Neue Ausstellung im Vorwerk Facetten von Mutterschaft im Fokus

Die neue Ausstellung im Syker Vorwerk rückt verschiedene Facetten von Mutterschaft in den Fokus. Und stellt damit auch immer wieder gängige Rollenbilder infrage. Start ist am kommenden Sonntag.
09.12.2022, 16:32
Lesedauer: 3 Min
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Facetten von Mutterschaft im Fokus
Von Lina Wentzlaff

Syke. Mutter werden, Mutter sein hat viele Facetten. Dabei sind die Gefühle und Erfahrungen, die bei einer Mutterschaft aufkommen können, ambivalent. Die gesamte Dimension möchte nun die Ausstellung "Motherhood. Nicht/ Noch nicht/ Nicht mehr/ Vielleicht/ Muttersein" im Syker Vorwerk beleuchten, die am kommenden Sonntag, 11. Dezember, eröffnet.

"Das Thema ist aktuell omnipräsent", sagt Nicole Giese-Kroner, Kuratorin des Vorwerks. Allerdings habe die Idee zu der besonderen Ausstellung schon länger in ihr gereift. "Mutterschaft ist aber so komplex, da recherchiert man immer weiter." Rund drei Jahre dauerte der Prozess der Vorbereitung. So hätten sich mit der Zeit immer mehr Schwerpunkte herausgebildet. Einige Schwerpunkte seien durch den Kontakt zu den ausgesuchten Künstlerinnen und Künstlern zustande gekommen.

Gesellschaft im Spiegel

Mutterschaft im Kulturgebiet, queere Mutterschaft, alternative Lebensmodelle, wertschöpfende Arbeit – vor allem ginge es bei der Exposition viel darum, wie die Gesellschaft auf Mütter schaut. "Und dann war das Thema Nicht-Mutterschaft mir auch sehr wichtig – Geschichten über das Nicht-Wollen, Nicht-Können und den Verlust", sagt Nicole Giese-Kroner. Insgesamt 13 Arbeiten von 16 Einzelkünstlerinnen und -künstlern hat die Syker Kuratorin für die Ausstellung zusammengebracht.

Ein wichtiger Aspekt sei ihr dabei auch gewesen, verschiedene Lebensrealitäten aus unterschiedlichen Kulturen zusammenzubringen. So zeigt Lebohang Kganye mit ihrer Fotostrecke "Her Story" (deutsch: Ihre Geschichte) ein Mutterbild auf, das sie in ihrer Kindheit erlebte. Weibliche Familienmitglieder spielten für die südafrikanische Künstlerin in ihrer Kindheit eine besondere Rolle, berichtet Nicole Giese-Kroner. Denn aufgrund der Apartheid waren die Väter vieler Schwarzer Familien in Südafrika abwesend. Zur Wiederannäherung an ihre eigene Mutter nach deren Tod stellte Kganye alte Familienfotos nach. Später entwickelte sie daraus digitale Fotomontagen, indem sie das Original und die Nachahmung – und damit auch Vergangenheit und Gegenwart – verschmelzen ließ.

Geschieden, kinderlos, Single – die Attribute verbinden die deutsche Dramaturgin Felizitas Stilleke und ihre Freundin Smruthi Gargi Eswar, eine indische Künstlerin. In einem Podcast erträumen sie sich ein Bild von Mutterschaft, das auch einen Platz für Nicht-Mütter bereithält. "Man denkt immer, dass Deutschland da viel weiter ist. Am Ende erkennt man aber: Die Realität sieht anders aus", betont Nicole Giese-Kroner. Die Bilderreihe "Sister Misfortune" überführte Smruthi Gargi Eswar in ein Set aus Tarotkarten mit weiblichen Gottheiten, die anhand von Video-Tutorials für die Besucher zum Selberlegen einladen. Zudem kann das Kartenset auch käuflich im Vorwerk erworben werden.

Rollenbilder im Kontrast

Die Arbeit von Martha von Mechow ist in Zusammenhang mit einem Spielfilmprojekt entstanden, das von einem Mutter-Kind-Kurort handelt. Ihr Video "Ich wünschte, ich wäre ein Teppich, dann könnte ich einfach liegen bleiben" untersucht das zugrunde liegende Problemfeld auf Bildebene: Ist die Frau eine so selbstverständliche Grundkonstante einer Szene des häuslichen Lebens, dass man sie sich daraus kaum wegdenken kann? Auch Clara Alisch verarbeitet die idealisierte Vorstellung des Mutterbildes mit einer Videoinstallation. Sie zeigt intime Momente beim Abpumpen der Muttermilch und verbindet sie mit dem Thema Care-Arbeit.

Einen ganzen Raum – der übrigens mit einer Triggerwarnung versehen ist – bekam die bisher unveröffentlichten Serie "Dark on light". Die Künstlerin Alex Giegold verarbeitet mit verschiedenen Fotos die Geburt und den Tod ihres zweitgeborenen Kindes in der 22. Schwangerschaftswoche. "Eine Fehl-, Tod- oder stille Geburt ist in Deutschland immer noch ein Tabuthema", weiß Nicole Giese-Kroner. Durch ihre assoziativen Fotografien schaffe die Künstlerin Raum für einen Austausch über diese traumatische Erfahrung.

Ein weiterer Aspekt der Ausstellung ist das bis heute noch ambivalente Verhältnis des Kunst- und Kulturbetriebs gegenüber Künstlerinnen und Künstlern, die sich für eine Mutterschaft entscheiden. Dass nicht nur als Frauen gelesene Personen Erfahrungen von Mutterschaft machen können und Rollenbilder vielmehr fließend sein sollten, zeigen zudem Werke von Frederik Vium und Alex Giegold.

Die Ausstellung "Motherhood" startet am Sonntag, 11. Dezember, um 12 Uhr. An dem Tag wird zudem eine kostenlose Kinderbetreuung möglich sein. Weitere Informationen gibt es auch im Internet unter www.syker-vorwerk.de.

Zur Sache

Abwechslungsreiches Programm

Die Ausstellung wird in ein breites Begleitprogramm von Führungen, einem Kinderprogramm, einer Lesung sowie einer Podiumsdiskussion mit Experten und einer Theaterperformance eingebettet. Zudem gibt es zu bestimmten Terminen eine kostenfreie Kinderbetreuung während des Ausstellungs- und Veranstaltungsbesuchs. "So wollen wir die Teilhabe von Eltern, besonders auch alleinerziehenden Elternteilen, an Kulturangeboten ermöglichen", sagt Kuratorin Nicole Giese-Kroner. Mitten in der Ausstellung ist deswegen auch ein Kinderspielzimmer integriert, bei dem ein Sofa auch die Möglichkeit zum Stillen gibt und viele Spielmöglichkeiten vorhanden sind.

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