Kunst in der Coronazeit Unter dem Brennglas der Pandemie

Die Syker Künstlerin Ruth Cordes verarbeitete ihre Gedanken in der Coronazeit in einem künstlerischen Manifest. Rund 70 Seiten sind zusammengekommen. Neben Bildern finden sich auch einige Textbeiträge wieder.
04.10.2022, 17:12
Lesedauer: 2 Min
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Unter dem Brennglas der Pandemie
Von Lina Wentzlaff

Syke. Isolation, Existenzängste und Krieg – die vergangenen zwei Jahre waren für viele Menschen eine psychische Belastung. "Es sind so viele Krisen, dass man dazwischen gar nicht weiß, wie man zum Atmen kommt", fasst die Syker Künstlerin Ruth Cordes die Zeit zusammen. Mit ihrem künstlerischen Großprojekt "2020 – state of mind I" versuchte sie, die Emotionen und Erinnerungen an die vergangenen Monate aufzuarbeiten.

Ruth Cordes nahm in der Coronazeit – wie wohl viele Syker – täglich die Nachrichten auf. Themen wie die Klimakrise, Geringschätzung in vielen Berufsgruppen, irre Verschwörungstheorien begleiteten die Künstlerin. Sie las, sie sammelte – nur an Kunst sei in dem Zeitpunkt nicht zu denken gewesen, erzählt Ruth Cordes. Irgendwann sei dann die Idee aufgekommen, ihre Gedanken künstlerisch festzuhalten, "um sich selbst zu erklären, woher die Erschöpfung kommt und um sie zu kanalisieren".

Erfahrungen festhalten

Denn die Pandemie habe den Finger in die Wunden der globalen Gesellschaft gelegt und die Probleme, die schon vor Corona existierten, wie unter einem Brennglas überdeutlich hervortreten lassen, heißt es im Prolog der rund 70-seitigen Collage. "Ich wollte ein Dokument schaffen, mit dem es mir gelingt, Dinge festzuhalten, die uns in den letzten Jahren widerfahren sind", erklärt die Syker Künstlerin. Fast zwei Jahre arbeitete Ruth Cordes an dem Projekt. Auch internationale Themen wie der Sturm auf das Kapitol in Washington schafften es schließlich in das Dokument.

Ich möchte gerne im Landkreis Diepholz ausstellen. Ruth Cordes

Finanziell unterstützt wurde sie ihrem künstlerischen Großprojekt vom Weser-Hunte-Verband. "Nur deswegen konnte ich das Projekt überhaupt realisieren", betont Ruth Cordes. Als sie mit ihrem Projekt in eine Sackgasse steuerte und das Ende der Förderung näherkam, suchte sie sich Unterstützung von ihrem Kollegen Ingolf Heinemann, den sie seit rund zehn Jahren kennt. Der Fotograf und Galerist aus Neustadt half ihr beim Sortieren ihrer Gedanken und fasste sie in fünf knallharten Essays und anderen Wortbeiträgen zusammen. "Ich hätte es selbst nie so gut verschriftlichen können", betont die Künstlerin.

Innere Knoten lösen

Zwei Monate arbeiteten die Künstler "ganz intensiv" gemeinsam an dem Projekt. "Dass Ingolf nicht die Hände über den Kopf zusammen geschlagen hat – dafür bin ich ihm sehr dankbar", betont Ruth Cordes. Der Zuspruch und der Optimismus ihres Kollegen hätten dann schrittweise die inneren Knoten gelöst. "Die Sorgen sind natürlich noch da, aber ich gehe nun anders damit um", sagt die Sykerin. Neben Essays und anderen Wortbeiträgen von Ingolf Heinemann sammelte Ruth Cordes verschiedene Fotos, Grafiken und Bilder. Die meisten entstanden erst in diesem Prozess. "Es war aber unmöglich, alles in das Dokument zu bekommen", sagt sie und lächelt. Fertiggestellt wurde das Manifest schließlich in der Craftschöpferey von Julia Vogel in Ganderkesee.

Eine Ausstellung sei zu einem späteren Zeitpunkt definitiv geplant, betont die Künstlerin. "Ich möchte gerne im Landkreis Diepholz, insbesondere in Syke, ausstellen." Zurzeit sei bei vielen Schauräumen allerdings ein regelrechter Ausstellungsstau festzustellen. Und auch einen zweiten Teil soll es geben, vielleicht unter dem Namen "state of mind II".

Info

Ruth Cordes' künstlerische Reflexion "2020 –?state of mind" ist in limitierter Auflage von 50 Exemplaren erschienen und kostet 20 Euro. Bei Interesse heißt es also: schnell sein. Exemplare gibt es bei Buchhandlung Schüttert, Schloßweide 1 in Syke, oder auf Anfrage per E-Mail an post@ruthcordes.de.

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