Literaturgottesdienste Facetten des menschlichen Lebens

Die Sommergottesdienstreihe "Lesezeichen" der evangelisch-lutherischen Kirchen in Syke ist eine liebgewonnene Tradition. Auch in diesem Jahr wird sie fortgesetzt und beginnt am 17. Juli.
12.07.2022, 15:32
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Facetten des menschlichen Lebens
Von Sarah Essing

Syke. "Das Buch hat eine sehr poetische Sprache, der Autor beschreibt sehr bildreich, es ist ein bisschen wie ein Märchen aus 1001 Nacht." Wenn Pastorin Susanne Heinemeyer über den Titel spricht, den sie für die Sommergottesdienstreihe "Lesezeichen" ausgesucht hat, gerät sie geradezu ins Schwärmen. Diese Begeisterung ist ansteckend und wohl mit ein Grund, warum diese Reihe besonderer Gottesdienste nun schon seit Jahren treue Anhänger hat – nicht nur unter regelmäßigen Gottesdienstbesuchern. Die Reihe beginnt am Sonntag, 17. Juli.

"Zu diesen Gottesdiensten kommen auch immer wieder literaturaffine Besucher, die sonst nicht so häufig kommen", weiß Susanne Heinemeyer. "Und vielfach hören wir, dass viele sagen, sie hätten sich das Buch nie angeguckt, aber jetzt schon", fügt Pastor Christian Kopp hinzu. Ein Synergieeffekt, wie er sein sollte. Doch letztlich haben Literatur und Religion viel gemeinsam: Es geht immer wieder um den Menschen und seine Menschlichkeit.

In den sechs ausgewählten Büchern finden sich die unterschiedlichsten Facetten des menschlichen Lebens. Sie führen von einer Blaubeerfarm über Saint-Malo in der Bretagne, einen unbekannten Ort, Berlin, und dem malerischen Inselstaat Syrakesh bis in eine Kleinstadt in Missouri. Sie spielen in der Vergangenheit, in der Gegenwart oder zu einer unbestimmten Zeit. Sie erzählen die Geschichten von drei Schwestern und ihrer Großmutter, von der blinden Marie-Laure, von der 15-jährigen Feline, vom 15-jährigen Sam oder von Selim, dem Straßengeiger.

Wie die Pastoren die Bücher für ihre Gottesdienste aussuchen, ist so vielfältig wie die Bandbreite der Literatur. Pastorin Katja Hedel etwa stöbert gern in Buchhandlungen, verrät ihr Mann Christian Kopp, der sie bei der Vorstellung der Reihe vertritt. Für ihr Buch dieses Jahr habe sie sich entschieden, weil es in Saint-Malo spielt, eine Stadt, die beide von Urlauben gut kennen. Die spannende Geschichte spielt im Zweiten Weltkrieg, eine Zeit, die das Leben zweier Jugendlicher prägt und durch aktuelle Ereignisse "eine unverhoffte Aktualität gewonnen hat".

Diakon Sascha Maskow hat sich für ein Buch seines Lieblingsautors Sebastian Fitzek entschieden. Nicht gerade eine offensichtliche Wahl für einen Gottesdienst. Doch darin spiele Musik eine entscheidende Rolle und wie wichtig Musik für jeden ist, was sie über uns sagt und wie sie uns hilft, werde in seiner Predigt eine wichtige Rolle spielen. Darüber hinaus wird Musik auch sonst im Gottesdienst eine große Rolle spielen, verrät er.

Marikje Smid hört "immer Rezensionen im Radio". Sie schätzt besonders Biografien und Lebensgeschichten, die auch in ihrem Buch im Vordergrund stehen. "Jedes Kapitel widmet die Autorin einem Teil ihres Lebens", sagt Marikje Smid. "Da kann man richtig mit eintauchen."

Susanne Heinemeyer setzt hingegen auf die Ratschläge einer viellesenden Freundin, "die mich sehr gut kennt". Von ihr erhalte sie mehrere Vorschläge, die sie sich dann anschaut und liest. "Der Reiz, mal etwas Neues zu lesen" spiele dabei auch eine große Rolle. Dennoch hat sie sich in diesem Jahr für ein Buch eines ihr schon bekannten Autors entschieden, eben wegen seiner "poetischen Sprache".

Herausgekommen ist auf diese Weise abermals ein bunter Reigen. Dieser wird auch in diesem Jahr zu den jeweiligen Gottesdiensten auf einem Büchertisch präsentiert, verrät Kopp. Und im Anschluss an den Gottesdienst besteht im Kirchencafé Gelegenheit, "sich über das Gehörte auszutauschen", kündigt er an. Die einzige Änderung in diesem Jahr: Alle Gottesdienste beginnen um 10 Uhr. "Dann kann sich niemand vertun."

Zur Sache

17. Juli, Christuskirche Syke: Albertje van der Meer stellt das Buch "Blaubeerjahre" von Manuela Inusa vor. Darin werden die Lebensgeschichten von drei Schwestern und ihrer Großmutter erzählt. Auf der Blaubeerfarm der Großmutter wächst das Trio auf, nachdem ihre Eltern bei einem Unfall ums Leben gekommen sind. Als die Großmutter die Farm nicht mehr allein bewirtschaften kann, kehren die Enkeltöchter zurück, um den Betrieb zu übernehmen. Etwas, das die Großmutter nie gewagt hatte, zu glauben und etwas, das die Leben der vier Frauen ändert.

24. Juli, Bartholomäuskirche Barrien: Katja Hedel stellt das Buch "Alles Licht, das wir nicht sehen" von Anthony Doerr vor. Erzählt wird die Geschichte von Marie-Laure und Werner. Marie-Laure ist blind und muss mit ihrem Vater vor dem Krieg aus Paris nach Saint-Malo fliehen. Im Gepäck haben sie eines der wertvollsten Ausstellungsstücke aus dem Museum, in dem ihr Vater gearbeitet hat. Werner ist eine technisch hochbegabte Waise aus Essen. Er kommt auf eine der Eliteschulen der Nationalsozialisten. 1944 wird er nach Saint-Malo geschickt, wo eine Person auftaucht, die auf der Jagd nach dem Ausstellungsstück ist.

31. Juli, Michaelskirche Heiligenfelde: Sascha Maskow stellt das Buch "Playlist" von Sebastian Fitzek vor. Darin wird die 15-jährige Feline entführt und an einem unbekannten Ort festgehalten. Was ihr bleibt, ist eine Uhr, mit der sie Musik hören kann. Sie erstellt eine Playlist, mit der sich versucht, ihren Aufenthaltsort zu verraten. Ein Privatdetektiv und eine Physiotherapeutin suchen nach ihr. Ein Wettlauf gegen die Zeit.

7. August, Christuskirche Syke: Marikje Smid stellt das Buch "Vom Aufstehen. Ein Leben in Geschichten" von Helga Schubert vor. 1940 in Berlin geboren, erzählt die DDR-Autorin von langen Sommerferien bei der geliebten Oma, der hartherzigen Mutter, vom Wald, von den kleinen Siegen über den SED-Staat und dem Mauerfall.

14. August, Bartholomäuskirche Barrien: Susanne Heinemeyer stellt das Buch "Zeit der Zikaden" von Andreas Seché vor. Darin erzählt der Autor die Geschichte von Selim, dem Straßengeiger, aus dem erfundenen Inselstaat Syrakesh, der sich in eine Diktatur verwandelt. Selim verliert seine große Liebe, sein Land und seine Freiheit, bevor er fliehen kann.

28. August, Michaelskirche Heiligenfelde: Katja Hermsmeyer stellt das Buch "Hard Land" von Benedikt Wells vor. Dieser Coming-of-Age-Roman gibt einen Sommer lang Einblicke in das Leben des 15-jährigen Sam. In diesem unvergesslichen Sommer nimmt er einen Ferienjob in einem Kino an, schließt Freundschaften, er verliebt sich und seine Mutter stirbt an Krebs.

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