Caritas Aktionstag Migrationsberatung

Zum achten Mal jährt sich der bundesweite Aktionstag der Migrationsberatung. Die Caritas Beratungsstelle in Twistringen macht ebenfalls mit. Zwei Geflüchtete berichten von ihren Erfahrungen.
13.09.2022, 13:16
Lesedauer: 3 Min
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Von Tim Waßmuth

Twistringen.  Zum achten Mal findet am 14. September ein Aktionstag für die Migrationsberatung statt. Der Caritasverband für die Landkreise Diepholz und Nienburg links der Weser richtet diesen für Twistringen an diesem Mittwoch aus. Aufgerufen dazu hatte die Landesarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege.

Die Migrationsberatung für Erwachsene (MBE) in Twistringen unterstützt Flüchtlinge bei Fragen rund um Themen wie Behördengänge, Arztterminvereinbarungen, Bildungswege oder der Vermittlung von Unterkünften. Aktuell sind in der MBE 85 Ratsuchende gelistet und im Zeitraum von Juli 2021 bis Juni 2022 insgesamt 250 Beratungen in Anspruch genommen worden, teilt der Caritasverband mit. Die Herkunftsländer mit der höchsten Priorität seien zurzeit Syrien, Ukraine und Bulgarien, heißt es weiter. Begleitet werden Erwachsene ab 27 Jahren.

Zwei Ratsuchende sind Sabina Dzhafarova und Ghulam Sakhi Rahmani. Sabina Dzhafarova flüchtete aus der Ukraine und ist seit April 2022 in Deutschland. Mitte April wurde ihre vierköpfige Familie Twistringen zugewiesen. Ghulam Sakhi Rahmani, ehemalige Ortskraft aus Afghanistan, ist seit Ende Januar 2022 mit seiner Frau in Deutschland und vor kurzem Vater geworden. Er und seine Gattin wurden Anfang März 2022 der Stadt Twistringen zugewiesen.

Die 34-jährige Sabina Dzhafarova ist sehr dankbar für die Hilfe, die sie durch die Beratung der Caritas bekommen hat, sagt sie. Ihr ältester Sohn ist zwölf Jahre alt und hat Autismus. So half ihr die MBE beispielsweise, einen Termin beim Autismus-Therapie-Zentrum in Bassum zu bekommen. Durch die vielfältigen Hilfestellungen fühle sie sich ernstgenommen und wertgeschätzt. "Ich fühle mich wie ein Mensch", sagt Dzhafarova. Was die sprachlichen Barrieren angeht, hilft ihr die Übersetzerin Elena Popova, die ebenfalls aus der Ukraine stammt und zuvor unter anderem auch schon als Au-Pair in Deutschland gearbeitet hat. Sie richtet auch ein Sprachcafé aus, in dem sich Geflüchtete austauschen und die deutsche Sprache lernen können.

"In der Heimat hatten wir ein normales Leben"

Ghulam Sakhi Rahmani kam als ehemalige Ortskraft aus Afghanistan Ende Januar dieses Jahres nach Deutschland. In Afghanistan hat er bei der deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) gearbeitet. Die GIZ unterstützt seit September 2021 im Auftrag des Auswärtigen Amtes und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unter anderem Afghanen dabei, gemeinsam mit ihren Angehörigen legal nach Deutschland auszureisen. Ursprünglich hat der 27-Jährige Elektrotechnik in seiner Heimat studiert und möchte hier in Deutschland nun noch seinen Master machen, berichtet Rahmani. "In der Heimat hatten wir ein normales Leben", betont er. Durch seine Arbeit beim GIZ konnte er dort schon ein wenig Deutsch lernen. Für das Studium brauche er aber mindestens einen Sprachkurs in C1.

Sprachkurse für die Geflüchteten können über verschiedene Träger wie beispielsweise die Volkshochschule organisiert werden, sagt Fanja Rasolonjanahary. Die Wartezeiten dabei seien unterschiedlich, je nachdem wie viele Plätze frei seien. Der Grundkurs dauert sechs Monate, heißt es weiter. Fanja Rasolonjanahary ist seit September letzten Jahres als Mitarbeiterin in der MBE beim Caritasverband tätig. Sie besetzt eine halbe von insgesamt 2,5 Personalstellen, die sich beim Caritasverband aktuell um die Migrationsberatung in Twistringen kümmern.

Zweck des achten Aktionstages ist es, über die Leistungen der MBE zu informieren, ihre sozialpolitische Relevanz und den Nutzen einer nachhaltigen Netzwerkbildung im kommunalen Raum aufzuzeigen sowie auf die Notwendigkeit einer bedarfsgerechten Ausstattung hinzuweisen, erklärt Pressesprecherin Urte Tegtmeyer. Eine besondere Bedeutung komme der Migrationsberatung vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und den damit verbundenen zahlreichen Geflüchteten zu, heißt es weiter.

Kürzungen in Millionenhöhe

Gefördert wird das Programm durch den Bund. Für 2023 sollen allerdings Kürzungen in Höhe von ungefähr 20 Millionen Euro anstehen, erzählt Jörg Busse, Geschäftsführer des Caritasverbandes. "Vor dem aktuellen Hintergrund ist das für mich nicht nachvollziehbar", meint Busse. Außerdem verzögern sich pandemiebedingt die Bearbeitungszeiten bei Behörden, was sich auf den Aufwand in den Beratungsstellen niederschlägt, erzählt Urte Tegtmeyer. Das Programm hat eine Laufzeit von einem Jahr. Dann muss wieder ein neuer Antrag gestellt werden.

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