Stadtrat Syke Neue Unterkunft für Geflüchtete in Heiligenfelde

Die Stadtverwaltung möchte in Syke-Heiligenfelde ein Gebäude als Unterkunft für Geflüchtete anmieten. Rund 5.000 Euro Miete kostet das möblierte Gebäude monatlich.
23.09.2022, 17:28
Lesedauer: 3 Min
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Neue Unterkunft für Geflüchtete in Heiligenfelde
Von Lina Wentzlaff

Syke. Aktuell stehen der Stadt Syke insgesamt 30 Objekte für die Unterbringung von Geflüchteten zur Verfügung. "Unter anderem benutzen wir derzeit – insbesondere für Geflüchtete aus der Ukraine – einen Teil von Wessels Hotel", berichtete Erster Stadtrat Thomas Kuchem in der Sitzung des Syker Stadtrates am Donnerstagabend. Da es aber Pläne gebe, dieses zu verkaufen, würden der Stadt in Zukunft einige Plätze fehlen. Hilfe könnte ab November schon die Anmietung eines neuen Gebäudes an der Hannoverschen Straße in Heiligenfelde bieten.

Gerade eine spontane Ankunft von Bedürftigen stelle die Verwaltung immer wieder vor gewisse Herausforderungen. Denn obwohl normalerweise der Landkreis Diepholz Hilfesuchende auf die Städte und Gemeinden verteilt, ständen auch immer wieder Geflüchtete vor der Rathaustür in Syke. "Sie brauchen dann schnell ein Obdach", betonte Thomas Kuchem. Bisher habe die Unterbringung immer geklappt. Auch dank der vielen freiwilligen Unterstützer, die Wohnungen oder Zimmer zur Verfügung stellten. "Irgendwann werden die Räumlichkeiten aber vielleicht auch wieder privat genutzt." Erst recht mit Blick auf den bevorstehenden Wintereinbruch, müsse man sich deswegen als Stadt auf die nächsten Flüchtlingsströme einstellen. "Denn es gibt nicht nur Geflüchtete aus der Ukraine", erinnerte der Erste Stadtrat die Anwesenden.

380 Quadratmeter

Das anvisierte Gebäude an der Hannoverschen Straße in Syke-Heiligenfelde hat eine Wohn-Nutzfläche von rund 380 Quadratmetern und verfügt über 13 Gästezimmer, zwölf Badezimmer, drei Küchen sowie ein Kellergeschoss, das mit Anschlüssen für Waschmaschine und Trockner ausgestattet ist. Die Verwaltung geht deswegen davon aus, dass es Raum für bis zu 26 Geflüchtete bietet. Parkplätze stehen neben dem Gebäude zur Verfügung. Zudem befindet sich in unmittelbarer Nähe eine Bushaltestelle mit einer Verbindung in Richtung Syke.

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Insgesamt zeigten sich die Fraktionen gegenüber der Anmietung eines neuen Gebäudes überaus positiv gestimmt. Alle Ratsmitglieder zeigten, dass sie sich der Dringlichkeit des Themas für die Stadt bewusst sind. SPD-Fraktionsvorsitzender Peter Jahnke machte auf die Probleme anderer Städte im Umkreis von Syke aufmerksam, die schon jetzt mit der Unterbringung zu kämpfen haben. "Es ist wichtig, dass man Geflüchteten und auch obdachlosen Leuten eine menschenwürdige Unterkunft anbietet", sagte der Sozialdemokrat. Die Fraktionsvorsitzende der Freie Wählergemeinschaft Syke (FWG), Marlene Früchtenicht, hob zudem die Vorteile der Anmietung eines großen Gebäudes hervor. "Das ist für alle übersichtlicher und besser zu händeln", sagte sie.

Auch Reinhard Hansemann von der FDP musste zugeben, das Gebäude sei passend, "aber die Miete erscheint uns doch sehr hoch". Zudem war er mit der Laufdauer von fünf Jahren unzufrieden, schließlich könne die Stadt nicht fünf Jahre in die Zukunft schauen. "Ich kann es überhaupt nicht beurteilen, wie hoch so eine Miete sein darf", sagte CDU-Ratsherr Christian Eilers. Er wünschte sich deswegen dazu einen Anhaltspunkt von der Stadt- oder Kreisverwaltung.

Thomas Kuchem konnte die Anwesenden beruhigen: "Die Miethöhe wurde bereits mit dem Landkreis Diepholz abgestimmt." Sie sei angemessen. Zudem bekomme die Stadt dann pro Person eine finanzielle Entschädigung. Diethelm Lazar von den Linken fragte sich indes, ob der Kauf des Gebäudes nicht viel kostengünstiger wäre. "Ein Kauf der Immobile stand nie zu Debatte", entgegnete Kuchem. "Das wünscht auch der derzeitige Eigentümer nicht." 

Fünf Jahre sichern

CDU-Fraktionsvorsitzender Wilken Hartje berichtete von einer Hochrechnung aus dem Sozialausschuss des Landkreises. Demnach kämen jeden Tag 50 bis 70 ukrainische Geflüchtete in die Region. "Und wenn der Landkreis und die Privatleute keine Möglichkeiten mehr sehen, Personen aufzunehmen, dann werden die Turnhallen geräumt", betonte er. Und dadurch kämen in kürzester Zeit auch Kosten in der Höhe der Miete eines Gebäudes wie an der Hannoverschen Straße in Syke-Heiligenfelde zusammen. "Ich glaube, dass uns nichts anderes übrig bleibt, als diese Immobilie zu mieten und sie für fünf Jahre zu sichern", resümierte er.

Am Ende stimmten die Ratsmitglieder mit fünf Enthaltungen und drei Gegenstimmen für die Anmietung der künftigen Unterkunft für Geflüchtete in Heiligenfelde ab dem 1. November. Drei Ratsmitglieder waren bei der Besprechung sowie Abstimmung des Themas nicht im Saal, "da sie möglicherweise direkt oder indirekt in dem Sachverhalt in Verbindung gesehen werden könnten", erklärte Ratsvorsitzender Andreas Schmidt den anwesenden Bürgern. 

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