Vereinsleben Nur geringer Mitgliederschwund bei hiesigen Vereinen

Die Mitgliederzahlen bei den Vereinen aus der Region sinken trotz der Corona-Krise kaum.
28.12.2020, 16:42
Lesedauer: 5 Min
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Von Thorin Mentrupund Jannis Klimburg

Das Jahr 2020 war nicht nur für die Sportler, sondern auch für ihre Vereine eine große Herausforderung. Viele Verantwortliche begleitete die bange Frage: Welche Auswirkungen würde die Krise auf ihre Zukunftsfähigkeiten haben? Und das gleich zweimal. Schließlich war der erste Lockdown nicht der einzige. Der zweite läuft sogar gerade. Viele Verbände, unter anderem der Niedersächsische Turnerbund, warnten davor, die Klubs müssten um ihre Mitglieder bangen und einen deutlichen Rückgang der Zahlen befürchten. Doch wie sieht es im Kreis Diepholz aus?

Der November ist der Monat, der einen entscheidenden Einfluss auf die Mitgliederzahlen hat. Dann müssen bei einem Großteil der Klubs spätestens die Kündigungen für das Ende des Halbjahres eingehen. Ausgerechnet der Monat also, als der zweite Lockdown in seiner sogenannten Light-Variante begann. Einen bangen Blick auf den Posteingang seines Vereins hat Horst Schlottmann allerdings nicht geworfen. Seit dem Frühjahr sei keine Austrittswelle auf seinen TSV Bassum zugerollt, erklärt der Vorsitzende, und das sei auch im November nicht der Fall gewesen. „Ich gehe davon aus, dass die Zahl der Austritte sich im normalen Bereich bewegt“, erwartet er stabile Zahlen für seinen rund 1250 Mitglieder starken Klub aus der Lindenstadt.

Eine gewisse Ungewissheit habe unter den Vereinen dennoch geherrscht, vor allem zu Beginn des ersten Lockdown. „Wir haben uns rechtlich informiert, wie es aussieht. Da hat uns auch der Kreissportbund geholfen.“ Müssen die Mitglieder zahlen, obwohl sie das Vereinsangebot nicht nutzen können? Die Antwort: Ja, sie müssen. „Aber das stand auch nie groß zur Debatte“, hat Schlottmann kein großes Murren der TSVer wahrgenommen. Das gibt seinen Bassumern vor allem eins: Planungssicherheit. „Jedes Budget, das ein Verein aufstellt, hat als Basisdaten die prognostizierten Einnahmen. Und da sind die Mitgliedsbeiträge ein wichtiger Faktor“, erklärt er, dass eine konstante oder wachsende Zahl an Mitgliedern eine zentrale Rolle für die Zukunftsfähigkeit spielt. Investitionen können unter anderem deshalb nötig werden, weil eine Alternative für den abgelehnten Kunstrasenplatz gesucht wird.

Generell blickt Schlottmann recht optimistisch nach vorn: „Vereine im ländlichen Raum haben den Vorteil, dass die Mitgliedsbeiträge nicht fürchterlich hoch sind“, ist die finanzielle Belastung nicht vergleichbar mit einem Fitnessstudio. Wenn beim TSV ein Jugendlicher im Jahr 66 Euro zahle, sei diese Summe in Fitnessstudios teilweise in zwei, drei Monaten bereits ausgezahlt.

Wichtiger Teil der Gemeinschaft

Doch das ist nicht der einzige Faktor, wie Bernd Wilhelm feststellt. Er ist Vorsitzender der TSG Osterholz-Gödestorf, einem mit rund 430 Mitgliedern deutlich kleinerem Verein. „Je größer ein Sportverein und sein Angebot, desto mehr wird er als Dienstleister gesehen. Das spüren wir bei der TSG nur in den Anfängen. Wir haben einen übersichtlicheren Verein, in dem jeder jeden kennt. Der Zusammenhalt ist sehr groß.“ Auf dem Dorf sei ein Verein mehr als nur eine Möglichkeit, Sport zu treiben, sondern ein wichtiger Bestandteil der Gemeinschaft.

Allein darauf verlassen dürfe man sich allerdings nicht, findet Wilhelm. Ein Immer-weiter-so könne man sich nicht erlauben, „auch wenn wir bisher kaum etwas spüren. Genau aus diesem Grund bieten wir Onlinekurse in unserer Gesundheitssparte an. Das wollen wir im Januar weiter intensivieren.“ Er gehe davon aus, dass die Corona-Pandemie den Sportbetrieb noch bis Ostern begleiten werde – mindestens. Deshalb wolle die TSG unter anderem mehr Outdoor-Training anbieten.

Der entscheidende Punkt für die Mitgliederbindung sei, „dass wir als Sportverein weiter erlebbar bleiben“. Deshalb sei während der Pandemie auch Ideenreichtum gefragt. Das Vereinsleben sei bei der TSG aber immer noch intakt. Allerdings gibt es abseits der Mitgliederzahlen Auswirkungen der Krise. Das Drei-Dörfer-Haus hat kaum Einnahmen abgeworfen. Drei, vier Veranstaltungen habe es gegeben, so Wilhelm. „Das tut natürlich weh.“ Allerdings hofft er auf Besserung. Denn: „Anfragen waren genug da, es durfte nur nichts stattfinden.“

SC Weyhe ist gut aufgestellt

Letztlich bleibt den Vereinen nur, auf ihre Mitglieder und deren Treue zu hoffen. Was das angeht, sieht Jörg Hartmann seinen SC Weyhe gut aufgestellt. „Momentan ist die Situation sehr gut. Wir haben die normalen Schwankungen. Der Großteil hält uns die Stange“, freut sich der Klubchef. Selbst der zweite Lockdown konnte die Weyher nicht aus der Ruhe bringen. Denn das Feedback aus den Abteilungen sei sehr positiv gewesen. „Die Resonanz ist, dass sich alle auf den Moment freuen, wenn sie wieder gemeinsam Sport machen können, weil sie die Gemeinschaft wollen, weil dort auch viele Freundschaften entstanden und gewachsen sind.“ Es fehlt also insbesondere auch das Zwischenmenschliche. Auch in einem Großverein mit 1200 bis 1300 Mitgliedern zähle jeder Einzelne.

Er habe viel Hilfsbereitschaft gespürt, erklärt Hartmann. So hätten Trainer freiwillig auf ihre Gelder verzichtet. Die Pandemie hat nicht nur Auswirkungen auf die Mitgliedszahlen, sie trifft die Vereine auch in anderen Bereichen schwer. In Weyhe etwa musste der Duathlon ausfallen, ein Magnet für Hunderte Sportlerinnen und Sportler und zugleich eine Veranstaltung, die den Ort, aber auch den Sportclub und in diesem Fall vor allem seine Triathlonsparte sehr bekannt macht. Der Duathlon war immer auch Werbung für den Verein und ermöglichte damit neue Einnahmen durch neue Mitglieder. Genaue Zahlen über den aktuellen Stand erwartet der Vorsitzende zu Beginn des neuen Jahres.

Große Sorgen um die Zukunft des SC Weyhe macht sich Hartmann nicht. Allerdings hofft er darauf, dass das Sporttreiben schon bald wieder möglich ist. „Denn damit steht und fällt alles“, weiß er.

Mitglieder bleiben treu

Auch beim SC Twistringen sind die Mitgliederzahlen kaum gesunken. „Wir hatten nicht viele Austritte“, erzählt der 1. Vorsitzende Ingo Müller. „Denn wir wissen, was unsere Übungsleiter für eine hervorragende Arbeit in den jeweiligen Sparten machen. Das wissen auch die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen zu schätzen.“

Auch während des Lockdown versuchen die einzelnen Sparten, ihren Mitgliedern etwas anzubieten. So zum Beispiel hat die Fußballabteilung eine Zeit lang über das Internet ein individuelles Training angeboten. „Wir haben uns schon viel einfallen lassen“, betont Müller, der sehr stolz auf seine treuen Mitglieder ist. „Ich glaube, da spreche ich auch für alle anderen Vereine.“ Während der Corona-Krise hat der SC Twistringen sogar noch einige Mitglieder dazugewonnen, wie Müller berichtet. „Und das obwohl man wusste, dass wir nicht viel anbieten können aufgrund des Lockdown.“

Die Mitgliedererfassung laufe gerade, berichtet Uwe Drecktrah vom Kreissportbund Diepholz. „Und das wird auch noch ein paar Wochen dauern. Die Vereine dagegen wissen es schon.“ Neben seiner Tätigkeit beim Kreissportbund fungiert Drecktrah auch als Vorsitzender beim Schützenverein Bassum von 1848. „Wir haben nur wenige Austritte zu verzeichnen, aber auch keine neuen Mitglieder gewonnen. Was aber eben auch daran liegt, dass man in diesem Jahr nichts veranstalten konnte.“

Seine Einschätzung sei, dass die traditionellen Vereine im Südkreis kaum Mitgliedern verlieren würden. „Weil solche Vereine eben sehr gesellschaftlich unterwegs sind und so ihre Mitglieder binden können.“

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