Kirchenkreis Osterholz Diakonie legt Sozialfonds auf

Die Energiekostenpauschale von 300 Euro im September war steuerpflichtig. Der Kirchenkreis Osterholz will 45.000 Euro Mehreinahmen daraus in einen Sozial- und Energiefonds einbringen und an Bedürftige geben.
09.11.2022, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Diakonie legt Sozialfonds auf
Von Lars Fischer

Landkreis Osterholz. Mit der Initiative Wärmewinter wollen der evangelische Kirchenkreis Osterholz-Scharmbeck, das Diakonische Werk und die Kirchengemeinden von Armut betroffene Menschen in der Energiekrise unbürokratisch helfen. Gemeinsam haben die kirchlichen Organisationen einen Sozial- und Energiefonds in Höhe von 45.000 Euro aufgelegt. Das Hilfsnetzwerk, das nach eigenem Bekunden für Wohnungs- und Herzenswärme sorgen soll, werde derzeit im Eiltempo geknüpft, so Kirchenkreis-Sprecher Roland Hofer. Die Beratungsleistungen liefen bereits, am kommenden Wochenende sollen die ersten Sachspenden ausgegeben werden.

Woher kommt das Geld?

Die Kirche will so die Mehreinnahmen, die sie aus dem Kirchensteueranteil der Energiepauschale des Bundes bekam, einsetzen – im September wurden 300 Euro über die Arbeitgeber ausgezahlt, diese waren aber steuerpflichtig. „Wir wollen als Kirche und Diakonie ein starkes Signal setzen, dass wir für die Menschen vor Ort da sind, mit den Bedürftigen mitfühlen“, nennt Superintendentin Jutta Rühlemann die Motive der Hilfsinitiative. Die Kirche helfe so mit, „dass das Familien- und Sozialleben unter den finanziellen Nöten nicht zu sehr leidet.“

Wer gibt die Hilfen aus?

Mit rund 45.000 Euro sind in Herbst und Winter die Hilfskassen gefüllt. Damit wird laut Rühlemann ein Mix aus Sachspenden, finanziellen Einzelfallhilfen und Hilfsaktionen finanziert. Die ausführenden Initiatoren sind das Team des Diakonischen Werkes (15.000 Euro), das noch zusätzlichen Beratungsservice anbietet, sowie die Kirchengemeinden (30.000 Euro). „Denn beide sind nah dran an den Menschen und kennen den Bedarf vor Ort am besten“, erklärt Rühlemann. Zur Hilfe gehört auch eine Information über alle Angebote. Wichtige Kontaktadressen und Internetlinks zum Energiesparen stehen in einem Flyer, den alle Initiatoren derzeit im Kirchenkreis verteilen und auslegen. Die Online-Version steht unter www.kirchenkreis-osterholz.de.

Wer kann Sachspenden bekommen?

Wie Stephanie Thiele, Geschäftsführerin des Diakonischen Werks, berichtet, soll am Sonnabend, 12. November, von 10 bis 13 Uhr bei der Tafel in Osterholz-Scharmbeck, Loger Straße 10, mit der Ausgabe von energiesparenden Sachspenden begonnen werden. Ein zweiter Termin ist am Dienstag, 15. November, von 13 bis 16 Uhr in der St.-Willehadi-Kirche. Verteilt werden etwa Duschköpfe, abschaltbare Stromsteckerleisten, Raumtemperatur- und Feuchtigkeitsmessgeräte sowie Fensterdichtungen. Wer sich dort etwas abholen möchte, muss seine Bedürftigkeit nachweisen und einen Bescheid über Sozialleistungen wie etwa Wohngeld, Grundsicherung, Arbeitslosengeld II (Hartz IV), Bafög oder Kinderzuschlag vorlegen. Wer derzeit keinen Anspruch auf eine dieser Leistungen hat, kann in einem Gespräch mit der Kirchenkreissozialarbeiterin Angelika Meurer-Schaffenberg seine besondere Lage schildern und bekommt dann gegebenenfalls ebenfalls Hilfe.

Gibt es auch finanzielle Leistungen?

Neben den Sachspenden stehen weitere rund 5000 Euro für finanzielle Notfälle bereit. Diese sollen ausdrücklich nicht nur an Menschen gehen, die Anspruch auf Sozialleistungen haben. „Der Druck durch Corona und die Energiekrise auf die Budgets nimmt stark zu“, weiß Meurer-Schaffenberg aus ihren Sozialberatungen. „Da ist oft schon der Kauf von Lebensmitteln ein echtes Problem“. Es gehe darum, mit diesen Mitteln eine kurzfristig entstandene Notlage abzumildern.

Was machen die Gemeinden?

Auch in den Kirchengemeinden wird ein Hilfsnetzwerk geknüpft. In den 16 Mitgliedsgemeinden stehen 30.000 Euro zur Verfügung, um besondere Angebote vor Ort machen zu können. Das Spektrum der Ideen reicht von Wärmestuben und Mittagstisch über zusätzliche Lebensmittelangebote, Nachbarschaftshilfe und Tauschbörsen bis zur Ausgabe von Sachspenden und zur finanziellen Einzelfallhilfe. Besonders weit ist bereits Grasberg. In der Fahrradwerkstatt überarbeitet ein Geflüchteter aus Kolumbien ehrenamtlich und kostenlos gespendete Fahrräder von Privatleuten oder aus dem Fundbüro. „Sie verbessern die Mobilität vor allem von Alleinerziehenden sowie Familien, die finanziell sehr stark belastet sind“, berichtet Pastor Thomas Riesebeck. Außerdem habe die Gemeinde einen Diakonie-Nothilfefonds aufgelegt, der besonders Bedürftige finanziell unterstützt.

Info

Mehr Informationen über die Aktion Wärmewinter stehen online unter www.waermewinter.de. Dort gibt es auch eine Übersicht samt Download aller staatlichen Hilfen. Alle Fachdienste der Diakonie sind unter www.diakonisches-werk-ohz.de zu finden.

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