Der Landessportbund kann stichprobenartig prüfen lassen, ob die Vereine das Geld auch zweckgebunden eingesetzt haben. Wenn nicht, fordert er die Fördersumme zurück. „Mit Zinsen“, weiß Logemann.

Investitionen hält er für überlebenswichtig für die Vereine. „Es geht nicht mehr ohne“, findet der Affinghauser. „Es ist, wie Peter (Schnabel, der KSB-Vorsitzende; d. Red.) gesagt hat: Wie man Zuhause lebt, will man es auch im Verein haben.“ Mitglieder wollen Sport treiben oder erleben – und das bei möglichst perfekten Bedingungen, ob in der Halle oder auf der Tribüne. Die Vereine sind also unter Zugzwang. Sie müssen attraktiv bleiben – mit ihrem Sportangebot, aber immer mehr auch mit ihrer Infrastruktur. Ganz simpel formuliert, lautet das Motto: Steine für Beine. So hält es auch der Barrier TC: „Wir haben in den vergangenen Jahren viel gemacht bei uns“, verweist Eilers zum Beispiel auf die Erneuerung der vier Plätze in der Halle, die vor einigen Jahren zwischen 60 000 und 70 000 Euro gekostet hat. Auch die Beleuchtung ist auf LED umgestellt worden. „Da geht es um die Attraktivität, aber auch um den Sportgenuss: Wenn wir beim BTC keine vernünftigen Plätze haben, dann gehen die Mitglieder weg. Wir sind also gezwungen, die Plätze immer in hervorragendem Zustand zu halten. Wenn ein Mitglied im Verein ist, will es seine Sportart sehr professionell betreiben. Man muss versuchen, den neuesten Anforderungen gerecht zu werden. Das wird heutzutage erwartet.“ Früher sei das noch ein bisschen anders gewesen. „Da sind viele Menschen noch von selbst zu den Vereinen gekommen. Heute suchen wir aktiv Mitglieder.“ Schon deshalb seien die Fördergelder überlebenswichtig. „Jede Summe entlastet uns.“

Förderung auf hohem Niveau halten

Für 2019 haben die Barrier wie die anderen Vereine auch die erhoffte 30-Prozent-Förderung erhalten. „Bis 2022 sieht es ganz gut aus“, sagt Logemann mit Blick auf die zusätzlichen Millionen des sogenannten Sportstättensanierungsprogramms. Doch was kommt danach? Dazu hat auf dem Landessporttag 2018 der LSB-Vorstandsvorsitzende Reinhard Rawe deutlich Stellung bezogen: Die 10,1 Millionen Euro reichten auf lange Sicht nicht. „Der Bedarf liegt aber dauerhaft höher. Deshalb ist unser Ziel, die höhere Förderung zu verstetigen und langfristig in die Finanzhilfe einzubeziehen.“ Sprich: Es muss auch ohne VW-Strafe noch mehr Unterstützung für die Vereine in Niedersachsen geben. Das sieht Logemann genauso: „Es muss auf diesem Niveau weiterlaufen, sonst sehe ich schwarz.“

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