Landgericht Verden Voraussetzungen für Maßregelvollzug erfüllt

Ein 27-Jähriger ist in einem Twistringer Discounter mehrfach gewalttätig geworden. Im Landgericht Verden hat nun die Hauptverhandlung gegen den jungen Mann begonnen.
22.09.2022, 17:37
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Von Angelika Siepmann / asi

Twistringen/Verden. Vor allem bei einem Discounter an der Großen Straße in Twistringen hat ein psychisch beeinträchtigter junger Mann im November wiederholt für Aufregung, gefährliche Szenen und Polizeieinsätze gesorgt. Räuberischen Diebstahl, versuchten Einbruch, Sachbeschädigung und mehr soll der heute 27-Jährige im Zustand nicht ausschließbarer Schuldunfähigkeit begangen haben. Am Donnerstag hat am Landgericht Verden die Hauptverhandlung im sogenannten Sicherungsverfahren begonnen.

Die 2. Große Strafkammer hat zu prüfen, ob die unbefristete Unterbringung des Beschuldigten in einem psychiatrischen Krankenhaus in Betracht kommt. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft sind die Voraussetzungen für den Maßregelvollzug (MRVZ) erfüllt. Laut Antragsschrift ist der Mann für die Allgemeinheit gefährlich. Aufgrund seiner Erkrankung, zu der sich ein Sachverständiger noch ausführlich äußern wird, könnte die Steuerungsfähigkeit im Tatzeitraum erheblich eingeschränkt gewesen sein. Einstweilig untergebracht ist der gebürtige Iraner, der zu übermäßigem Konsum von Drogen, Alkohol und Medikamenten neigen soll, bereits seit einigen Monaten. Er befindet sich im Maßregelvollzugszentrum Niedersachsen in Moringen (Landkreis Northeim).

Zu den zahlreichen Vorwürfen wollte sich der Beschuldigte zum Verhandlungsauftakt gleich bereitwillig äußern. „Ich sage die Wahrheit“, ließ er über den Dolmetscher vorab kundtun. Bei der Befragung durch den Vorsitzenden Richter und vereinzelt den Vertreter der Staatsanwaltschaft lautete die häufigste Antwort dann allerdings: „Ich kann mich nicht erinnern“. Nachhaken half gelegentlich, der Erinnerung auf die Sprünge zu helfen. Und besonders der Syker Verteidiger verstand es, seinem Mandanten zu den mitunter turbulenten Vorgängen im bevorzugten Supermarkt und anderswo noch weitere Angaben zu entlocken. Dass diese nicht immer mit späteren Zeugenaussagen in Übereinstimmung zu bringen waren, steht auf einem anderen Blatt.

Der Beschuldigte hatte es partout auf ein Päckchen Zigaretten abgesehen, als er am 6. November bei dem Discounter auftauchte. Dort kannte man ihn offenbar schon als renitenten „Kunden“. Als die Kassiererin die Bezahlung verlangte, wurde sie beleidigt, ließ sich dadurch aber nicht davon abhalten, dem nunmehr dem Ausgang zustrebenden Mann zu folgen. Es kam zu einem Gerangel, in das ein Zeuge eingriff, der das Geschehen zufällig beobachtet hatte. Der 46-Jährige erhielt nach eigenen Angaben einen Faustschlag ins Gesicht, den er jedoch locker wegsteckte. Dem Dieb gelang vorerst die Flucht, er wurde aber wenig später in der Bahnhofstraße gestellt. Da hatte er nach den peniblen polizeilichen Notizen bereits vier Zigaretten zur Strecke gebracht.

Ein ähnlicher Fall spielte sich in dem Geschäft knapp eine Woche später ab, nachdem der Beschuldigte dort erst einmal eine Flasche Karottensaft geleert hatte. In den späten Abendstunden des Tages soll er vergeblich versucht haben, die gläserne Eintrittstür durch kräftige Fußtritte gewaltsam zu öffnen. Als der erhoffte Erfolg ausblieb, beschaffte er sich offenbar einen „handlichen“ Stein zwecks Zertrümmerns der Tür. Auch damit gelang kein Zutritt. Vielmehr erschien die Polizei und machte dem Treiben ein Ende. Zu seinem Motiv erklärte der Beschuldigte auch in diesem Fall, er habe starken Hunger verspürt und sich bloß endlich Essen verschaffen wollen.

So soll es schließlich auch am 16. November gewesen sein. Trotz inzwischen verhängten Hausverbots erschien der Mann wieder in seinem Lieblingsladen. Als man ihn „herausgeleiten“ wollte, soll er wieder handgreiflich geworden sein. Die Staatsanwaltschaft verzeichnet zudem noch das nächtliche Eindringen in einen Lagerraum sowie den Diebstahl eines Pkw in der Straße im Oberdorf. Damit soll der Beschuldigte am 22. Dezember auf und davon gebraust sein – bis er in Bremen ausgebremst wurde.

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