Bäuerliche Entwicklung Neue Ausstellung im Kreismuseum Syke

Das Kreismuseum Syke präsentiert ab kommenden Sonntag eine neue Ausstellung über die bäuerliche Entwicklung im Landkreis Diepholz. Beleuchtet werden elf Themen rund ums Thema Landwirtschaft.
02.09.2022, 16:22
Lesedauer: 3 Min
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Von Dagmar Voss / DV

Landkreis Diepholz/Syke. "Herr, segne die Saat auf der Flur…" lautet der Titel der neuen Ausstellung im Kreismuseum. Nicht etwa entlehnt von einem religiösen Traktat oder alten Kirchenliederbuch, sondern viel profaner: aus einem Mähdrescher-Kalender von 1962. Der erschien und war heiß begehrt, weil es in der Landwirtschaft das Neueste vom Neuen war, erklärt Kurator Ralf Weber. „Mähdrescher revolutionierten die Arbeitsvorgänge der Landwirte enorm, man brauchte plötzlich wesentlich weniger Erntehelfer und auch keine Pferde mehr, denn der Traktor war da ja auch schon ein wesentlicher Teil der Landarbeit geworden.“

Das und wesentlich mehr über die bäuerliche Entwicklung präsentiert die Ausstellung mit dem Untertitel „Landwirtschaft und ländlicher Alltag im Landkreis Diepholz von 1870 bis 1970“, zu sehen ab Sonntag im großen Ausstellungsraum des Museums. "Was wir hier präsentieren, ist das Ergebnis von drei Jahren Arbeit“, sagt Weber. Der Kulturhistoriker hatte dabei Unterstützung vom Kreisheimatbund sowie von etlichen Helfern wie Annika Weise oder Heinz Feldmann.

Alle Gemeinden des Landkreises

Die umfangreiche Ausstellung hat sich elf Themen vorgenommen, wozu auch Leben, Arbeiten, Wohnen und Brauchtum zählen; Feld und Hofwirtschaft, Moore, Wiesen, Wald, Jagd und Fischerei; Viehzucht und –haltung, Motorisierung, Nebengewerbe und noch viel mehr. Dargestellt wird das alles auf 64 Bildtafeln, bereichert von Einzeldarstellungen aus allen Gemeinden des Landkreises. Über allem prangt ein prächtig in Rot und Gold bestickter Wandteppich von 1888, der einst in der Landwirtschaftsschule Diepholz hing.

Daneben können Besucher in dem Ausstellungsraum einen großen Brutschrank betrachten, eine Kornfege, auch Staubfege genannt, zur Reinigung des Korns vom Staub, oder eine Rübenhäcksel-Maschine oder -presse. Und eine alte Tanksäule, die früher erst an den Straßen zu finden war für die wenigen Autos, später dann auf den Höfen mit Trecker.

Was einst die Landwirtschaft ausmachte, ist größtenteils verschwunden. Und dazu zählen nicht nur die Arbeitstiere, sondern auch die Menschen. Laut Weber: „Ab 1970 veränderte sich alles grundlegend, die Anzahl der landwirtschaftlichen Hofstellen befindet sich im Landkreis Diepholz wie in der gesamten Bundesrepublik Deutschland seit Jahrzehnten im freien Fall und erreichte in diesem Jahrtausend einen neuen Tiefststand.“

Vermächtnis von Vogeding

Immer mehr Landwirte sehen sich gezwungen, ihre Stellen aufzugeben, sagt Weber. Parallel zu diesen Entwicklungen in der Landwirtschaft habe sich zwangsläufig auch das ländliche Leben in unserer Region grundlegend verändert. Bäuerliche Arbeits- und Lebensweisen, die teilweise Jahrhunderte lang Bestand hatten, verschwanden völlig oder veränderten sich fundamental. Zudem gerieten jene Dinge, die früher im alltäglichen ländlichen Leben selbstverständlich erschienen, mehr und mehr in Vergessenheit. Man wolle auch dem Vergessen entgegenwirken, war die überzeugende Ansicht von Ralf Vogeding, dem ehemaligen Museumsdirektor.

„Die Präsentation ist ein Vermächtnis von Ralf Vogeding“, betont Ralf Weber. „Er hat ja auch dazu promoviert, außerdem in seinen 33 Dienstjahren all diese sehenswerten Objekte zusammengetragen und für tiefgreifende Erklärungen gesorgt.“ Das wird besonders deutlich in der Begleitpublikation, die demnächst unter dem gleichen Titel erscheint wie die Ausstellung.

Zur Sache

Ausstellung mit Begleitprogramm

Die Ausstellung (siehe Text oben) ist vom Sonntag, 4. September, ab 15 Uhr bis zum 23. Oktober zu den Museums-Öffnungszeiten zu sehen: Dienstag bis Sonnabend von 14 bis 18 Uhr, am Sonntag immer von 12 bis 18 Uhr. Danach wird sie als Wanderausstellung nach Diepholz gehen.

Das Begleitprogramm bietet am Sonntag, 11. September, von 13 bis 17 Uhr „Landwirtschaft wie vor über 60 Jahren“. Heini Evers und sein Mähbinder sind auf dem Gelände des Kreismuseums in Aktion. Der Mähbinder wird mit dem „Lanz Bulldog“ hergezogen. Am selben Tag ab 14 Uhr gibt es eine Führung durch die Ausstellung mit Ralf Weber (um Anmeldung wird gebeten). Am 29. September ab 19.30 Uhr wird ebenfalls Ralf Weber einen Vortrag halten zum Thema mit anschließender Führung durch die Ausstellung. Am 20. Oktober ab 19.30 Uhr wird der Begleitfilm von Wolfgang Wortmann und Ralf Weber vorgeführt. Einen kürzeren Ausschnitt davon können Besucher schon in der Ausstellung sehen.

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