Namenlose Tage 48 Stunden im Spielmodus

48 Stunden dauerten die Namenlosen Tage im Syker Jugendhaus, 350 Interessierte kamen.
25.09.2022, 15:30
Lesedauer: 3 Min
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Von Karsten Bödeker / kbö

Syke. Spiele. So einfach das Wort, so vielfältig die Möglichkeiten. Das zeigte sich am Wochenende wieder einmal bei den Namenlosen Tagen. Im Syker Jugend- und Kulturzentrum standen 48 Stunden lang Brett- und Rollenspiele, Karten-, Fantasy-, Würfel-, Strategie- und Duellspiele auf dem Programm. Zum 29. Mal trafen sich Spieler aus nah und fern, diesmal waren auch Gäste aus Augsburg und Nürnberg dabei.

Mit arbeitsamer Gelassenheit wickelte das Organisationsteam das Wochenende ab, und als sich Laura Wohlfromm, Matthias Müller, Daniel Brückner und Alexander Lenz zur Halbzeit am Sonnabendabend zum gemeinsamen schnellen Essen trafen, herrschte Zufriedenheit. Knapp 300 Personen hatten bis dahin den Weg an die 50 Spieltische gefunden. Nahezu vollbesetzt waren die Tische zum Nachmittag. „Die Bestätigung der Gäste ist toll. Sie kommen gern, und ich bin gern dabei“, erklärte Wohlfromm ihre Motivation.

Viele neue Gesichter hatte Müller entdeckt. Mehr als 350 wurden es bis zum Ende am Sonntagabend, von denen einige in Zelten, andere in Wohnwagen oder im benachbarten Kindergarten Kunterbunt übernachteten. Dort, wo sonst die Vorschulkinder malen, singen und basteln, wurde jetzt gewürfelt, geplant, geguckt, gegrübelt und geschnackt. Fachsimpeln, taktische Absprachen und genaues Studieren der Spielregeln gehörten dazu.

„Die Räume brauchen wir inzwischen“, so Müller. Auch der recht neue Spieker vorm Jugendhaus wurde zum Spielen genutzt – jeder Tisch half. Auf dem Hof hatte Brückner den Grill angeheizt – Bratwürste und Grillfleisch lockten so manchen Spieler dann doch vor die Tür. „Manche Spielrunden dauern Stunden“, erklärten die Organisatoren, „die Leute bringen ihre Spiele mit.“ An einer Pinnwand hingen Spielangebote mit Uhrzeit und Kurzbeschreibung, so konnte jeder die für sich interessante Runde finden. Zur Beratung über neue Spiele waren sogenannte Supporter vor Ort. „Man kann sagen, was man mag, und wir finden für jeden etwas“, so Müller.

Thorsten Werner aus Stade trug ein Supporter-Schild und lud zu „Splittermond“ ein. Sein Sechserteam hatte sich in einen Nebenraum der Fahrradwerkstatt zurückgezogen, Cola und Kekse lagen als Verpflegung für die lange Spielrunde neben Stiften, Blöcken und Würfeln bereit. Mit am Tisch saß Sandra Kascheike, die mit Martin Putzki aus Neumünster angereist war. „Ich bin auch noch Mittelalterfan“, erklärte sie ihre historische Kleidung. Mit Fragen versuchten sie nun, die Spielsituation und die verschiedenen Charaktere auszuloten. „Sie ist sehr wortkarg, kann ich dir sagen“, wiederholte Werner eine Beschreibung. Wirklich mehr wollte er damit eben gerade nicht verraten – Spannung und Kreativität sollten erhalten bleiben. „Ich will euch wirklich helfen, schleichen wäre eine gute Möglichkeit“, ergänzte Mitspieler Julius unter nickendem Zustimmen der anderen.

Drei bis vier Stunde seien eine gute Spielzeit für solche Conventions wie die Namenlosen Tage, meinte Thorsten Werner, so habe jeder noch Zeit für andere Spielrunden. Rund um die Uhr saßen die Spieler an Tischen, wobei es ab 4 Uhr etwas ruhiger wurde. „Um 8 Uhr ging es wieder los, da kamen ja auch die Brötchen“, schmunzelte Wohlfromm. Zehn bis zwölf Stunden sei sie von Freitag bis Sonntag zu Hause, ähnlich gehe es den drei Mitorganisatoren. „Wir haben viel zu tun, sogar Shuttle-Fahrten zum Bahnhof machen wir. Zu viert passt es aber“, meinte Müller, „wir kommen selbst aber gar nicht zum Spielen.“

Immerhin nahm sich Alexander Lenz Zeit für eine kurze Lesung aus seinem neuen Buch. Für einen Freund richtete er sogar einen Livestream an dessen Krankenhausbett ein. Lenz entwickelt auch selbst Rollenspiele. „Der Markt ist riesengroß, jeden Monat kommen neue Spiele raus.“

So wird es bis zum kommenden März, wenn die 30. Auflage der Namenlosen Tage ansteht, viele Neuerscheinungen geben. "Die Szene ist breit aufgestellt, zu uns kann jeder kommen“, so Müller. Übrigens weiterhin spontan und ohne Anmeldung. „Wir haben das mal versucht, aber der Aufwand war zu groß. Die Leute sind etwas verplant und offenbar überrascht, dass wieder Namenlose Tage sind.“ Verwundert sei er schon, denn die Termine im September und März seien doch lange genug bekannt. Genauer gesagt: seit 2006.

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