Wasserversorgung Neue Wasserleitung für 350.000 Einwohner

Die Harzwasserwerke erneuern ihr Leitungsnetzwerk. Das Großprojekt betrifft insgesamt 520 Kilometer Leitungen. Mit einer rund zwei Kilometer langen Strecke wird jetzt in Ristedt damit begonnen.
14.07.2022, 13:30
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Neue Wasserleitung für 350.000 Einwohner
Von Sarah Essing

Syke-Ristedt. Die Harzwasserwerke erneuern ihr Leitungsnetz. Vollständig. Ein Unterfangen, das angesichts einer Gesamtlänge von Leitungen von 520 Kilometern rund 50 Jahre in Anspruch nehmen wird. Startpunkt für dieses Großprojekt ist das Grundwasserwerk Ristedt, von wo aus jährlich bis zu 20 Millionen Kubikmeter Wasser zu den Kunden in Teilen von Syke, Weyhe, Stuhr, Thedinghausen und Bremen fließen. Von Montag, 18. Juli, an wird auf fast zwei Kilometern Länge eine Wassertransportleitung erneuert. Das teilte das Unternehmen am Dienstag bei einem Vororttermin in Ristedt mit.

Eingebaut wird eine 100 Millimeter größere Stahlleitung. Das hat zwei Gründe, erläutert Lars Priebe, Leiter der Abteilung Wasserverteilung. Zum einen werden damit die bis zu 60 Jahre alten Asbestzementrohre ersetzt. Asbest? Dieser Baustoff wurde in den 1960er-Jahren vielfach verwendet, erläutert Priebe, sei in Wasserleitungen aber nicht vergleichbar mit der Verwendung in Gebäuden. Die gesundheitsgefährdenden Fasern seien in Staubpartikeln, und Staub gebe es in Wasserleitungen nicht. Für die Nutzer sei dies daher unbedenklich. Das hätten auch wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt. Nichtsdestotrotz sei die Nutzungsdauer für diesen Baustoff auch bei Wasserleitungen eingeschränkt. "Darum werden sie nun ausgetauscht", so Priebe. Das betrifft Leitungen in einer Gesamtlänge von 33 Kilometern.

Leistungsspitzen besser abfedern

Der andere Grund ist die Erhöhung der Fließkapazität. "Wir bauen eine 100 Millimeter größere Stahlleitung ein", berichtet Priebe. Das höre sich erstmal nicht nach viel an, doch dadurch werde die Leitung um 30 Prozent im Querschnitt vergrößert. "Damit können wir größere Druckschwankungen und Leistungsspitzen besser abfedern, wenn viele gleichzeitig Wasser brauchen", erläutert der Abteilungsleiter der Wasserverteilung. Dies betreffe vor allem heiße Tage, an denen abends viel gewässert oder der Pool nachgefüllt werde. Dann reiche das natürliche Gefälle vom Standort Ristedt nicht mehr aus, die Druckerhöhungsanlage müsse dazugeschaltet werden.

Das sei in diesem Jahr noch nicht erforderlich gewesen und sei in Ristedt ohnehin auf vier bis fünf Tage pro Jahr beschränkt, ergänzt Wasserwerksmeister Stefan Schütte. Doch angesichts des Klimawandels "gehen wir davon aus, dass wir mehr Tage haben werden, an denen der Druck erhöht werden muss", sagt Priebe. Durch den Einbau der neuen Rohre hoffen die Harzwasserwerke, dass dies dann zukünftig ausgeglichen werden kann.

Begonnen wird mit den Arbeiten am Montag, 18. Juli, berichtet Projektleiter Philipp Heydel. Und zwar mit dem Verlegen einer provisorischen Wasserleitung, ebenfalls aus Stahl, "damit die Wasserversorgung während der Arbeiten an der eigentlichen Leitung gewährleistet ist". Vom Wasserwerk Ristedt ausgehend, wo zudem ein neuer Großarmaturenschacht für die Druckerhöhungsanlage gebaut wird, wird die Leitung, die parallel zum Handelsweg verläuft, ausgetauscht, bis hinunter zur Feuerwehrtechnischen Zentrale und zur Bremer Straße auf einer Länge von rund zwei Kilometern. 6,5 Millionen Euro investieren die Harzwasserwerke dafür. Ende 2023 sollen die Arbeiten beendet sein.

Handelsweg wird teilweise voll gesperrt

Ist das Provisorium installiert, werden die alten Leitungen komplett entfernt und fachgerecht entsorgt, so Heydel weiter. Die neue Leitung kommt in die bereits vorhandene Trasse. Gebaut wird ausschließlich auf öffentlichem Grund. Allerdings ist für die Bauarbeiten teilweise eine Vollsperrung des Handelsweges erforderlich. "Die Anlieger werden aber jederzeit zu ihren Grundstücken kommen", versichert Heydel. Für alle durch die Arbeiten entstandenen Schäden kommt das Wasserwerk auf, fügt er zudem hinzu.

Die neue Stahlleitung wird geschweißt und mit witterungsbeständigem Polyethylen ummantelt. Zudem wird ein sogenannter kathodischer Erosionsschutz zum Einsatz kommen, der den Stahl vor Rost und Schäden schützt. Auf rund 200 Jahre schätzen die Fachleute die Lebensdauer dieser neuen Leitungen.

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