2. Syker Hachelauf Eine Stadt im Positiv-Modus

Der 2. Syker Hachelauf lockte am Sonnabend 875 Aktive und geschätzt 2500 Zuschauer in die Innenstadt. Bei bestem Laufwetter begeisterte das Event beide Gruppen.
15.05.2022, 17:42
Lesedauer: 3 Min
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Von Karsten Bödeker/kbö

Syke. Der Läufer blickte kurz nach hinten, lächelte und zuckte resignierend die Schultern. „Kannste nix machen“, hieß das wohl. Gerade hatte er die Ziellinie passiert und die ersten 2,5 von zehn Kilometern absolviert. Doch ein Spitzenläufer war vollkonzentriert an ihm vorbeigezogen. Dieser hieß Sebastian Kohlwes und ist Bremer Rekordhalter im Halbmarathon. Er hatte in der gleichen Zeit schon seine zweite Runde absolviert. Diese kleine Szene zeigte den ganzen Charme und Charakter des Syker Hachelaufs. Hier der ambitionierte Läufer, dem es um Leistung und Zeit ging, dort der Hobbyläufer, für den das Mitmachen mindestens genauso wichtig war wie eine bestimmte Zeit. Es war diese Mischung, die am Sonnabend für eine besondere Atmosphäre in der Syker Innenstadt sorgte.

Freudige, freundliche Menschen waren unterwegs, der Optimismus schien greifbar, eine Stadt im Positiv-Modus. 875 Menschen gingen an den Start und wurden vom Publikum, das im Start-Ziel-Bereich dicht an dicht stand, beklatscht – egal, wie schnell, egal wie fit, egal wie ambitioniert. Der fachkundige Streckensprecher Juraj Sivulka hatte immer wieder motivierende Worte parat.

Das Organisationsteam vom TuS Syke war hochzufrieden mit der zweiten Auflage des Hachelaufs. Folke Harries, Carsten Dickhut, Johannes Keese und Melanie Meyer bildeten das Kernteam und hatten in den Wochen zuvor unzählige Stunden mit Absprachen, Telefonaten und Organisation verbracht. „Wir waren entspannter als 2019 und sind froh, dass es super geklappt hat. Das schöne Wetter hat dafür gesorgt, dass die Leute länger geblieben sind“, erklärte Melanie Meyer. Am schönsten fand sie die Übergabe der Medaillen sofort nach dem Zieleinlauf gerade an die Kinder.

Die jüngsten Läufer waren fünf Jahre alt und liefen 900 Meter. Als Sivulka den Countdown ins Mikro sprach, riefen die Kids lautstark mit und schonten keinesfalls die Puste fürs Rennen.

Der älteste Teilnehmer war 81 Jahre alt. Auch zu den Oldies gehörte Hermann Sengstake aus Weyhe. Der frühere Syker Schwimmmeister und passionierte Radfahrer nahm an der Walkingstrecke über fünf Kilometer teil: „Mit 40 Minuten ein paar Tage vorm 74. Geburtstag bin ich zufrieden.“

So hatte jeder sein persönliches Ziel, jeder ein persönliches Erlebnis. Da gab es die regelmäßigen Läufer, die sich mal im Wettkampf messen wollten, da gab es diejenigen, die sonst nicht laufen und erst ein paar Tage oder Wochen trainiert hatten, um bei diesem Hachelauf dabei zu sein. „Wir wollten die breite Masse erreichen, das ist gelungen“, konnte Melanie Meyer deshalb zufrieden feststellen.

Walking und die viermal 2,5-km-Staffel waren neu. „Drei andere, die auch mal zweieinhalb Kilometer laufen, findet man schnell“, so Meyer. Das große Ereignis hatte viele kleine Geschichten. Da war die Läuferin, die joggend ihre Sportkarre mit Kind vor sich her schob, da war der Barfußläufer oder das integrative Team eines Wohnheims für Menschen mit Behinderung. Da war der zukünftige TuS-FSJler Tom Heinze, der sich freiwillig für eine Achtstundenschicht zum Helfen meldete. Da waren die jungen TuS-Leichtathleten Olaf und Rasmus, die als Streckenposten auch mal den Autoverkehr regeln mussten und die von einer Passantin unvermittelt mit türkischer Pizza versorgt wurden. Da war Brigitte Steenken, die ebenfalls als Wegweiserin unmittelbar vor ihrem Haus saß und sich mit Wasser, Keksen und einem kleinen Radio ausgerüstet hatte.

Die Mountainbiker des RSV Bruchhausen-Vilsen radelten als Vorhut vorm Feld und als "Besenwagen" nach den letzten Läufern. Während einige Eltern sich zur besseren Sicht auf die Bänke stellten, saßen Gäste vor der Vinothek am Mühlendamm und genossen ihr Getränk in deutlich lebhafterer Umgebung als an anderen Sonnabenden. In den Nebenstraßen und auf den Parkplätzen stretchen sich die Läufer und wärmten sich auf. Der Eiswagen wurde belagert und das Erfrischungsteam hatte spürbar Freude, den Läufern Wasserbecher zu reichen. Manch einer griff zu, andere verzichteten auf das Getränk „to go“ oder genauer: „to run“. Eine Erfrischung der besonderen Art gab es beim VSK Osterholz-Scharmbeck. Das Team war bei den Jugendläufen erfolgreich und die Sieger mussten auch mit der Medaille um den Hals noch mal sprinten, denn ihr begeistertes Team jagte sie mit Wasserflaschen. Ganz großer Sport, ganz große Emotionen eben.

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